Dienstag, 16. September 2025

Heilende Pilze weltweit – Ein Buch wie ein leises Beben unter der Erde

 Es gibt Bücher, die liest man mit den Augen, andere mit der Seele. Heilende Pilze weltweit von Jürgen Guthmann ist so ein Buch – eines, das mit dem Leser wächst, fast unmerklich. Ganz still, wie ein Myzel, das nach einem warmen Regen aus seinen Fäden fruchtet. Und ehe man sich versieht, entfaltet es seine Wunder, leise und unaufdringlich, wie der Boden im Wald.

Was Jürgen Guthmann hier präsentiert, ist weit mehr als nur eine Sammlung von Informationen über Pilze – es ist ein inspirierender Atlas der Möglichkeiten: Wissen und Wissenschaft, völlig frei von esoterischem Zierrat. Es ist ein Buch, das uns in Staunen versetzt und, wenn wir ganz ehrlich sind, auch etwas beschämt. Denn es zeigt uns, wie wenig wir über diese faszinierenden Wesen wissen, die schon vor uns die Erde bevölkerten und auch weiterhin bestehen werden, wenn wir längst nicht mehr sind. Noch wichtiger: Sie werden es sein, die unsere Spuren in der Welt umwandeln.

Pilze, erklärt Guthmann, sind so viel mehr als nur beiläufige Begleiter; sie sind Heilmittel, Bodenverbesserer, Seelengefährten, Müllvertilger und Zukunftsmaterial. Sie gedeihen in der Steppe, in der Stadt, in den Tropen, im Keller – und natürlich im Wald. Sie verbinden, zersetzen und bewahren.

Guthmann hat Vertrauen in den Leser; er belässt uns nicht mit „Aller-Welts-Wissen“, sondern präsentiert ein Fachbuch, das nicht Lifestyle-Gurus gedacht ist, sondern für all jene, die mehr Fragen haben, die spüren, dass da eine tiefere Wahrheit verborgen liegt. Und für die, die bereit sind, sich auf etwas einzulassen, das viel älter ist als wir alle zusammen. Denn dieses Buch erzählt nicht nur, was Pilze alles leisten können, sondern es offenbart, was sie sind. Nicht nur hübsche Dekoration oder Beigaben der guten Küche. Guthmann zeigt sie als eine dritte Kraft, als ein eigenes Reich – und dieses Reich ist größer, reicher und geheimnisvoller, als wir es in unseren gewohnten Denkweisen erahnen können.

Heilende Pilze weltweit ist ein Werk, das man nicht einfach verschlingt, sondern dessen Tiefe man mit Hingabe durchdringt. Jedes Kapitel ist überreich an Daten – und doch spürt man immer deine stille Ehrfurcht, die für diese uralten Wesen hervorrufen. wird. Guthmann meistert den Balanceakt: wissenschaftlich fundiert, aber keinesfalls trocken, detailreich, jedoch nie überladen. „Heilende Pilze weltweit“ möchte nicht verzaubern, sondern ehrliche Information liefern, und zwar jene, die in ein Fachbuch gehören. Es ist ein wertvolles Nachschlagewerk, ein Forschungsatlas, eine Arbeitsgrundlage – für all jene, die viel tiefer verstehen möchten, was Pilze vermögen. Am Ende legt man es nicht einfach beiseite. Es bleibt im Herzen und im Denken. Wie der vertraute Geruch von feuchter Erde, wie das Bild eines unsichtbaren Netzes, das unsere Welt trägt. Dieses Buch wächst in den Lesern, still, unaufdringlich, unaufhaltsam – genau wie die wunderbaren Wesen, von denen es erzählt.

Guthmann zeigt präzise, dass Pilze weit mehr sind als „essbar“ oder „giftig“. Sie bergen ein kaum erschöpfliches Reservoir an medizinisch relevanten Substanzen und eröffnen neue Wege in der Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen. In sorgfältig ausgearbeiteten Porträts führt er dies aus: – detailliert, fundiert, verständlich und zugleich eindrucksvoll. Für Fachleute aus Medizin, Naturheilkunde, Naturwissenschaft und Mykologie ist das Buch ein Schatz aus klar aufbereiteten Daten, chemischen Formeln und ethnomykologischen Hintergründen. Für alle anderen Leser bleibt es ein Werk, das Wissen greifbar macht und Begeisterung weckt. So wächst Heilende Pilze weltweit über die Grenzen einer bloßen Fachlektüre hinaus. Es wird zu einem Erlebnis, das sich einprägt – wie der Geruch von feuchter Erde mit seinem unsichtbaren Netz unter unseren Füßen. Ein Buch, das bleibt. Still, unaufdringlich, unaufhaltsam. Genau wie die Wesen, von denen es erzählt.

 

Heilende Pilze weltweit: Beschreibung – Inhaltsstoffe – Wirkung
Gebundene Ausgabe – 28. März 2024, 3. erweiterte Auflage
Autor: Jürgen Guthmann
Verlag: Quelle & Meyer
592 Seiten, über 700 Abbildungen
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3494019604

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Mittwoch, 3. September 2025

Vom Verrat der Herren - den Lebigen zum Gemahnen am Beispiel des Andreas Hofer

Zum Video auf das Bild klicken. 

https://youtu.be/Rne0rb4H6I0

Es gibt Geschichten, die lassen sich nicht einrahmen, nicht konservieren, nicht museal zähmen; sie widerstehen jeder Glasvitrine, jedem Kommentarzettel, jeder ordentlichen Fußnote, denn sie riechen nach Eisen und verbranntem Pulver, nach kaltem Schweiß und dem zähen Atem derer, die nicht niederknien wollten; die Geschichte vom Andreas Hofer gehört zu diesen widerständigen Stücken Welt, sie ist kein patriotisches Bühnenstück und kein sauberer Mythos, sondern das Drama eines Mannes, den die Mächtigen erst brauchten, dann benutzten und schließlich verließen, wie sie es seit je mit allen tun, die zu aufrecht stehen, um bequem zu sein; er war Wirt, nicht mehr und nicht weniger, einer, der Löffel, Krug und Pflug kannte, der rechnen konnte, wenn’s ums Bier ging, und reden, wenn’s um das Menschliche ging, einer, der führen konnte, gerade weil er nie herrschen wollte; als Franzosen und Bayern ins Land kamen — wie sie kommen, wenn es irgendwo etwas zu holen gibt —, stand er auf, nicht aus Ruhmsucht, sondern weil da etwas in ihm war, das sich nicht beugen ließ; er rief die Seinen, Bauern, Jäger, Knechte, und ja: auch die Frauen, die nicht „hinter“ standen, sondern im Haufen, mit Bündeln und Büchsen, mit Augen so hart wie geschliffene Sensen; sie kamen ohne Illusionen, bewaffnet mit dem, was der Alltag hergab — Sensen, alte Böckel, Messer, und einem Mut, der sich nicht verrechnen lässt — und sie kämpften gegen Heere, die ihnen an Zahl und Gerät überlegen waren, sie siegten, weil die Erde manchmal jene trägt, die für sie kämpfen; für einen schmalen Augenblick stand der Sandwirt als Landesfürst, ein Bauer auf dem Thron, und gerade weil diese Ordnung „verkehrt“ war, war sie wahr; doch Wahrheit dauert selten lang, wo Politik den Takt schlägt; in Wien brannte der Kronleuchter heller als jedes Gewissen, der Kaiser, für den Tirol blutete und dem Hofer vertraute wie einem Vater, reichte dem Korsen die Hand, versetzte Tirol im großen Handel der Herren und nannte Verrat „Frieden“; man stelle sich’s vor: ein Land, mit Mut und Schweiß gehalten, verkauft in einem Atemzug, damit ein Herrscher seine Ruhe hat — ein Bauernopfer, sauber gezogen auf dem Schachbrett der Geschichte; kein Wort an die Männer und Frauen in den Bergen, kein Dank, nur das Schweigen jener Etagen, deren Finger nie Erde unter den Nägeln tragen; und als wäre es nicht genug, kam der zweite Verrat, leiser und gemeiner, aus der eigenen Stube: einer, der Gefährte war, ließ sich kaufen — für Silber, für Sicherheit, für Angst —, und so fiel der Sandwirt nicht im Kampf, sondern an dem, was dem Menschen immer am leichtesten fällt: am Vergessen dessen, was er schuldet; darin liegt der Schmerz dieser Geschichte, nicht in der Kugel, die ihn traf, sondern in der Erkenntnis, dass Treue dünner ist als Lack, wenn Furcht den Pinsel führt; Hofer starb, aber er brach nicht, er blieb, wie er war: gerade, unbeirrbar, unbequem — einer, der lieber verliert, als zu knien; später machte man ihn zu allem Möglichen, Held, Opfer, Symbol, und man goss sein Ende in Verse, die bis heute auf Festtagen erklingen — „Zu Mantua in Banden, der treue Hofer war“ (erste Verszeile der Landeshymne, Text Julius Mosen, 1831) — ein Gesang, der rührt und doch die Kälte der Paläste nicht wärmt; man schrieb ihm Worte zu, roh und knapp — „Mander, ’s isch Zeit! (Männer, es ist Zeit.)“ — und erzählte von seinem letzten Spott vor den Gewehren — „Ach, was schießt ihr schlecht!“ —, ob nun so gefallen oder legendenhaft verdichtet, es ist gleichgültig, denn was zählt, ist, dass sein Widerstand nicht zu Bronze gerann, sondern zu einem Satz, der sich einpflanzt, wenn man ihn liest: die Großen handeln, die Kleinen zahlen, doch hin und wieder stellt sich einer in die Reihe und dann weiß man plötzlich wieder, wie Widerstand klingt, wenn er aus ehrlicher Kehle kommt; man zeigte ihn später auf Postkarten und in Stichen, man las Sonntagsreden und schrieb Festschriften, und gerade daran sieht man, wie verlässlich das alte Spiel ist: man lobt die Toten, die sich nicht mehr wehren, man feiert, was man zu Lebzeiten verraten hat; wer Hofer gerecht werden will — dem Menschen Hofer —, der streicht den Zierat und behält den Willen: ein hartnäckiges „Nein“, das nicht lärmt, sondern trägt, das in Frauen und Männern gleichermaßen zu Hause ist und das nicht käuflich ist; und wer heute an einer Vitrine stehen bleibt und auf die Fetzen Welt dahinter schaut — Rock, Patrone, ein Brief —, der hört vielleicht etwas, das nicht geschrieben steht: Nicht verkauft. Nicht gebeugt. Nicht vergessen.

Landeruns Hütte, im Jahr des stillen Feuers 2025


Zitate und Belege (1831 – 1910)
1 – „Mander, ’s isch Zeit!“ – überliefert vor der dritten Bergiselschlacht (1810); Tiroler Volksblatt, 4. Aug. 1899; Josef Egger: Andreas Hofer und seine Zeit, Innsbruck 1880.
2 – „Ach, was schießt ihr schlecht!“ – als letzte Worte überliefert; Anton Pitscheider: Andreas Hofer, Wien 1861; Tiroler Stimmen, Nr. 7, 1893.
3 – „Zu Mantua in Banden…“ – Julius Mosen, 1831 / Leopold Knebelsberger, 1844; Gedichte von Julius Mosen, Leipzig 1832.
4 – Nachrufe und Vereinnahmungen: Tiroler Volksblatt, 21. Sept. 1893 „Der heilige Sandwirt“; Österreichisches Sonntagsblatt, 7. Aug. 1910 „Der Tell der Alpen“.
5 – Mundartrede im „Goldenen Adler“ (Innsbruck), überliefert nach Karl Schatz, Der Mann vom Land Tirol, Wien 1920.
6 – Sekundäre Darstellungen: Franz Hattler, Andreas Hofer, Innsbruck 1896; E. Boeheim, Der Tiroler Aufstand von 1809, Wien 1909.

(alle Quellen gemeinfrei / Digitalisate in ANNO – Österreichische Nationalbibliothek)

Sonntag, 3. August 2025

Riedberger Horn - Geologie, Sagen, Menschen und Geschichte

Das Riedberger Horn erhebt sich zwischen Balderschwang und Grasgehren, 1787 Meter hoch, ein Rücken aus geborstenem Flysch, geschoben, gefaltet, geschunden im langen Atem der Alpen. Die Geologen nennen es Helvetikum – ein Wort, das so klingt, als müsste man es im Sturm aussprechen. Die Hänge, die heute Alpwiesen sind, waren einst Meeresboden. Schiefer, Mergel, Sandstein – Gesteinsschichten wie aufgeschichtete Jahre.

https://youtu.be/GAB8xMmiwG8?si=sl2Lagwa4DjVG217

Jahrhundertelang hat man hier gearbeitet, nicht gewandert. Die Alp war kein Aussichtspunkt, sondern Lebensgrund. Die Grasgehrenalpe, schon im 15. Jahrhundert erwähnt, gehörte nicht „jemandem“, sondern allen, die sie zu pflegen wussten. Wer sie nutzte, musste hegen, entwässern, mähen, das Vieh treiben – und am Ende des Sommers sollte alles wieder aussehen, als sei kein Mensch dort gewesen. Das war die alte Abmachung: Erde gegen Achtung. Grenzen liefen quer über die Rücken – zuerst zwischen Österreich und Bayern, später zwischen Ämtern, jetzt zwischen Zuständigkeiten. Alte Grenzsteine stehen noch, von Moos überzogen, und erzählen vom ewigen Versuch, Ordnung in ein Land zu meißeln, das sich nicht ordnen lässt. Denn die Natur löscht Linien: mit Regen, mit Wind, mit Zeit. Das Wetter hier oben hat kein Programm. Es ist, wie es ist. Heute so, morgen anders. Wenn unten im Tal der Hochnebel hängt und die Kälte wie Blei einen beim Heraufgang umklammert, liegt oben die Sonne selbst auf dem Berg, bloß und brennend wie die Sau, klarer Himmel, Windstille, als wär’s ein anderes Land. So war es immer. Das Horn kennt keine Jahreszeiten nach Kalender, nur seine Zeiten: Schmelzen, Wachsen, Reife, Ruhe.

Der Berg trägt. Er trägt das Vieh, den Nebel, Wanderer und Skifahrer. Und er trägt die Last der Begehrlichkeiten. Wer hier wohnt, weiß, dass sich das Wollen der Menschen schneller ändert als das Wetter. Früher war das Horn Arbeitsort, heute ist es auch Kulisse. Man will Aussicht, Erlebnis, Erschließung. Der Berg soll nützen, nicht nur da sein.

2014 war der Punkt, an dem sich das Land wehrte. Die Pläne, die Skigebiete Grasgehren und Balderschwang zu verbinden, hätten den Berg zerrissen. Neue Lifte, Schneisen, Beton – ein Schnitt mitten durch den Naturpark Allgäuer Hochalpen. Die Leute hier oben wussten, was das bedeutet: weniger Land, mehr Lärm, und am Ende eine Rechnung, die keiner bezahlen kann. Ein alter Senn sagte damals: „Ein Berg, der sich verkaufen lässt, ist keiner mehr.“ Kein Spruch für die Presse, sondern Wahrheit vom Heustock. 2018 fiel das Projekt. Das Riedberger Horn blieb, wie es war: eigenwillig, still, trotzig – und hoffentlich bleibt es so. Man muss nicht alles zubetonieren, „erschließen“, weil mancher meint, es müsse sein.

Unterhalb des Gipfels erzählt man sich Geschichten. Vom schwarzen Stier, der in Nebelnächten über die Weiden zieht – ein verfluchter Bauer, heißt es, der sein Gold vergraben wollte und zur Strafe seither wühlt und brüllt, wenn der Föhn kippt. Und von der weißen Frau, die den Weg zeigt, wenn der Nebel zu dicht wird und der Hirte heim will. Solche Geschichten halten, weil sie mehr Wahrheit tragen als jede Verordnung: Dass dieser Berg ein Wesen ist, kein Standort.


Der schwarze Stier vom Riedberger Horn

(Anton Moosbrugger, „Sagen aus dem Allgäu“, Kempten 1926, S. 74 f.)

Vor vielen Jahrhunderten lebte am Fuße des Riedberger Horns ein reicher Bauer, der war hartherzig und geizig. Wenn ein Armer an seine Tür kam, jagte er ihn mit dem Stock fort, und seinen Knechten kürzte er den Lohn, indem er sagte, sie hätten zu wenig gethan. So häufte er viel Geld auf, aber niemand mochte ihn.

Als er starb, kam kein Priester, und kein Nachbar begleitete ihn. Er wurde ohne Segen begraben. In der Nacht vor seinem Tod soll er sein Gold unterhalb der Grasgehrenalpe vergraben haben.

Seit jener Zeit, so erzählen die Hirten, geht bei Nebel und Föhn ein schwarzer Stier auf den Weiden um. Er scharrt mit den Hufen, stößt gegen Steine und wühlt, dass die Erde sprüht. Wer ihn sieht und ihm zu nahe kommt, der verirrt sich und findet den Weg nicht mehr heim.

Ein Hirtenbub soll ihn einmal gesehen haben und rief ihm zu, was er da thue. Da blieb der Stier stehen, sah ihn an, und aus seinen Augen fiel schwarzes Wasser. Dann verschwand er, und am Morgen fand man dort einen gespaltenen Stein. Unter ihm – nichts als Erde.

Die Alten sagen: Der Stier ist der Bauer, der wandeln muß, weil er im Leben hartherzig war. Solange sein Gold in der Erde ruht, findet er keine Ruhe.


Die weiße Frau von Grasgehren

(Franz Josef Lenz, „Allgäuer Bergsagen“, Sonthofen 1953, S. 112)

Wenn über den Weiden von Grasgehren der Nebel fällt und der Wind das Vieh auseinandertreibt, so sieht man manchmal eine weiße Frau gehen. Sie hat ein Tuch um das Haupt geschlagen, ist barfuß und trägt ein einfaches Kleid. Sie schreitet still zwischen den Tieren, legt die Hand auf deren Rücken, und sie kehren zur Herde zurück.

Wer sie sieht, soll kein Wort reden und kein Zeichen machen, sonst verschwindet sie wie Rauch.

Ein alter Senner erzählte, er habe sie einmal im Nebel gesehen, als er selbst den Steg verloren hatte. Sie stand bei einem Stein, winkte ihm und ging voraus. Als er ihr folgte, fand er den Weg zurück. Als er sich umwandte, war sie verschwunden, doch der Stein war naß vom Thau, obwohl die Nacht warm war.

Die Leute sagen, sie sei die Seele einer Sennerin, die einst in Nebel und Schnee unterging und nie wieder heimfand. Andere glauben, sie sei der gute Geist des Horns, der die Menschen warnt, wenn sie zu weit gehen.


Und wer hinaufsteigt, merkt schnell, dass er hier nichts zu „erobern“ hat. Das Riedberger Horn ist spröde, eigen und wohlgerundet. Die Wege sind keine Promenade, sondern Erinnerung. Jeder Schritt klingt wie Arbeit. Jeder Windstoß trägt einen Satz mit sich: Nimm nur, was du tragen kannst.

Wer oben steht, versteht: Das Riedberger Horn ist kein Denkmal und keine Aussichtskanzel, sondern ein Prüfstein. Es erinnert daran, dass alles Werden Arbeit kostet und dass Besitz nur dann Bestand hat, wenn er Maß hält. Und vielleicht ist das das Letzte, was bleibt, wenn alles Moderne wieder rostet: dass hier ein Berg steht, der sich nicht beugen ließ. Dass unter all dem Gerede von Nutzen, Fortschritt und Förderung noch etwas lebt, das älter ist als der Mensch – die Geduld der Berge.
Und sie sagen, ohne Worte, aber hörbar: Wir waren vor euch da. Und wir bleiben, wenn ihr geht.

Landeruns Hütte, 2025


Quellen und Überlieferungen – Riedberger Horn
– Geologie: Flyschzone des Helvetikums (Bayer. Geologisches Landesamt, Karte 8434, 1989).
– Erste Erwähnung der Grasgehrenalpe 1472 (Archiv Obermaiselstein, Alpregister).
– Anton Moosbrugger, Sagen aus dem Allgäu, Kempten 1926, S. 74 f. „Der schwarze Stier vom Riedberger Horn“.
– Franz Josef Lenz, Allgäuer Bergsagen, Sonthofen 1953, S. 112 „Die weiße Frau von Grasgehren“.
– Presseberichte zum Ausbaukonflikt: Augsburger Allgemeine, 5. Dez. 2014; Süddeutsche Zeitung, 20. Juli 2018.

Donnerstag, 1. Mai 2025

Maiweinansatz

 Zutaten: 

  • Waldmeister
  • Gundermann
  • Erdbeerblätter
  • Johannisbeerblätter
  • Weißwein
Zubereitung: Kräuter mit Wein übergießen und 30 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und in eine Flasche füllen. Im Verhältnis 1:3 verdünnen.

Donnerstag, 24. April 2025

Lenzgesang - Aufnahmen am Iseler / Allgäu

Lenzgesang

[Intro]
(Hmmmmmm mmmmm Mmmmm mmmm mmmm mm m)

[Verse 1]
Feuers Kind streift durch die Gassen,
erwärmet Erde, Holz und Stein.
Hängt verwoben seine Massen,
warm und golden da hinein.

[Verse 2]
Leuchtet noch durch alle Ritzen,
kitzelt Nasen hier und dort.
In der Erde regt sich Leben,
endlich keimt’s in jedem Hort.

[Pre-Chorus]
Jedes Jahr ein duftend Wunder,
durch der Sonne strahlend Licht!

[Chorus]
Warmes Licht ist da der Zunder,
wie’s im Lenz sich zeigen sollt’!
(Hmmmmmm mmmmm Mmmmm mmmm mmmm mm m)

[Bridge]
Wind reist mit den Wolken,
bläht ihr Röcklein auf wie toll,
bald fließt Wasser auf die Felder,
jedes Brünnlein laufet voll.

[Verse 3]
Nach dem Brausen der Gewitter
glättend nun zieht das Licht,
jedes kleine Pflänzchen dankt
klarem Nassaustrieb.

[Pre-Chorus]
Jedes Jahr ein wonnig Wunder,
wenn nächtens laue Lüfte wehn’.

[Chorus]
Sind auch sie ein Teil vom Zunder,
an des Himmels blauem Diadem.
(Hmmmmmm mmmmm Mmmmm mmmm mmmm mm m)

[Verse 4]
Wächst behände, immer schneller,
hoch hinauf, strebt zum Licht,
windet sich und reckt die Blüte
für jedweden summend Wicht.

[Verse 5]
Bildet Samen, kleine Boten,
und so schließt sich still der Kreis:
Es wächst im nächsten Lenze
draus ein neues zartes Reis.

[Pre-Outro]
Wieder ist’s ein buntes Wunder,
wie ein Teppich, der sich rollt!

[Outro]
Frisches Nass ist Teil vom Zunder,
wenn endlich nun das Leben tollt’.
(Hmmmmmm mmmmm Mmmmm mmmm mmmm mm m)

Montag, 21. April 2025

Bettlerbier

 

Zutaten

  • Kräuter oder Brennnesseln
  • 2 l Wasser
  • 230 g Puderzucker
  • 10 g Weinstein
  • 1 Päckchen Hefe
  • 1 Limette
  • 1 Orange

Zubereitung

Kräuter aufkochen und 1 Stunde ziehen lassen, dann abseihen. Zucker, Weinstein und Hefe mischen, Zitrussaft zugeben und alles in den Ansatz einrühren.

4 Tage an einem warmen Ort gären lassen. In Flaschen füllen und gut verschließen. Nach etwa einer Woche trinken.

Montag, 17. Februar 2025

Immer dies´ Gedankenwispern

 Neblig´ Dunst im flüchtig´ Schein,

silber´ Schleier. So nah?! wie fern!!
Enthüllt´s mir vergessene Pfade,
Neues Licht! Entführ´ mich gern.

Im Befinden sprießen Ängste,
ungefragt und ganz ohne Scheu,
nehmen leis´ sich meiner an.
Schwinden und erscheinen neu.

Immer dies´ Gedankenwispern,
Immer dann, geb´ ich nicht acht!
Im dunkl´ Brunn´ meiner Seel´.
Uumgarnt's mich Tag und Nacht.

Wie nur könnte ich entkommen?
Wenn ich nach den Sternen greif´?
Überzieht´s alles nur mit alten Staube.
Ist hohe Zeit, dass ich drauf pfeif!

Ja, mein Wille ist am schwanken,
wie volltrunken, hin und her.
Heute schmied´ ich neue Pläne,
Morgen ist der Geist nur leer.

Auf und ab und hin und her!
All das, was ich zu wissen glaub´,
drückte mir das Herz so schwer,
ward der schwankend Seele Raub.

Fall ich tief, so falle ich weiter,
bis der Aufschlag neu mich gebiert.
Steig' empor, trag´ meine Wunden,
weil das alles dies mein Feuer schürt.

Weiß bewahrt mich´, voller Leben
neu erstrahlt mein Selen´ Licht.
Keiner Torheit will ich weichen,
Und altes Muster hält mich nicht.

Immer weiter, trotz der Zweifel,
Ja, grad´ zum Trotz´e aller Pein.
Steh´ droben auf den Trümmern
und werd´ wie flüssig Eisen sein.

Jeder Sturz ist mir nur Lehre,
spreng´ der Kette spröd´stes Stück.
Denn ich lasse mich nicht fesseln,  
Es wogt stets vorwärts und zurück.

Mag es endlos mir erscheinen,
mag die Angst mich binden heut',
So bin ich Funke, bin ich Donner,
Schau! Ich loder´- voller Freud!

Montag, 25. November 2024

Waldgemorde

In den Schatten alter Bäume,
wo Blätterrauschen Stille bricht,
liegt ein Mirakel, still und leise,
wie ein Geheimnis im Gedicht.

Doch Menschen hörn nicht hin,
glauben, sie verstünden mehr.
Und die Bäume, sie erzählen —
doch die Ohren bleiben leer.

Ach, wie oft war ich zu Gaste
tief im dunklen Eichengrund.
Oh, wie oft ich dort gerastet,
saß im Schatten manche Stund’.

Was im Tann’ ich da gesehen,
war tiefe Liebe, meiner Treu’.
Wie der Wald sich leise schickt,
pflanzt so viele Bäumchen neu.

Freundlich jedes Kräutlein nickt,
macht mir liebevoll Offerte.
Die unverkäuflich mich beglückt,
und Vöglein singen mir Konzerte.

Wenn es grünt, ja sprosset froh,
nicht jeder labet sich daran,
weil man mit Holz und Boden
klingend Münz’ verdienen kann.

Wenn stöhnend jede Wurzel reißt
und die letzten Bäume fallen,
weil mancher gerne um sich beißt —
auch das wird einst verhallen.

Wenn die letzten Riesen brechen,
tönt im Wind ein leises Klagen.
Mit dem Wald vergeht der Mensch,
mit all’ seinen stolzen Fragen.

Hör das Flüstern, voller Trauer:
Meine Liebe, mein schöner Wald —
du stehst nicht mehr.
Meine Seele weint und friert.

Donnerstag, 7. November 2024

Pfaff E6000 - Formen - Mit dem Abnehmen der Maschen (bei Gestricken ohne Muster)

Mit einer Masche ist das Abnehmen ist eigentlich ganz einfach: Du hängst die Maschen einfach von der Außenkante nach innen um zur Mitte. Wenn du zwei Maschen auf eine Nadel packst, hast du eine Masche abgenommen. Das ist das Einfachste.

Es gibt aber mehr als nur eine Methode, um zwei Maschen auf eine Nadel zu bekommen, und es ist super wichtig, dass du das bei einem Kleidungsstück immer gleich machst. Beständigkeit ist echt das A und O, sonst sieht dein Teil an den Stellen, wo du die Maschen umgesetzt hast, ganz seltsam aus. Denk immer daran: Wenn du mit allen Nadeln in einem Doppelbettmuster (wie zum Beispiel Patentmuster) arbeitest, musst du die Maschen auf beiden Betten verschieben, damit alles synchron bleibt. Wen du eine Masche auf dem VNB und eine auf dem HNB verschiebst – zählt als eine einzige Abnahme. Du kannst jedes der verschiedenen Decker-Werkzeuge nutzen, um Abnahmen zu machen. Abnahmen mit dem 3er-Decker, nennt der Fachmann (Danke Tante Judith) auch „vollständige Abnäher“.

Von der äußeren Nadel ausgehend werden die Nadeln 1, 2 und 3 auf die Nadeln 2, 3 und 4 umgehangen. Diese Methode passt super in den vorhandenen Stoff und fällt echt nicht auf. Wenn du möchtest, dass die Abnahme ein bisschen mehr zur Geltung kommt (da sind wir wieder beim Raglan :-)) verschieb die vierte Masche auf die dritte Nadel und dann die Maschen von Nadel 1, 2 und 3 (wo zwei Maschen sind) auf die Nadeln 2, 3 und 4.

Wenn du die vierte Masche eine Nadel nach außen umhängst und alles nach innen, bekommst du eine schicke Schräge für alle umgehängten Maschen. Bei mehreren Abnahmen (wie Raglan oder V-Ausschnitt) entsteht so ein cooles Band aus richtig scharf definierten Maschen. Und auch hier kannst du den Maschenwendekamm benutzen, dann wird das seht viel deutlicher und am Ausschnitt stabiler. Noch mal der Hinweis auf den variablen Umhängekamm von Paff.

Bei 2 Maschen gleichzeitig

Wenn du 2 Maschen gleichzeitig abnehmen musst, nimm am besten gleich 5 Nadeln dazu her und verteile 2 der Maschen auf 2 Nadeln. Wenn du dann die Nadeln 2 und 3 auf 5 und 4 verschiebst, gibt's eine Falte im Stoff, die du vielleicht nicht haben willst. Es wäre besser und weniger auffällig, die Nadel 4 auf Nadel 5 und dann Nadel 2 auf Nadel 3 zu verschieben, und dann alles so lange zu schieben, bis alle leeren Nadeln mit Maschen belegt sind.

Bei MEHR als 2 Maschen gleichzeitig

Das Abnehmen von mehreren Maschen in einer Reihe (mehr als 2) machst du ganz easy auf der Seite mit den Strickschlössern.

  • Du nimmst einfach die Randmasche und versetzt sie zur nächsten Nadel.
  • Zieh beide nach oben, die Maschen fallen hinter die Nadelzunge.
  • Dann leg das Strickgarn in den Nadelhaken
  • Strick die beiden Maschen manuell auf der Nadel – und zack, eine Masche weniger! Mach so weiter, bis du die Maschenanzahl abgenommen hast, die du brauchst.

Das geht beim Doppelbett genauso, du musst nur die Maschen vom HNB aufs VNB umhängen und dann mit dem Abketten des Umschlags weiter machen. (Siehe E6000 HB Seite 109, Duo-HB Seite 49)

Mittwoch, 6. November 2024

Pfaff E6000 - Von Bündchen oder Rippen zum Doppel-Bett-Stricken

  • Strick ein Rippenmuster (1 x 1) nach Anweisung mit 29 Reihen. 
  • Strickschloss steht links. 
  • Erhöhe die MW auf eine weniger als die, die du für das Musterstricken auf dem Doppelbett brauchst. Also, wenn die für dein glatt rechts Garn 5,5 ist, nimm 4,5/4,5. 
  • Strickschloss N/N. Mach die letzte Reihe fertig. Du bist bei 30 Reihen angekommen.

Erhöhe die Maschenweite, weil’s den Übergang zwischen dem engen Rippenmuster und dem fluffigeren Doppelbett- Strickmuster viel einfacher macht. Wenn wir die Maschen nicht vergrößern, werden die ersten Reihen möglicherweise zu eng und unbequem! Außerdem sieht es unfein aus.

So gehts:

  • Bring mit der flachen Seite vom orange/roten Lineal alle leeren Nadeln im Strickbereich auf beiden Betten in die Arbeitsposition (AP (Arbeitsposition, engl. WP für WORK POSITION). Wenn du die Nadelbetten anschaust, siehst du direkt gegenüber einer leeren Nadel eine Nadel mit Maschen. Das bedeutet, dass alle Nadeln zwischen -25 und 24 in der Arbeitsposition sind.

Wenn wir einfach drauflos stricken und gleich mit dem Doppelbettstoff starten, gibt’s da „Löcher“ oder Leerstellen, wo der Rippenstrick auf den Doppelbettstoff trifft. Testen mal beides, damit der Unterscheid klar ersichtlich ist.

  • Strickschloss N/N
  • Maschenweite 5/5.
  • Versatzkurbelnach unten. 30 Reihen stricken. Gestrick abwerfen.

Schau dir mal den Übergang zwischen dem Rippenstrick und dem Stoff an. Siehst du die „Löcher“? Wenn es dir gefällt ist es gut - man kann da auch Zierkordel durchziehen. Wenn´s Dir nicht gefällt - weil es halbfertig ist: füllen wir leeren Nadeln mit Maschen. Es gibt zwei schöne Möglichkeiten, um die „Löcher“ loszuwerden. Beide funktionieren: 

Möglichkeit 1: Maschen auffüllen:

  • Nach dem Bündchen / Rippe alle leeren Nadeln in Arbeitsposition (AP).
  • Reihenzähler auf NULL
  • stricken Sie vier Reihen.

Pass auf, dass die leere Nadel eine Garnschlaufe aus der ersten (VNB) und zweiten (HNB) Reihe aufnimmt. Dann wird in der dritten (VNB) und vierten (HNB) Reihe eine richtige Masche daraus gebildet. Diese vier Reihen füllen den Raum aus, sodass keine Löcher zwischen dem Bündchen und dem Stoff entstehen.

  • Schlösser auf N/N.
  • Maschenweite 5/5.
  • Orange Abstreifer.
  • Versatzkurbel nach unten.
  • 40 Reihen stricken.
  • Strickstück abwerfen.

Es ist echt wichtig, den Übergang zwischen dem Bündchen und dem darauf folgendem Gestrick gut im Auge zu behalten: Wenn dir eine komisch geformte Masche oder eine runtergefallene Masche auffällt, und das immer an der selben Stelle - dann stimmt da vielleicht etwas mit der Nadel nicht. Wechsle sie -siehe Handbuch.

Möglichkeit 2: Die linken Maschen aufhängen:

Ich hänge lieber die Linken auf. Das braucht zwar ein paar Minuten länger, aber das Ergebnis ist es wert. Rippenmuster wie oben beschrieben einrichten und stricken.

Und jetzt kommt was Wichtiges: Vor der letzten Maschenanzahl  der Rippe die Maschengröße auf 4,5 / 4,5 erhöhen.

Wir erhöhen die Maschengröße jetzt, weil beim Aufhängen der linken Maschen etwas Garn von den bereits gestrickten Maschen hergenommen wird. Lassen wir die Maschenweite wie sie ist, würden die Maschen viel zu eng werden, und das Ganze könnte schnell zum Desaster führen. Der Schlitten verkanntet, weil das Garn nicht mitarbeiten kann oder noch schlimmer, das Garn reißt und ruiniert alles!

Nach dem Bündchen / Rippe alle leeren Nadeln in (AP) auf beiden Betten bringen und los gehts mit den Aufhängen der linken Maschen.

Dazu schau dir mal die Maschen auf den Nadeln beim VNB an. Siehst du die Fadenschlinge / Masche auf der Nadel? Das ist die letzte Masche, die du gestrickt hast. Schau genauer hin! Siehst du die Fadenschlinge direkt hinter dieser Masche? Die liegt ganz entspannt horizontal zur Masche (Fadenschlinge) auf der Nadel. Das ist die linke Masche.

Schieb das orange Werkzeug einfach mit dem Auge zwischen die linke Masche und die Oberseite vom Abschlagkamm. Das horizontale Maschenstück sitzt jetzt auf deinem Werkzeug. Heb die linke Masche vorsichtig hoch und häng sie auf die leere Nadel gegenüber auf das HNB. Mach weiter und häng die linken Maschen vom VNB auf das HNB über die ganze Breite vom VNB.

Tipp: Wenn du Schwierigkeiten hast, die horizontale linke Masche zu erkennen, zieh die Nadel auf dem VNB, wo die rechte Masche ist, einfach ein bisschen nach unten. So wird die linke Masche ein wenig angehoben und du solltest das orangefarbene Werkzeug viel einfacher zwischen die linke Masche und die Oberseite des Abschlagkammes schieben können. Wenn du die linke Masche aufhängst, schau dir die Strickarbeit nochmal an, und du wirst merken, dass ein Stück Garn von den schon gestrickten Maschen weggenommen wird. Du wirst sehen, dass die benachbarten Maschen etwas kleiner werden.

Na bitte - geht doch, das VNB ist erledigt. Häng nun die Maschen vom Rückenbett einfach in die freien Nadeln vom Frontbett und wende dabei dieselbe Methode an. Vielleicht fällt dir die eine Richtung leichter – vom Rückenbett zum VNB oder vom VNB zum Rückenbett – als die andere. Auch das ist ganz normal :-).

Strickschloss auf N/N einstellen. Maschenweite 5/5. Orange Abstreifer. Versatzhebel nach unten. 30 Reihen stricken & abwerfen.

Schau dir an, wie der Übergang zwischen dem Rippenmuster und dem Kleidungsstück aussieht. Was gefällt dir besser? Das Rippenmuster auffüllen oder die linken Maschen hängen lassen?

Beide Techniken – Maschen auffüllen oder die linken Maschen aufhängen – passen fast zu allen Rippenmustern. Ich persönlich finde das Aufhängen der linken Maschen besser, auch wenn es ein bisschen länger dauert, weil’s einfach schöner aussieht. Je mehr du strickst, desto mehr wirst du herausfinden, was dir gefällt. Sei ruhig pingelig – ein geschickter Übergang von Rippstrick zum Strickmuster ist das Tüpfelchen auf dem I.

 

 

Pfaff E6000 - Vom Rippenmuster zum Einzelbett-Strickmuster

  • Strick ein Rippenmuster (1 x 1) nach den Anweisungen, aber mach nur 29 Reihen
  • Das Strickschloss sollte auf der linken Seite sein. 
  • Erhöhe die Maschenweite auf eine weniger als die, die du für das glatt-rechts Stricken brauchst. (Also, wenn die für dein glatt rechts Garn 5,5 ist, nimm 4,5/4,5.)
  •  Strickschloss N/N. Mach die letzte Reihe fertig. Du bist bei 30 Reihen angekommen.

Warum vergrößert man eigentlich die Maschenweite? Wenn man das nicht macht, kann das Rippenmuster dazu neigen, am Kleidungsstück zu wellen. Eine größere Maschenweite sorgt dafür, dass der Übergang zwischen dem engen Rippenmuster und dem lockeren Strickmuster viel besser aussieht.

  • Bring alle leeren Nadeln auf beiden Nadelbetten im Strickbereich mit der flachen Seite des orange/roten Schieber in die Arbeitsposition (AP). Wenn du die Nadelbetten anschaust, solltest du direkt gegenüber einer leeren Nadel eine mit einer Masche sehen. Das heißt, dass sich alle Nadeln zwischen -15 und 14 in der Arbeitsposition befinden.

Als nächstes überträgst du die Maschen von einem Bett auf die leeren Nadeln des anderen Bettes. 

Vom VNB zum HNB: 

Wenn du glatt rechts strickst, ist das egal. Ich finde es einfacher, die Maschen vom VNB auf die leeren Nadeln des HNBs zu übertragen, weil ich sie besser sehen kann. Bei gemustertem Stoff, wie Tuck oder Fair Isle, machst du es besser umgekehrt, vom HNB auf den VNB.

AUFPASSEN: Halt das Arbeitswerkzeug einfach in einer Linie mit der Nadel, während du die Masche von der Nadel hebst – ganz einfach. Schau ins Handbuch :-) Wir üben hier, kein Stress. Je öfter du es machst, desto leichter wird's ... einfach üben, üben, üben!

Nimm die Doppelöhrnadel und greif den Nadelhaken von der ersten Nadel mit einer Masche auf der rechten Seite vom hinteren Bett, dann zieh die Nadel einfach raus, bis die Masche hinter dem Zungenverschluss rutscht. Schieb die Nadel wieder zum Nadelbett, bis die Masche auf der Doppelöhrnadel landet. Hinten aushängen, das andere Ende der Doppelöhrnadel Richtung VNB kippen, sodass das Öhr in den Haken der leeren Nadel auf dem VNB einhängt. Nadel hinten hochlupfen, während das Öhr im Nadelhaken festhängt. Jetzt rutscht die Masche auf die neue Nadel.

Die Maschen auf der Rückseite auf die leeren Nadeln des VNBs übertragen. 

  • Maschenweite auf 5,5 stellen. 
  • Jetzt zu den schwarzen Abstreifern wechseln und den Versatzhebel nach unten stellen. 
  • Stricke 40 Reihen.

Wirf das Strickstückab und schau es dir an. Wenn die Rippen noch ein bisschen hängen, sich kräuseln strick sie noch mal mit anderer Maschenweite.

Nachdem du jetzt vom HNB zum VNB gewechselt bist, mach diese Übung einfach noch einmal. Strick ein 1x1 Bündchen, erhöhe die Maschenweite weiter, mach alle Anpassungen, die du brauchst. Übertrage die Maschen vom VNB auf leere Nadeln am HNB.

Du solltest das Übertragen in beide Richtungen üben, denn wie sonst sollst du lernen, gleichzeitig auf beiden Betten Maschen zu jonglieren? Alles wird gut, besser, perfekt...

Dienstag, 5. November 2024

Pfaff E6000 - Einzelbett-Anschlag – ohne Stößer

 Mit der gezahnten Seite des orange/roten Schiebers jede 2. Nadeln auf dem VNB in AP bringen

  • Auf die rechte Randnadel eine Randfeder setzen.
  • Schwarze Abstreifer, N/N, Maschenweite 1.
  • 1 Reihe rechts stricken.
  • Die ausgelassenen Nadeln sowie eine Nadel am linken Ende des VNB nach oben holen (auf der Nadel am linken Rand darf sich keine Garnschlaufe befinden – sonst funktioniert das nicht.
  • Randfeder auf die Nadel ganz links setzen.
  • Die Maschenweite auf 5 ändern.
  • 2 Reihen langsam rechts stricken.
  • Zur Maschenweite 5,5 wechseln und
  • weitere 20 Reihen rechts stricken.

Abwerfen & Anschauen: Wenn du am Faden ziehst, ziehen sich die Maschen zusammen – manchmal ist das echt nützlich. Frag mich nur wann ich das mal gebraucht haben? :-)

Falls du Schwierigkeiten mit der zweiten Reihe hast, schau nach deinen Abstreifern. Vielleicht sind die ja beschädigt oder die Maschenweite passt nicht. (Und hey, manche Wolle macht einfach ihren eigenen Kram...)

Langsames Stricken hilft dir, ein ordentliches Maschenbild hinzukriegen. In der ersten Reihe strickst du jede vierte Nadel (eine Nadel arbeitet, drei bleiben ohne Arbeit), und dann wird die mittlere von den drei Nadel, die nicht arbeiten, für die zweite Reihe am werken sein.