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Donnerstag, 14. April 2022

Pizzaiola – Grundrezept für echte Pizzasauce

 


Zutaten

  • 5 vollreife Tomaten (mittelgroß)
  • 1 Schalotte
  • 1 kleine Zwiebel
  • 2–3 Knoblauchzehen
  • Olivenöl
  • 1 Glas guter Rotwein
  • ggf. etwas Tomatenmark

Gewürze:

  • 1 TL Zucker
  • 1 TL Meersalz
  • Oregano, Rosmarin, Salbei, Thymian (je ca. ¼ TL, fein gewiegt)
  • Pfeffer

Zubereitung

  1. Tomaten vorbereiten
    Tomaten waschen, blanchieren, häuten.
    Halbieren, Kerne entfernen, Blütenansatz wegschneiden.
    Fruchtfleisch würfeln.
  2. Basis ansetzen
    Schalotte und Zwiebel sehr fein schneiden.
    Knoblauch durchpressen.
    Alles in Olivenöl andünsten – nur leicht Farbe nehmen lassen, nicht bräunen.
  3. Sauce aufbauen
    Tomatenwürfel zugeben.
    Mit Rotwein ablöschen.
    Bei Bedarf etwas Tomatenmark ergänzen (wenn die Tomaten schwach sind).
  4. Würzen
    Zucker, Salz, Kräuter und Pfeffer zugeben.
    Gut umrühren.
  5. Einkochen
    Bei kleiner Hitze langsam reduzieren lassen.
    Geduld – die Sauce braucht Zeit.
  6. Fertigstellen
    Wenn die Masse streichfähig ist:
    kurz mit dem Zauberstab durchgehen.
    Abschmecken.

Ergebnis: dichte, aromatische Pizzasauce 





Mittwoch, 19. August 2015

Tremocos, Süsslupinen und die Suche nach einer Zutat.

Süsslupinen, Bitterlupinen - Was denn nun? Anfangspunkt war die Suche nach eingelegten
Lupinenkernen für einige Rezepte aus dem Buch „Käse vegan“ vom Stocker Verlag verwendet werden sollen. Tremocos, so steht es im Internet, ist eine Knabberei, die in Südeuropa wohl jeder kennt und mag. Das sind in Salzlake eingelegte Lupinenkerne. 
Nun ist die Lupine mindestens genauso vielseitig wie die Sojabohne. Trotzdem ist sie in Vergessenheit geraten, wird Zeit sie neu zu entdecken. Man unterscheidet Süß- und Bitterlupinen. Die Bitterlupinen sind vor Verzehr unbedingt mehrfach zu wässern, das Einweichwasser muss weg gegossen werden. Süßlupinen bekommt man blitzschnell in hervorragender Qualität zum vernünftigen Preis bei Prohviant.de. 
Lupinen gehören zu den Hülsenfrüchten, man unterscheidet weiße, gelbe und blaue Sorten. Diese sind nahezu bitterstoffrei und können so problemlos mit entsprechender Gerätschaft  zu Hause zu frischen Lupinenmehl gemahlen werden. Auf Prohviant.de. liest man folgende Empfehlung:

 „Zum Keimen die Samen über Nacht in viel Wasser einweichen. Wasser abschütten und täglich wässern. Wenn der Spross so lang ist wie der Same, ist die Süßlupine verzehrsfähig. Allerdings keimen nicht alle Samen, deshalb ist es besser, die eingeweichten Samen mit Wasser zu kochen bis sie weich sind.“

Testweise ausgesähte Samen an einem warmen Donnerstag zeigten die ersten Spitzen bereits am Sonntag Nachmittag. Nachdem es recht heiß war, blieben die Schnecken in ihren Verstecken und die Lupinen wuchsen rasch. Dann kam der Regen, mit ihm eine hungrige Meute schleimiger Nimmersatte. Nur zwei Pflanzen hatten das große Fressen überstanden in der Nähe von Kartoffeln, die aus dem Vorjahr noch im Bode lagen und nun schützend die Lupinen umwuchsen. Also neuen Samen in die Erde und kein „Unkraut“ mehr gezupft. Die Lupinen und die Gurken wuchsen erneut im Schutz der Melde, Kartoffel und Vogelmiere. Ich musste mich wirklich zusammenreißen, nicht zu jäten. Siehe da, die Natur ist schlauer als ich. Ob wir allerdings noch Gurken ernten diese Jahr? Der Hagel kam und schlug große Löcher in die Blätter. Doch zurück zu den Tremocos.

Tremocos -selbst gemacht


  • Süßlupinenkerne in einen Durchschlag geben und einige Tage wässern. Dabei täglich das Wasser wechseln.
  • Wenn die Kerne keimen und der Keim schließlich so lang ist wie die Samen, die beachtlich aufquellen, vorsichtig aus der Schale drücken.
  • Die entschalten Samen in das Glas schichten.
  • Salzlake herstellen aus: 1 Liter kochendem Wasser, ca. 300 -350 g Steinsalz unter Rühren auflösen und in das Glas geben, verschließen.
  • Abwandlung: Einige Gläser habe ich mit etwas Kräutersalz versetzt, das schmeckt würziger. 
  • Andere habe ich mit der Schale eingelegt, durch den Keim lässt sich beim Essen die Schale gut entfernen.
  • Das Salz konserviert. Nach einigen Tagen sind die Lupinenkerne gut durchgezogen.



Dienstag, 25. September 2012

Borax ist nicht mehr Borax

Meine Oma hatte ein Mittelchen für die Hautpflege, dass man heute gar nicht mehr so kennt. Umso erfreuter war ich, es mal testen zu können. Aber ach, es ist nicht das Selbe. Die Rede ist vom Kaiser - Borax. Der Stoff Borax selbst wird heute als krebserregend und erbgutschädigend eingestuft, deshalb ist die Abgabe an Privatpersonen in Deutschland verboten, und das wohl schon seit dem 01.12.2010. Ich wollte es doch nur noch mal ausprobieren, Oma tat immer was ins Badewasser und niemals juckte die Haut so gräußlich, wir haben sehr hartes Wasser hier, echt wahr es klappte immer. Ich konnte mir sämtliche Cremerei sparen, keine kleinen Pickelchen, gar nichts. Ein Blick auf die Inhaltsliste lässt einen dann doch die Haare zu Berge steigen und mit der Entspannung ist es dann auch vorbei. Es enthält unter anderem nicht so milde Tenside, die die Haut irritieren können, dann Parfüme, PEG-7 Glycerol Cocoate, diese können die Haut durchlässiger machen und na klar Konservierungsstoffe. In Deutschland habe ich es auch nicht mehr gefunden, auf meine Nachfrage hin erklärte mir die nette Damen am Telefon, dass dieses Produkt speziell für Österreich hergestellt werde und daher in Deutschland nicht zu haben sei. Warum ich es nun ein einziges Mal hier im Gäu kaufen konnte, dass konnte sie mir auch nicht beantworten.

Und jetzt bin ich echt sauer. Es mag ja sein, dass einige Menschen mit dem Namen Borax nichts mehr anfangen können, ich und viele andere aber schon. Und nur weil ich einmal nicht richtig hingesehen habe, steht jetzt ein modifiziertes Etwas bei mir zu Hause herum.

Für richtiges Borax -Pulver (Natrium-Borat) gelten folgende Risiko- und Sicherheitssätze:

R 60 Kann die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen
R 61 Kann das Kind im Mutterleib schädigen
R 53 Kann in Gewässern längerfristig schädliche Wirkungen haben
R 45 Kann Krebs erzeugen


"...Borax darf seit einiger Zeit nicht mehr in Kosmetikprodukten eingesetzt werden. Daher musste die Rezeptur – unter Beibehaltung des alten, eingetragenen Namens - umgearbeitet werden, um den aktuellen Gegebenheiten gerecht zu werden." (Quelle: Regierungspräsidium der Oberpfalz).


Aber stimmt das auch, oder steckt noch was ganz anderes dahinter?

Benutzt man die Suchmaschine seiner Wahl, dann kommt man schnell noch zu ganz anderen Aussagen. Da findet man Informationen über einen gewissen Walter Last, Heilpraktiker, der die Wirkung von Borax im Nexus-Magazin genau beschreibt. Und wenn man dann nur in die Suchmaschine eingibt "Borax ist gesund" bekommt man jede Menge Treffer. Man bilde sich bitte selber eine Meinung. Meinem Kopf jedenfalls tat es immer gut, keine Schuppen, kein Spannen kein Jucken, kein Haarausfall. Wen wunderts liest man hier ein wenig herum: Bor in Biologie, Medizin und Pharmazie: Physiologische Wirkungen


Wer nun Angst vor Borax zum Putzen hat, dem sei trotzdem geholfen: Backpulver und Natron gibt es ja noch :-). 100 g Schmierseife +1 EL Natron und 1 Liter Wasser ist sehr ergiebig, wer meint, er muß ein teures Basenbad im Reformhaus kaufen, der soll einfach ein bisschen Backpulver in das Badewasser geben. Hilft gut, ist preiswert, habe fertig.



In einem alten Apothekerbuch fand ich ein Paar Rezepte zum Thema Borax. Der Vollständigkeit halber seien sie hier mal eingetragen, wie immer gilt: nicht zum Nachmachen empfohlen.

Halskaupastillen

Thymol 0,004
Borax 0,04
Saccharin 0,030

Mittel gegen Hand- und Fußschweiß: 

15 g Borax
15 g Acetylsalicylsäure ( Aspirine Tabl.)
10 g Borwasser
60 g Glycerin
60 g Alkohol.
Vor Gebrauch zu schütteln, Füße und Hände morgens und abends damit einreiben

Spülung für brüchiges Haar

1 l Wasser erwärmen, darin
1 TL Borax auflösen

Sommersprossenwaschung

160 g Rosenwasser
40 g Orangenwasser
30 g Glycerin
4 g Kalium Chloratum
3 g Borax

Alles miteinander verschütteln und auf die Sommersprossen auftragen.

Freitag, 15. Juni 2012

Getreidesorten

Wo das Getreide herkommt das wissen wir, und ich möchte auch nicht mit Anbaubedingungen und Mahltechniken langweilen, die ich ohnehin nicht beherrsche, da ich weder Getreidebauer noch Müllerin bin. Wichtig zu wissen ist welche Getreidesorten es gibt, was sie unterscheidet und welche Erzeugnisse daraus hergestellt und wofür sie verwendet werden. Meine Informationen bekam ich vom Müller Eberhart Oertel, der in der familieneigenen Mühle zu Suxdorf eigenhändig bin in die 60er Jahre Speisemehle gemahlen und in der dazugehörigen Bäckerei auch verbacken hat. Und vom Bäckermeister Hubert Reiser in Missen, der ganz traditionell nach alter Bäckerkunst unter anderem auch duftende Gemüsesemmeln, Seelen und knackige Brote herzustellen weiß.

Botanisch gesehen sind alle Getreidesorten kultivierte Grasarten. Schon sehr früh nutzen die Menschen Getreide als existenzielles Nahrungsmittel, das belegen Funde aus der Steinzeit ebenso wie die Funde in den Grabkammern der Ägypter wo man Emmer und Gerste fand, den man auf das 5. - 6. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung datierte. Alte Aufzeichnungen in Keilschrift um 4000 v. Ch. erzählen vom Anbau des Weizen, Gerste und Hirse und der Rogen wird um 1800 bis 1000 v. Ch. erwähnt.  Mit den einfachen Anfängen war der Grundstein gelegt und am Ende der langen Reise hatte man Kulturpflanzen mit gewaltiger Ertragskraft gezüchtet, mit kurzen Halmen und dicken Ähren. Weizen, Roggen, Hafer und Gerste sind die bekanntesten und der Weizen die meist verwendete Getreidesorte. Die „Vorfahren“ des Weizens sind z. B. Dinkel, den die heilige Hildegard zu Recht lobt und der nun heute auch wieder zu haben ist. Die alten Sorten sind resistenter gegen Krankheiten und stellen nicht so hohe Ansprüche an Standort, Boden und Klimabedingungen. Die Erträge sind geringer. Diese Eigenschaften machen diese Arten für Biobauern interessant.

Das Einkorn zählt zu den ältesten Getreidesorten. Neben seinem feinen nussigen Aroma zeichnet es sich durch einen sehr hohen Anteil an komplexen Kohlenhydraten und wertvollen Eiweißstoffen aus, die uns lange satt und damit leistungsfähig machen. Es enthält außerdem wichtige essentielle Aminosäuren. Vergleicht man das Einkorn mit Weizen so fällt auf, das das Einkorn doppelt soviel Mineralstoffe beinhaltet wie der Weizen, außerdem enthält es sehr viele Carotinoide, das zellschützend und damit krebswidrig wirkt.  
Der Emmer - ebenfalls eine uralte Getreidesorte - eigentlich DIE alte Sorte hinsichtlich der Wichtigkeit für die Menschen in den Hochkulturen Ägyptens und Mesopotamiens. Er ist ein Spelzgetreide und liefert kleberreicheres Mehl als der Weizen. Emmer ist nicht ganz so gehaltvoll an ß-Carotin wie Einkorn, schlägt aber den Weizen haushoch. Ebenso punktet der Emmer mit einem sehr hohen Mineralstoffgehalt wobei der Zinkgehalt auffällig hoch ist. 

Kamut ist ein Urgetreide der Ägypter und enthält im Vergleich zum Weizen mehr ungesättigte Fettsäuren, Kleber und ca. 40% mehr Proteine, auffällig viel Selen und ist sehr gut verträglich. Es schmeckt leicht und nussig. 

Die Gerste ist wahrscheinlich mit das Älteste Getreide, Chinesen, und die Mittelmeervölker bauten es schon an. Es enthält viele Mineralstoffe, was sich günstig auf das Nervensystem auswirkt. Er lässt sich durch den hohen Kohlenhydratgehalt vermalzen (Bierherstellung, Malzkaffee, Backmalz (selbst herstellen) Whiskey). Polierte Gerstenkörner sind als Graupen im Handel erhältlich.

Der Hafer war den Römern noch ein Unkraut, heute ist es als wertvolles leicht verdauliches Getreide mit hohen Eiweißgehalt (ca.12%) geschätzt und beliebt. Angeröstet wird die allbekannte Haferflocke und Grütze daraus, die viel Vit. B1 enthält. Hafer enthält wenig Klebereiweiß und muss für Backwaren mit Dinkel oder Weizen gemischt werden. 

Die Hirse stammt aus Zentralasien und man findet sie heute (auch verwildert) fast auf der ganzen Welt. Bevor die Kartoffel ihren Siegeszug antrat war er das Hauptnahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung. Unter den unterschiedlichen Hirsearten nutzt der Mensch auch heute noch die Rispenhirse oder Echte Hirse für die Ernährung. Die Hirse enthält Kieselsäuren, ungesättigte Fettsäuren, Vitamine u.v.m.

Der Mais kam mit Kolumbus nach Europa und wurde hier erst ab dem 17. Jahrhundert angebaut. Man stellt aus ihm Maiskeimöl und Maismehl her, aus welchem man Maisbrei kochen oder Tortillas oder Maisbrot backen kann. Er enthält Mineralstoffe, Vitamine und Aminosäuren. Mais ist ein wichtiges Futtermittel.

Der Reis ist eigentlich ein Sumpfgras hat von allen Getreidearten das wenigste Eiweiß und die meiste Stärke, er ist leicht verdaulich und punktet mit höchsten Erträgen. Die halbe Menschheit ernährt sich von ihm, er wird im südlichen Asien, im Süden der USA,  USA, Spanien, Ungarn und in der Poebene angebaut. Er enthält Vitamine und Mineralstoffe, außerdem viel Kalium, was entwässernd und damit entschlackend wirkt. Er enthält wenig Fett, Eiweiß, ist glutenfrei. Durch Schälen entfernt man die Spelzen  und durch Schleifen werden das Silberhäutchen und der Keim entfernt. 

Es gibt auch noch Wildreis. Achtet bitte auf Bioqualität, der Gesundheit und der Natur zuliebe. Benötigt wird ungefähr die 3fache Menge, man kann ihn auch mit verschiedenen Reissorten mischen.

Vom Weizen kennt man heute viele 1000 Sorten die man nach Ihrer Abstammung in 3 Gruppen teilt: Spelz-, Emmer-, und Einkornreihe. Aus diesen gingen die Unterarten Saat- und Hartweizen hervor, die man noch mal in Winter- und Sommerweizen unterscheidet. Weizen ist heute das wichtigste Brotgetreide. Er ist leicht verdaulich, weißt einen hohen Klebereiweißgehalt auf. Er enthält Vitamin B1 und B2. Aus Hartweizen werden Grieß und andere Teigwaren, aus Saatweizen das Mehl für unsere Backwaren. 

Der Roggen ist eine vergleichsweise junge Getreideart, er stammt aus Kleinasien, kam als Unkraut mit dem Emmer und blieb fortan seit der Bronzezeit bei den Kelten und Germanen bis heute. Es gibt dünn- und dickschaligen Roggen, außerdem unterscheidet man noch Winterroggen, der höhere Erträge bringt und deshalb auch mehr angebaut wird - und Sommerroggen. Roggen ist winterfest und stellt nicht so hohe Ansprüche an Standort und Boden wie der Weizen. Er enthält viele Vitamin der E - und B Gruppe,  Gluten und keinen Kelber und muss deshalb z. B. mit Weizen gemischt werden. Dafür ist der Geschmack schön kräftig. Brot aus Roggenmehl bleibt länger frisch. Roggen kann auch vermalzt werden und ist damit für die Biererzeugung von Nutzen. Roggenkörner über Nacht eingeweicht kann man wie Reis kochen.

Vom Dinkel, sagt die heilige Hildegard von Bingen (1098 – 1179), er sei das "beste Korn", es "macht seinem Esser rechtes Fleisch und rechtes Blut, frohen Sinn und freudig menschliches Denken". Wo sie Recht hat hat sie Recht: er enthält mehr Mineralstoffe und Vitamine als unser Hochleistungsweizen. Haut und Haar, die grauen Zellen werden es uns danken, er enthält Kieselsäure in großer Menge. Verbacken lässt er sich wie Weizen - warum also nicht mal umsteigen?  Und Grünkern übrigens ist vor der Milchreife geernteter und gedarrter Dinkel.  

Donnerstag, 17. Mai 2012

Brennnessel in der Küche – Milch, Sirup, Käse und mehr

Jeder kennt sie, die wenigsten mögen sie und noch weniger schätzen sie. Und doch ist sie eine der wichtigsten Kräuter besonders im Frühjahr, wenn sie mit zu den Ersten gehört, die sich nach der Schneeschmelze zeigen. Auf stickstoffreichen Böden finden wir sie, eine Ruderalpflanze, die wir auf Schutthalden ebenso antreffen wie an Bachläufen und Feldrainen. Überall wächst und gedeiht sie und kommt man ihr zu nahe dann brennt sie. Der lateinische Name der Brennnessel "Urtica" leitet sich vom lat. urere, was brennen bedeutet, ab. Es gibt die große Brennnessel - Urtica dioica, und die Kleine -Urtica urens. Die Große findet man häufiger, sie ist eine Besonderheit: es gibt männliche und weibliche Pflanzen.  Sie vermehrt sich über die Ausläufer der Wurzeln, die Kleine über Samen. Essbar bzw. verwertbar sind beide.Ob man sie nun als Brennesselspinat oder als Pesto - jaja das geht - zubereitet, einen Aufguss geniest, sie im Frühlingsquark fein gehackt aufs Graubrot streicht, oder mit den Pflanzensaft Nudeln total öko grünlich färbt - Möglichkeiten gibt es viele. Auch ein Brennesselessig begeistert mit appartem Geschmack, ja man muss es kosten, sonst kann man nicht mitreden. Wer Schuppen hat gibt dem letzten Spülwasser einen Schuss vom Essig zu, das hilft. Die Inhaltsstoffe jedenfalls sprechen für sich: der Vitamin-C Gehalt ist beachtlich mit bis zu 200 mg-%, auch die Vitamin-A Werte erreichen hohe Werte mit 8mg / 100g. Daneben findet sich noch Eisen, Kupfer, Mangan, Bor, Titan, Nickel.Wer kosten mag, hier kommen ein paar Anregungen.

Brennesselsaft

Nehmen Sie 1kg junge Pflanzen und drehen Sie sie durch den Wolf. Dann 1/2l Wasser drauf schütten, umrühren und dann durch ein Seihtuch laufen lassen, ausdrücken und das Kraut noch mal durch den Wolf geben. Wieder mit 1/2l Wasser aufgießen und seihen. Damit wäre ein Liter Saft hergestellt. Diesen kann man einkochen 15 min bei 65 - 70 °C. Konzentrate stellt man mit der doppelten Menge Brennnesseln her. Wassermenge bleibt gleich. 

Brennnesselmilch

2 EL Honig in einem Glas Wasser auflösen, dann 1 Glas Milch oder Getreide"milch" (Hafermilch, Gerstenwasser) dazugeben und noch 4 EL Brennnesselsaft, umrühren. Kalt genießen.

Brennessel-Cocktail

Vermischen Sie 150ml Brennesselsaft mit 250 ml Karottensaft, 2 Spritzern Limettensaft und etwas Chili :-) vermischen. Eiswürfel, in die Sie einige Blättchen eingefroren haben, mit ins Glas geben und servieren.

Brennesselsirup

Das geht natürlich auch und zwar so: 1kg Blätter durch den Wolf drehen  und mit 300 ml Wasser aufkochen lassen, durchseihen. Nun 500g Honig in 500 ml Wasser auflösen, zu den Brennesseln geben und über Nacht mit einer in scheiben geschnittenen Limette stehen lassen. Anderntags kurz aufwallen lassen, abseihen, heiß in Flaschen füllen. 

Käse & Co

Mit Brennesselsaft kann man Milch gerinnen lassen, also Quark und daraus Käse machen. Wie wäre es denn mit einem selbst gemachten Handkäse, der am Ende in gehackten Brennnesselblättern gewendet wird :-).

Und wär hätte es gedacht: auch als Aphrodisiakum darf die Nessel herhalten. So wird ein Gemisch aus Eigelb, Zwiebeln und Brennnesselsamen gewürzt mit Pfeffer empfohlen.  

Für Brennesselbier findet man hier die Anleitung. Das setze ich morgen an und berichte dann, bin neugierig. Bein Pflücken bitte unten am Stengel anfassen, dann brennts nicht.


Samstag, 14. April 2012

Das Honigkraut der Guaranay-Indianer


Fast jeder mag Süßes, manche mehr, manche weniger. Und manche sind richtige "Süßguschen" wie meine Tante in Sachsen zu sagen pflegte, wenn wir als Kinder wieder mal die Finger in der Zuckerdose hatten oder die Krümelchen vom Puderzucker beim backen mit feuchter Fingerkuppe aufsammelten. Dabei ist - das weiß jeder das Zuckerzeug nicht gesund, Mutter Natur hat natürlich was für uns: Stevia. Die Alternative? Ende letzten Jahres jedenfalls war’s soweit: die EU-Kommission hat nun "Steviolglycoside", das aus den Blättern der Steviapflanze gewonnen wird in Europa endlich zugelassen, so ist nun für uns etwas zugänglich, was die Guaranay-Indianern seit vielen hundert Jahren kennen und nutzen.


[EDIT: es gibt Neuigkeiten, man muss sich seine eigene Meinung bilden: E960 soll nicht natürlich sein, und dass weil bei der Herstellung dann gewisse Schritte notwendig sind, aha. Die Ganze Story kann man hier lesen. Ich bleib beim Fluid zum Backen und bei Kraut für den Tee, wenn ich welches erwische, denn dem fehlt immer noch die Zulassung. Besser als Zucker ist es allemal.]


So neu ist das Ganze übrigens gar nicht, bereits im 16. Jhd.  berichteten die spanischen Eroberer von der Süßkraft der Pflanzen und im 19. Jhd. folgten erste wissenschaftliche Untersuchungen. Außerhalb Europas konsumierte man Stevia schon lang - Die EU nimmt es ganz genau und unterzog den Zuckerersatzstoff einer Menge Tests. Nun ist es amtlich: Stevia ist unbedenklich. So findet man neuerdings Nevella Stevia, als Pulver z. B. mit Maltodextrin im Supermarkt um die Ecke. Wer es pur mag greift zum Fluid. 300-mal süßer als Zucker soll es sein, kaum Kalorien haben. Sehr angenehm ist das keinerlei Beeinflussung auf den Blutzuckerspiegel stattfinden, somit ist zumindest das Fluid für Diabetiker geeignet. Und die Zähne danken es uns auch: Stevia ist nicht kariogen.

Voriges Jahr gab es gar Steviapflanzen im Baumarkt. Mein Exemplar erreichte eine stattliche Höhe von 1,50 m aber der Blattwuchs ließ zu wünschen übrig. Ich werde es diesen Sommer noch einmal versuchen, dann wollen wir doch mal sehen, ob der obligatorische Minze-Tee mit einem Steviablatt immer noch lecker ist. Stevia hat neben dem süßen auch einen leicht bitteren Geschmack, wobei ich finde, wenn man es nicht übertreibt, geht alles. Eigentlich soll man ja Heil- und Kräutertees ungesüßt trinken, eigentlich bin ich auch immer noch eine Süßgusche :-).



                        Nevella Stevia Pulver                  Xylitol                 Fabrikzucker           Rohrzucker




Buch zum Thema:

Presseinformation Aus der Reihe „Gartenzeit“:  

Monika und Peter Klock Trend-Pflanzen – Stevia, Goji, Indianerbanane - Anbau, Ernte, Verwendung

Lange galt die aus China stammende Goji-Pflanze als giftig. Seit bekannt ist, dass sie über außerordentlich gesundheitsfördernde Inhaltsstoffe verfügt, ist geradezu ein Run auf Goji-Beeren und Goji-Saft entstanden, was den Preis enorm in die Höhe getrieben hat. Die Autoren zeigen, wie man Goji im eigenen Garten anbaut und erntet. Auch die in Nordamerika heimische PawPaw-Pflanze, Indianerbanane genannt, ist nicht nur wegen ihres hohen Vitamingehalts sehr gesund, sondern sie schmeckt auch ausgezeichnet und ist in unserem Klima winterhart.
Besondere Beachtung findet die Stevia, die seit Jahrzehnten in vielen Staaten der Welt als Süßmittel eingesetzt wird. Diese südamerikanische Pflanze kann sehr einfach am Balkon, auf der Fensterbank oder im Garten angebaut werden. Die Gewinnung des Süßstoffes ist sehr einfach und in jedem Fall gesünder als herkömmlicher Zucker. Besonders Diabetiker profitieren von diesem natürlichen Süßmittel. Rezepte und Hinweise, wie die wertvollen Inhaltsstoffe aus den Pflanzen gewonnen werden können, runden das Buch ab. Dabei verraten die Autoren so manches Geheimnis aus ihrer jahrzehntelangen Erfahrung im Umgang mit diesen Pflanzen.

Aus dem Inhalt:
·         Stevia erobert die Welt
·         Kultur von Stevia, Ernte, Überwinterung
·         Goji, eine uralte Nutzpflanze
·         Die Indianerbanane
·         Rezepte: Stevia, Goji und Indianerbanane in der Küche

Über die Autoren:
Monika und Peter Klock betreiben eine Spezialbaumschule für Wintergartenpflanzen, Kübelpflanzen und Obstgehölze. Gemeinsam haben sie zahlreiche Fachbücher veröffentlicht, so „Ginseng – das Geheimnis des grünen Goldes“ und „Der wahre Teebaum“.

Bibliographische Daten

Monika und Peter Klock

Trend-Pflanzen – Stevia, Goji, Indianerbanane­ Anbau, Ernte, Verwendung

80 Seiten, 17 x 24 cm, durchgehend farbige Abbildungen, broschiert
avBUCH 2011, ISBN: 978-3-8404-7904-5
Preis: EUR 10,95   CHF 17,50

Informationen zum Thema XYLITOL finden Sie hier: Xylitol – Die süße Rettung?

Freitag, 24. Februar 2012

Teufelskralle - Harpagophytum procumbens

Wenns im Rücken zwickt und beißt, die Gelenke entzündet sind, dann kann die in Südafrika heimische Pflanze mit dem etwas seltsam anmutenden mit "Krallen" besetzten Früchten hilfreich sein. Traditionell werden die Wurzeln der Pflanze bei Bluterkrankungen, bei Muskelschmerzen, zur Fiebersenkung und als Schmerzmittel in der Schwangerschaft sowie bei schwierigen Geburten angewendet. Als Pulver auf Beulen, Geschwüre zur Heilung aufgebracht. 

Die ersten europäischen Kolonisten entdeckten die Pflanze 18. Jahrhundert für sich vornehmlich gegen Rückenschmerzen, Muskelbeschwerden und rheumatischen Schmerzen und Beschwerden der Gelenke. Sie wirkt entzündungshemmend, schmerzstillend und abschwellend. 


Man kann mit der Teedroge eine Salbe selbst herstellen: 


250 g Schweineschmalz auslassen und 100 g getrocknete Wurzel einstreuen. Das ganze 10 -15 min köcheln lassen und dann über Nacht stehen lassen. Dann nochmals erwärmen und seihen, in ein sauberes Glas füllen, beschriften nicht vergessen. Die betreffenden Gelenke damit einrieben. Die Wirkung wird sich erst nach einiger Zeit einstellen.

Tinktur: 


Klein gehackte Wurzeln in einem Schraubdeckel-Glas mit Wodka ansetzen, man muss soviel Alkohol dazu geben, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind. Nun das Glas verschlossen für 4- 6 Wochen ziehen lassen, dabei täglich ruhig einmal schütteln. ANschließend abseihen und in eine dunkle Flasche mit Tropfaufsatz füllen. Davon dann ein bis drei mal täglich 10-50 Tropfen ein. Auch hier gilt: es dauerte einige Zeit bis es wirkt.

(Anwendung auf eigene Verantwortung)



Donnerstag, 3. November 2011

Kürbisgenuß fast mit Stumpf und Stiel

Allerheiligen ist vorbei, auch wir haben eine kleine Feier im Garten gehabt, allen die anwesend waren, danke ich fürs Kommen und die gute Laune sowie die schönen Stunden. 
Zeit den durch Halloween eine Art Renaisance erlebenden Kürbis etwas näher zu betrachten, ist er doch eine der ältesten Kulturpflanzen, die den Menschen schon seit Jahrtausenden als Nahrungsmittel dient. Alte kernige Funde aus prähistorischer Zeit werden auf etwa 10.000 v. Ch datiert. Das Fruchtfleisch musste gleich verwertet werden, da es sich bekanntlich schnell verdirbt, die eiweißhaltigen Kerne allerdings kann man länger aufheben und verschieden einsetzen. Süß-sauer eingelegt, als Füllung, Pie, Kuchen, Suppe und als Plätzchen - dafür kennt sicher jeder ein Rezept, daher habe ich etwas herausgesucht, was bestimmt nicht jeder kennt: 

Mazedonischer Kürbis-Spargel

Man benötigt einen 1,5 kg schweren Kürbis, den man aushöhlt und dann in fingerdicke lange Stücke schneidet. Mit Küchengarn bindet man sie paketweise zusammen und kocht sie in Salzwasser, dem ein TL Zucker zugefügt wird, bis sie glasig sind. Dann nimmt man den Kürbis heraus, lässt ihn abtropfen, nimmt das Garn ab und schichtet alles in eine Auflaufform und gießt 1 Becher Sauerrahm darüber. Darauf krümelt man 4 EL Semmelbrösel, die man in Butter gelbbraun anbrät. Das Ganze schiebt man in den Herd und backt es bei 120 Grad 15 min.

panierter Kürbis

1,5 kg zarten Kürbis aushöhlen, waschen, in 6 cm lange und gut 1cm dicke Streifen schneiden, salzen und 1/2 Stunde ziehen lassen. Dann in 2 verschlagenen, gepfefferten und gesalzenen Eiern wenden, anschließend in Semmelbrösel. Dann in heißem Fett (was auch immer Man sonst zum Braten nimmt) ringsherum braun braten und mit Tomatensauce servieren.

Zum guten Schluss, da wir nichts wegwerfen wollen: 

Die Kerne heben wir auf und bereiten eine leckere Knabberei: Die Kerne sämtlich von Fruchtfleisch lösen und waschen, bis sie nicht mehr so klebrig sind. Auf ein mit Backpapier ausgelegeten Bleche können sie gesalzen oder ungesalzen bei 200 Grad geröstet werden, wobei man sie mit dem Pfannenwender nach gut 10 Minuten wenden kann, damit man eine schöne gleichmäßige Bräunung erreicht. 

Und wer die Knabberei vom Jahrmarkt vermisst, der kann sie karamelisieren. Dazu Rohrzucker und 1 EL Rübensirup in einer Pfanne auslassen die Kerne dazu und gut umrühren. Dann auf einem Backpapier ausgebreitet abkühlen lassen, eventuell in Stücke brechen. 

Ungeröstet und getrocknet kann man sie im Müsli genießen oder zu Gemüseriegeln, Gemüseleder und zum Backen sowie für Salate verwenden. 

Auch Kürbismilch läßt sich leicht selbst herstellen: Kürbiskerne in Mixer zerkleinern, mit warmen Wasser aufgießen, 20 min ruhen lassen, seihen und mit Honig abschmecken. 

Frischkäse übrigens kann man mit gerösteten Kernen, die man nach dem Erkalten in der Mühle bzw. Küchenmaschine fein zerkleinert zu neuen Ehren als Herbstbrotaufstrich verhelfen. Abgeschmeckt wird mit Pfeffer, Salz. Eine Schalotte in feinen Ringen rundet das Ganze geschmacklich ab.