↓ Direkt zur Joghurtherstellung (VeganStar-Rezept)
Es gibt Lebensmittel, deren Herstellung so einfach ist, dass die Industrie offenbar Schwierigkeiten hat, die Sache dabei zu belassen. Joghurt gehört dazu. Milch, Milchsäurebakterien und etwas Wärme – fertig. Eigentlich. Doch wer vor dem Kühlregal steht, begegnet einer erstaunlichen Ansammlung lebensmitteltechnischer Errungenschaften, die mit Erdbeeren, Bauernhöfen, Alpenidylle und gesunder Ernährung beworben werden.
Da wird gesüßt, angedickt, stabilisiert, aromatisiert und farblich nachgeholfen. Zucker, Glukose-Fruktose-Sirup, modifizierte Stärke, Pektine, Guarkernmehl, Johannisbrotkernmehl, Citronensäure, Natriumcitrate und färbende Konzentrate aus Roter Bete oder schwarzer Karotte – die Zutatenlisten lesen sich mitunter wie das Inventar einer kleinen Lebensmittelwerkstatt. Die Stärke sorgt für die richtige Dicke, die Verdickungsmittel halten die Fruchtzubereitung zusammen, das Aroma hilft dem Geschmack auf die Sprünge und das Pflanzenkonzentrat liefert die passende Farbe. Fehlt nur noch die Erdbeere. Die ist zwar meistens auch vorhanden, allerdings gelegentlich in einer Menge, bei der sich die Frage aufdrängt, ob sie eher als Zutat oder als Ehrengast eingeladen wurde. [1–5]
Besonders hübsch wird es bei den Produkten für Kinder. Bei klassischen FruchtZwergen beträgt der Erdbeeranteil beispielsweise ganze sechs Prozent. Das sind drei Gramm Erdbeerpüree in einem 50-Gramm-Becher. Dazu kommen Zucker, modifizierte Stärke, Guarkernmehl, Aroma und weitere Zutaten. Der Gesamtzuckergehalt beträgt 9,8 Gramm pro 100 Gramm, wobei darin auch der natürliche Milch- und Fruchtzucker enthalten ist. Und während auf der Verpackung die fröhliche Kinderwelt gefeiert wird, darf die tatsächliche Erdbeere bescheidene drei Gramm zum Gesamtkunstwerk beitragen. [6]
Damit nicht genug: Die klassischen FruchtZwerge sind gar kein gewöhnlicher Joghurt, sondern eine Frischkäsezubereitung. Das ist zwar kein Geheimnis – es steht in der Produktbeschreibung –, macht aber deutlich, wie weit manche Produkte von der einfachen Vorstellung eines Fruchtjoghurts entfernt sind. Die Kritik richtet sich keineswegs nur gegen einen Hersteller. Ob Fruchtjoghurt, Sahnejoghurt, Kinderquark oder süßes Milchdessert: Die Zusammensetzung reicht von erfreulich einfach bis erstaunlich umfangreich. Mal liefern echte Früchte den Geschmack, mal wird mit Aromen nachgeholfen. Mal reichen Milch und Kulturen für die Konsistenz, mal müssen Stärke und Verdickungsmittel mitarbeiten.
Besonders ärgerlich wird es, wenn solche Produkte vor allem Natürlichkeit, Fruchtigkeit und eine ausgewogene Kinderernährung vermitteln sollen. Die Verbraucherzentralen weisen seit Jahren auf den hohen Zuckergehalt vieler Kinder-Milchprodukte hin und empfehlen stattdessen Naturjoghurt mit frischen Früchten. [7]
Was steckt hinter dieser Zutatenparade?
Die eingesetzten Stoffe erfüllen durchaus bestimmte Aufgaben. Gerade deshalb lohnt sich ein genauer Blick.
- Zucker und Glukose-Fruktose-Sirup sorgen für Süße. Der Zuckergehalt fertiger Fruchtjoghurts liegt häufig deutlich über dem von Naturjoghurt. Dabei stammt ein Teil des Gesamtzuckers aus der Milch und den Früchten, ein weiterer aus zugesetzten süßenden Zutaten. [8]
- Modifizierte Stärke wird so behandelt, dass sie bestimmte Eigenschaften erhält, beispielsweise eine bessere Bindung oder Stabilität während der Verarbeitung und Lagerung. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Stärke gentechnisch verändert wurde.
- Pektine werden meist aus pflanzlichen Rohstoffen wie Äpfeln oder Zitrusfrüchten gewonnen. Sie gelieren und verdicken Fruchtzubereitungen.
- Guarkernmehl und Johannisbrotkernmehl sind ebenfalls pflanzliche Verdickungsmittel. Sie binden Wasser, beeinflussen die Cremigkeit und können verhindern, dass sich Bestandteile voneinander trennen.
- Aromen sollen den Geschmack verstärken oder ergänzen. Auch ein natürliches Aroma muss nicht zwangsläufig aus der Frucht stammen, deren Bild die Verpackung schmückt.
- Färbende Pflanzenkonzentrate aus Roter Bete, schwarzer Karotte oder anderen Pflanzen sorgen für das passende Aussehen. Schließlich soll Erdbeerjoghurt möglichst auch nach Erdbeere aussehen – selbst wenn deren Anteil bescheiden ausfällt.
- Citronensäure, Natriumcitrate und andere Säureregulatoren beeinflussen den Säuregrad, den Geschmack und bestimmte Verarbeitungseigenschaften.
- Gelatine kommt bei manchen zusammengesetzten Dessertprodukten als Geliermittel hinzu.
Nicht jeder dieser Stoffe ist gesundheitsschädlich. Manche sind ganz gewöhnliche pflanzliche Bestandteile. Das ist aber auch nicht der entscheidende Punkt. Die Frage lautet vielmehr: Warum wird ein ursprünglich so einfaches Lebensmittel derart aufwendig zurechtgemacht?
Und Bio? Dieselbe Geschichte in Grün?
Wer nun glaubt, das Bio-Regal sei automatisch die Rettung, sollte ebenfalls die Zutatenlisten lesen. Auch Bio-Fruchtjoghurts enthalten mitunter zugesetzten Zucker, Stärke, Pektine, Johannisbrotkernmehl, Aromen und färbende Pflanzenkonzentrate. Beim Bio-Erdbeerjoghurt von Andechser Natur in der 150-Gramm-Variante beträgt der tatsächliche Erdbeeranteil beispielsweise gerade einmal sechs Prozent. Dazu kommen Rübenzucker, Verdickungsmittel, natürliches Erdbeeraroma und färbendes Karottensaftkonzentrat. Der Gesamtzuckergehalt beträgt 12,6 Gramm je 100 Gramm. [4]
Es geht allerdings auch anders: Der Bio-Erdbeerjoghurt einer REWE-Eigenmarke enthält beispielsweise 12 Prozent Erdbeeren und zusätzlich drei Prozent Erdbeersaft. Zwar sind ebenfalls Zucker und Stabilisatoren enthalten, doch das Beispiel zeigt, dass selbst innerhalb der Bio-Produkte erhebliche Unterschiede bestehen. [5] Das Bio-Siegel stellt Anforderungen an die Herkunft, Erzeugung und Verarbeitung der Zutaten. Es besagt aber keineswegs, dass ein Fruchtjoghurt nur aus Milch und Früchten bestehen muss. Ein hoher Preis oder ein Bio-Siegel verwandelt einen süßen Fruchtjoghurt also nicht automatisch in ein ernährungsphysiologisches Wunderwerk.
Auch die günstigen Eigenmarken verdienen einen genaueren Blick. Manche einfachen Naturjoghurts der Handelsmarken bestehen lediglich aus Milch und Kulturen. Teure Markenprodukte können dagegen wesentlich aufwendiger zusammengesetzt sein. Umgekehrt enthalten auch preiswerte Fruchtjoghurts häufig Zucker, Stärke, Verdickungsmittel und Aromen. Und bei Netto wurde sogar die Bezeichnung „Quarkiger Genuss“ beanstandet, weil die Aufmachung Quark nahelegte, während in der Zutatenliste Frischkäse und Joghurt standen. Das zeigt, wie wichtig der Unterschied zwischen Produktname und tatsächlicher Zusammensetzung sein kann. [9] Der Preis ist kein verlässlicher Maßstab für eine einfache Rezeptur. Vielleicht wäre es also an der Zeit, wieder beim eigentlichen Lebensmittel anzufangen.
Denn Joghurt braucht weder Erdbeerillusion noch industrielle Verdickungskunst. Er braucht Milch und passende lebende Milchsäurebakterien. Und damit wird die Sache tatsächlich interessant.
Wie aus Milch Joghurt wird
Bei der Joghurtherstellung verwandeln Milchsäurebakterien einen Teil des Milchzuckers, der Laktose, in Milchsäure. Dadurch sinkt der pH-Wert der Milch. Die Milchproteine verändern ihre Struktur und bilden ein feines Netzwerk, das Wasser einschließt. Die zunächst flüssige Milch wird dick und erhält ihren charakteristischen säuerlichen Geschmack. Wie fest, cremig oder säuerlich der Joghurt schließlich wird, hängt von mehreren Faktoren ab: von der verwendeten Milch, ihrem Eiweiß- und Fettgehalt, den Bakterienkulturen sowie von Temperatur und Reifezeit. [8, 10] Entscheidend sind vor allem die Milchsäurebakterien. Und davon gibt es weit mehr als nur eine einzige Sorte.
Die wichtigsten Milchsäurebakterien
- Streptococcus thermophilus: Gehört zu den beiden klassischen Joghurtbakterien. Das Bakterium bevorzugt warme Temperaturen und trägt wesentlich zur Ansäuerung der Milch bei. In der traditionellen Joghurtherstellung arbeitet es mit Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus zusammen. Beide Kulturen ergänzen sich bei der Fermentation und fördern gegenseitig ihr Wachstum.
- Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus: Diese Bakterien sind für den klassischen, häufig kräftig säuerlichen Joghurt besonders wichtig. Sie bilden Milchsäure und tragen zur Entstehung des typischen Joghurtaromas bei. Abhängig vom verwendeten Bakterienstamm, der Temperatur und der Reifezeit entsteht ein unterschiedlich ausgeprägter Säuregeschmack. Die Kombination mit Streptococcus thermophilus bildet die Grundlage des traditionellen Joghurts.
- Lactobacillus acidophilus: Wird bei verschiedenen fermentierten Milchprodukten eingesetzt und kommt auch in manchen milden Joghurtzubereitungen vor. Die Kulturen besitzen andere Wachstumseigenschaften als die klassischen Joghurtbakterien und werden deshalb häufig mit weiteren Milchsäurebakterien kombiniert.
- Bifidobacterium animalis subsp. lactis: Bifidobakterien werden manchen fermentierten Milchprodukten zusätzlich zugesetzt. Sie unterscheiden sich in ihren Wachstumsbedingungen von den klassischen Joghurtkulturen. In der Praxis werden sie daher häufig zusammen mit anderen geeigneten Kulturen verwendet.
- Lactobacillus casei und verwandte Arten: Auch Bakterien aus dieser Gruppe spielen bei verschiedenen fermentierten Milchprodukten eine Rolle. Je nach Art und Bakterienstamm tragen sie zur Säurebildung und Geschmacksentwicklung bei. Sie sind allerdings nicht ohne Weiteres als alleinige Starterkultur für klassischen festen Joghurt geeignet.
Warum sind die Kulturen so wichtig?
Milchsäurebakterien unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer bevorzugten Temperatur und der Geschwindigkeit der Säurebildung. Einige bilden zusätzlich Stoffe, die den Geschmack und die Konsistenz beeinflussen. Bestimmte Kulturen erzeugen beispielsweise Polysaccharide, die einem fermentierten Milchprodukt eine besondere Cremigkeit oder sogar eine fadenziehende Beschaffenheit verleihen. Deshalb ist es sinnvoll, die Starterkulturen passend zur gewünschten Joghurtart auszuwählen.
Joghurtarten und ihre traditionelle Herkunft
- Klassischer Naturjoghurt: Wird gewöhnlich mithilfe von Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus hergestellt. Der Geschmack reicht von mild bis kräftig säuerlich. Seine Konsistenz hängt unter anderem von den verwendeten Kulturen, der Milch und der Verarbeitung ab.
- Stichfester Joghurt: Reift direkt in seinem Behälter und wird nach der Fermentation nicht umgerührt. Dadurch bleibt das entstandene Eiweißnetzwerk erhalten. Der Joghurt besitzt eine feste, löffelbare Struktur. Wird der Behälter während der Gerinnung stark bewegt, kann das Eiweißnetzwerk beschädigt werden und sich Molke absetzen.
- Gerührter Joghurt: Beim gerührten Joghurt wird die feste Struktur nach der Fermentation durch Rühren aufgebrochen. Dadurch entsteht eine weichere, gleichmäßigere und meist cremige Konsistenz. Für stichfesten und gerührten Joghurt können grundsätzlich dieselben Kulturen verwendet werden.
- Joghurt mild: Milder Joghurt besitzt einen weniger ausgeprägt säuerlichen Geschmack. Bei manchen milden Joghurts werden andere Milchsäurebakterien anstelle der klassischen bulgarischen Kultur eingesetzt. Die genaue Zusammensetzung hängt vom jeweiligen Produkt ab. Nicht jeder als „mild“ bezeichnete Joghurt ist deshalb als Starter für die klassische Joghurtherstellung gleich gut geeignet.
- Bulgarischer Joghurt – Kiselo mlyako: Bulgarien besitzt eine lange Tradition fermentierter Milchprodukte. Kiselo mlyako bedeutet sinngemäß „saure Milch“. Typisch sind die klassischen Joghurtkulturen Streptococcus thermophilus und Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus. Der Geschmack ist häufig aromatisch, kräftig und deutlich säuerlich. Für die eigene Herstellung eignet sich ein entsprechender Naturjoghurt mit lebenden Kulturen als Starter.
- Griechischer Joghurt – Straggisto Giaourti: Griechischer Joghurt ist besonders fest, gehaltvoll und cremig. Traditionell wird dem fertigen Joghurt durch Abtropfen ein Teil der Molke entzogen. Dadurch konzentrieren sich die festen Milchbestandteile. Der Eiweißgehalt je 100 Gramm steigt, und der Joghurt erhält eine deutlich dichtere Konsistenz. Für diese abgetropfte Variante sind keine grundsätzlich anderen Joghurtkulturen erforderlich.
- Türkischer Joghurt – Yoğurt und Süzme Yoğurt: Joghurt besitzt in der türkischen Küche eine lange Tradition. Gewöhnlicher Yoğurt wird je nach Herstellung mild, kräftig säuerlich, weich oder fest. Süzme Yoğurt ist eine abgetropfte Variante. Seine Konsistenz ist besonders dicht und cremig, teilweise beinahe streichfähig. Die Unterschiede gegenüber griechischem Joghurt liegen vor allem in den regionalen Herstellungsweisen, der verwendeten Milch, den Kulturen und der Weiterverarbeitung.
- Sahnejoghurt: Sahnejoghurt erhält seinen besonders vollmundigen Geschmack hauptsächlich durch den höheren Fettgehalt. Dafür wird Milch mit Sahne kombiniert oder besonders fettreiche Milch verwendet. Spezielle Joghurtbakterien sind dafür nicht grundsätzlich notwendig.
- Skyr – die isländische Spezialität: Skyr stammt aus Island und wird traditionell eher als Frischkäseprodukt eingeordnet. Bei seiner Herstellung kommen Milchsäurekulturen zum Einsatz, traditionell auch eine geringe Menge Lab. Anschließend wird ein erheblicher Teil der Molke entfernt. Dadurch entsteht eine feste, eiweißreiche Milchspezialität. Skyr ähnelt äußerlich einem stark abgetropften Joghurt, besitzt aber eine eigene Herstellungstradition.
- Matsoni oder Matsun: Matsoni beziehungsweise Matsun ist eine traditionelle fermentierte Milchspezialität aus dem Kaukasus, insbesondere aus Georgien und Armenien. Je nach Region werden verschiedene Milchsorten und unterschiedliche Mischungen von Milchsäurebakterien verwendet. Geschmack und Konsistenz können entsprechend variieren. Eine einheitliche Bakterienzusammensetzung für sämtliche traditionellen Varianten gibt es nicht.
- Dahi: Dahi ist ein traditionelles fermentiertes Milchprodukt des indischen Subkontinents. Es wird häufig aus Kuh- oder Büffelmilch hergestellt. Traditionell dient ein Teil des bereits vorhandenen Dahi als Starter für den nächsten Ansatz. Je nach regionaler Kultur und Herstellungstemperatur entstehen unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Konsistenzen.
- Viili: Viili stammt aus Finnland. Besonders auffällig ist die teilweise fadenziehende, fast schleimige Konsistenz, die durch bestimmte milchsäurebildende Kulturen entsteht. Diese bilden unter anderem besondere Polysaccharide, welche die Beschaffenheit des Produkts beeinflussen. Viili wird gewöhnlich mit Kulturen hergestellt, die bei niedrigeren Temperaturen wachsen als die klassischen wärmeliebenden Joghurtbakterien.
- Filmjölk: Filmjölk gehört zu den traditionellen fermentierten Milchprodukten Schwedens. Es schmeckt meist angenehm mild-säuerlich und besitzt eine weiche, dickflüssige Konsistenz. Verwendet werden überwiegend sogenannte mesophile Kulturen, die niedrigere Temperaturen bevorzugen. Damit unterscheidet sich die Herstellung von der klassischen warm geführten Joghurtfermentation.
Welche Milch eignet sich zur Joghurtherstellung?
Die verwendete Milch beeinflusst sowohl Geschmack als auch Konsistenz des fertigen Joghurts.
- Kuhmilch: Kuhmilch eignet sich hervorragend für klassischen Naturjoghurt. Vollmilch führt gewöhnlich zu einem cremigeren Ergebnis als fettarme Milch. Der Eiweißgehalt beeinflusst die Festigkeit. Auch das vorherige Erhitzen der Milch kann die spätere Joghurtstruktur verbessern.
- Ziegenmilch: Ziegenmilch besitzt einen eigenen, charakteristischen Geschmack. Ihre Eiweißzusammensetzung unterscheidet sich von derjenigen der Kuhmilch. Daher wird Ziegenjoghurt häufig etwas weicher. Die endgültige Konsistenz hängt allerdings auch von der verwendeten Kultur und der Wärmebehandlung ab.
- Schafmilch: Schafmilch enthält gewöhnlich mehr Fett und Eiweiß als Kuhmilch. Dadurch eignet sie sich besonders gut für einen gehaltvollen, cremigen und häufig recht festen Joghurt. Der Geschmack ist kräftiger und vollmundiger.
- Büffelmilch: Büffelmilch besitzt ebenfalls einen hohen Fett- und Eiweißgehalt. Daraus entsteht häufig ein besonders dichter, cremiger und gehaltvoller Joghurt. In verschiedenen Regionen wird Büffelmilch traditionell für fermentierte Milchprodukte verwendet.
Braucht jede Milchsorte andere Kulturen?
Nein. Die klassischen Joghurtbakterien können grundsätzlich mit Kuh-, Ziegen-, Schaf- und Büffelmilch verwendet werden. Allerdings beeinflusst die jeweilige Milchzusammensetzung das Ergebnis erheblich.
Zum Buch: Alles selbst gemacht – Butter, Käse, Öl & mehr
Wer Milch selbst verarbeitet, beschäftigt sich zwangsläufig nicht nur mit Joghurt. Aus demselben Rohstoff entstehen Butter, Quark, verschiedene Käsesorten und viele andere Erzeugnisse. Entscheidend ist das Verständnis dafür, wie die Milch durch Wärme, Säuerung, Gerinnung und weitere Verarbeitung verändert wird. Genau diesem praktischen Wissen widmet sich auch mein Buch Alles selbst gemacht – Butter, Käse, Öl & mehr. Darin geht es unter anderem um die Unterschiede zwischen Kuh-, Ziegen- und Schafmilch, das Pasteurisieren, die Butter- und Käseherstellung und die Verwendung der anfallenden Molke. Auch die Herstellung von Ricotta wird beschrieben.
Das Buch entstand aus der praktischen Beschäftigung mit Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung. Nicht um die industrielle Herstellung möglichst kompliziert nachzuahmen, sondern um zu zeigen, was sich mit einfachen Mitteln in der eigenen Küche herstellen lässt. [11] Die Joghurtherstellung fügt sich genau in dieses Verständnis von Lebensmittelhandwerk ein.
Woher kommen die Starterkulturen?
Für die eigene Joghurtherstellung eignen sich spezielle Starterkulturen oder ein kleiner Becher Naturjoghurt mit lebenden Milchsäurebakterien. Die enthaltenen Kulturen sind häufig auf der Verpackung angegeben. Entscheidend ist, dass der Joghurt nicht nachträglich wärmebehandelt wurde. Bei dieser Behandlung wird das bereits fermentierte Produkt noch einmal erhitzt, um seine Haltbarkeit zu verlängern. Dabei werden die lebenden Milchsäurebakterien abgetötet beziehungsweise inaktiviert. Ein solcher Joghurt eignet sich nicht mehr als Starter für die Herstellung eines neuen Joghurts. Von dieser nachträglichen Wärmebehandlung zu unterscheiden ist das Erhitzen der Milch vor dem Einrühren der Starterkulturen. Dieses Erhitzen ist bei der eigenen Joghurtherstellung sogar sinnvoll.
- Naturjoghurt als Starter: Ein frischer Naturjoghurt mit geeigneten lebenden Kulturen kann für einen neuen Ansatz verwendet werden. Dabei ist zu beachten, dass nicht jede besondere Milchspezialität dieselben Bakterien enthält. Für klassischen festen Joghurt eignen sich die traditionellen Joghurtkulturen besonders gut. Wer einen bestimmten Geschmack erzielen möchte, kann einen entsprechenden Naturjoghurt als Starter auswählen, sofern die Kulturen lebend und für die gewünschte Fermentation geeignet sind.
- Gekaufte Starterkulturen: Spezielle Joghurtkulturen werden beispielsweise als gefriergetrocknete Präparate angeboten. Je nach Zusammensetzung eignen sie sich für klassischen, milden oder besonders aromatischen Joghurt. Die vorgegebene Dosierung und Temperatur des jeweiligen Herstellers sind zu beachten.
- Kann selbst hergestellter Joghurt wiederverwendet werden?: Ja. Eine kleine Menge frisch hergestellten, einwandfreien Joghurts kann als Starter für einen weiteren Ansatz dienen. Allerdings können sich die Mengenverhältnisse der Bakterien bei wiederholtem Weiterimpfen verändern. Dadurch kann sich im Laufe der Zeit auch das Fermentationsergebnis verändern. Deshalb ist es sinnvoll, gelegentlich mit einer frischen Starterkultur neu zu beginnen. [10]
Joghurt herstellen mit dem VeganStar Joghurt-Maker Typ 2368
Der VeganStar Joghurt-Maker Typ 2368 ist ein Joghurtbereiter mit einem Fassungsvermögen von einem Liter, der über die Agrisan GmbH vertrieben wurde. Bei der Joghurtherstellung sorgt das Gerät für die notwendige Wärme während der Fermentation. Die nachfolgende Herstellung beschreibt das Grundverfahren für klassischen Milchjoghurt. Die konkreten Betriebs- und Zeitangaben der Originalanleitung des Gerätes haben dabei Vorrang.
Zutaten für einen Liter Naturjoghurt:
- 1 Liter pasteurisierte Vollmilch
- Etwa 30–50 g frischer Naturjoghurt mit lebenden klassischen Joghurtkulturen oder eine passende Menge spezieller Starterkultur
- Milch vorbereiten: Die Milch wird zunächst erhitzt. Für die klassische Joghurtherstellung hat sich eine Erhitzung auf etwa 85–90 °C bewährt. Dadurch werden unerwünschte Keime reduziert und die Milchproteine so verändert, dass sich später eine festere Joghurtstruktur bilden kann. Anschließend wird die Milch auf die geeignete Impftemperatur abgekühlt.
- Die richtige Temperatur: Klassische Joghurtkulturen bevorzugen warme Temperaturen von ungefähr 40–45 °C. Der genaue Bereich richtet sich nach der Starterkultur. Die Milch darf beim Einrühren des Starters nicht mehr zu heiß sein, da die Bakterien sonst geschädigt werden. Bei anderen Starterkulturen können abweichende Temperaturen erforderlich sein.
- Starter einrühren: Der Naturjoghurt wird zunächst mit etwas abgekühlter Milch glatt gerührt. Anschließend wird diese Mischung gleichmäßig unter die restliche Milch gerührt. Bei speziellen Starterkulturen richtet sich die Menge nach den Herstellerangaben.
- Fermentation: Die vorbereitete Milch wird in den sauberen Behälter des VeganStar gefüllt. Während der Fermentation sollte der Ansatz möglichst ruhig stehen, damit sich das Eiweißnetzwerk ungestört bilden kann. Die erforderliche Reifezeit hängt von den verwendeten Bakterien, der Temperatur und dem gewünschten Säuregrad ab. Bei klassischen Kulturen sind etwa vier bis acht Stunden ein möglicher Ausgangspunkt. Je nach Ansatz können auch längere Fermentationszeiten erforderlich sein. Entscheidend ist eine ausreichende Ansäuerung. Ein pH-Wert von höchstens 4,6 ist ein wichtiger Kontrollwert. Bleibt die Ansäuerung aus, darf der Ansatz nicht als gelungener Joghurt verwendet werden. [10]
- Abkühlen: Nach erfolgreicher Fermentation wird der Joghurt zügig im Kühlschrank abgekühlt. Während des Kühlens festigt sich die Konsistenz weiter. Für einen stichfesten Joghurt bleibt die Masse möglichst unberührt. Soll der Joghurt dagegen besonders cremig werden, kann er nach dem Abkühlen umgerührt werden.
Selbst hergestellter Joghurt gehört in den Kühlschrank und sollte innerhalb weniger Tage verbraucht werden. Alle verwendeten Geräte, Behälter und Löffel müssen sorgfältig gereinigt sein. Bei ungewöhnlichem Geruch, Schimmelbildung, Gasentwicklung oder anderen Anzeichen einer Fehlgärung ist der Ansatz zu verwerfen.
Drei weitere Spezialitäten aus selbst gemachtem Joghurt
Griechischer Joghurt – besonders fest und cremig
Für griechischen Joghurt wird zunächst gewöhnlicher Naturjoghurt hergestellt.
Zutaten:
- 1 Liter fertiger Naturjoghurt
Zubereitung: Ein Sieb mit einem sauberen Passier- oder Baumwolltuch auslegen und über eine Schüssel stellen. Den vollständig abgekühlten Joghurt hineingeben und abgedeckt im Kühlschrank etwa zwei bis vier Stunden abtropfen lassen. Dabei trennt sich ein Teil der Molke von der Joghurtmasse. Je länger der Joghurt abtropft, desto fester wird er. Auf diese Weise entsteht ein besonders cremiger, konzentrierter Joghurt, der sich sowohl pur als auch für süße oder herzhafte Zubereitungen eignet.
Joghurt-Frischkäse – Labneh
Aus Naturjoghurt lässt sich auch ein streichfähiger Frischkäse nach Art des Labneh herstellen. Labneh ist besonders in der Küche des Nahen Ostens verbreitet.
Zutaten:
- 1 Liter fertiger Naturjoghurt
- Nach Belieben etwas Salz
- Nach Belieben frische Kräuter
Zubereitung: Den gekühlten Joghurt in ein mit einem sauberen Tuch ausgelegtes Sieb geben. Das Sieb über eine Schüssel stellen und den Joghurt im Kühlschrank etwa 12–24 Stunden abtropfen lassen. Währenddessen wird die Masse zunehmend fester. Nach Wunsch mit Salz oder Kräutern verfeinern. Das Ergebnis ist ein cremiger, streichfähiger Joghurt-Frischkäse.
Sahnejoghurt – besonders vollmundig
Sahnejoghurt erhält seinen charakteristischen Geschmack durch einen höheren Fettgehalt.
Zutaten:
- 750 ml Vollmilch
- 250 ml Sahne
- Etwa 30–50 g Naturjoghurt mit lebenden klassischen Kulturen oder eine passende Starterkultur
Zubereitung: Milch und Sahne gründlich miteinander vermischen. Anschließend wie bei der gewöhnlichen Joghurtherstellung erhitzen und auf die passende Impftemperatur abkühlen lassen. Den Starter einrühren und die Mischung im VeganStar entsprechend der Geräteanleitung fermentieren. Danach zügig abkühlen lassen. Das Ergebnis ist ein besonders gehaltvoller und cremiger Naturjoghurt.
Was geschieht mit der Molke?
Beim Abtropfen von griechischem Joghurt oder Joghurt-Frischkäse fällt Molke an. Diese Flüssigkeit enthält unter anderem Wasser, Milchzucker, Mineralstoffe und lösliche Milchbestandteile. Sie muss nicht weggeworfen werden. Molke kann beispielsweise einen Teil des Wassers beim Brotbacken ersetzen oder in geeigneten Teigen verwendet werden. Auch die Weiterverarbeitung von Molke gehört zur traditionellen Milchverarbeitung. In meinem Buch Alles selbst gemacht – Butter, Käse, Öl & mehr findet sich dazu unter anderem die Herstellung von Ricotta.
Milch, Bakterien und ein bisschen Geduld
Die Joghurtherstellung ist weder geheimnisvoll noch kompliziert. Aus Milch und lebenden Milchsäurebakterien entsteht durch Fermentation ein Lebensmittel, das je nach verwendeter Kultur, Milch und Herstellungsverfahren ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen kann. Mild oder kräftig säuerlich, weich oder stichfest, cremig oder abgetropft – die Möglichkeiten sind erstaunlich vielfältig. Dafür braucht es weder modifizierte Stärke noch Aromastoffe, färbende Pflanzenkonzentrate oder eine ganze Sammlung von Verdickungsmitteln. Natürlich darf ein Fruchtjoghurt süß sein. Und gegen ein wenig Honig oder Zucker nach eigenem Geschmack ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Der Unterschied liegt darin, selbst zu entscheiden, was hineinkommt.
Frische Erdbeeren liefern tatsächlich Erdbeeren. Ein Löffel Honig liefert Honig. Und selbst hergestellter Naturjoghurt besteht zunächst schlicht aus Milch und den benötigten Kulturen. Das ist weder revolutionär noch besonders modern. Es ist lediglich die Rückkehr zu einer Herstellung, die schon lange funktionierte, bevor die Lebensmittelindustrie herausfand, wie viele zusätzliche Zutaten sich in einem Becher unterbringen lassen.
Quellen und weiterführende Literatur
Recherche und Quellenprüfung: Oktober 2026
- Landliebe – Fruchtjoghurt Erdbeere. Herstellerangaben zu Zutaten, Fruchtanteil und Nährwerten. Enthält unter anderem 11 % Frucht, Zucker, modifizierte Stärke, Pektine und natürliches Aroma.
https://www.landliebe.de/die-landliebe-produkte/fruchtjoghurt/fruchtjoghurt-erdbeere-38-fett-500g-mehrwegglas/ - Molkerei Müller – Joghurt mit der Ecke Erdbeere. Produktdaten mit 11,7 % Erdbeeren, Zucker, verschiedenen Verdickungsmitteln, Aroma und 14,7 g Gesamtzucker je 100 g.
https://www.rewe.de/shop/p/mueller-joghurt-mit-der-ecke-erdbeere-150g/1492314 - Ehrmann – Almighurt Erdbeere. Zutatenliste mit 11 % Erdbeeren, Zucker, modifizierter Stärke, Pektinen, Guarkernmehl und Aroma.
https://www.rewe.de/shop/p/ehrmann-almighurt-erdbeere-150g/6871550 - Andechser Natur – Bio-Jogurt mild Erdbeere, 150 g. Offizielle Herstellerangaben zu 6 % Erdbeeren, Rübenzucker, Johannisbrotkernmehl, Pektin, natürlichem Erdbeeraroma und färbendem Pflanzenkonzentrat.
https://www.andechser-natur.de/de/bio-produkte/bio-jogurt-mild-erdbeere-38-fett-150g - REWE Bio – Joghurt Erdbeere, 150 g. Zutatenliste mit 12 % Erdbeeren, 3 % Erdbeersaft, Rohrohrzucker, Johannisbrotkernmehl und Pektinen.
https://www.rewe.de/shop/p/rewe-bio-joghurt-erdbeere-150g/9433630 - Danone – FruchtZwerge Klassiker, Erdbeere/Himbeere/Kirsche. Offizielle Produktinformationen mit Zutatenlisten, Fruchtanteilen und Nährwerten. Bei der Erdbeervariante 6 % Erdbeerpüree und 9,8 g Gesamtzucker pro 100 g.
https://www.fruchtzwerge.de/produkte/fruchtzwerge-klassiker/erdbeere-himbeere-kirsche-6er.html - Verbraucherzentrale – Kinderlebensmittel: Extrawurst für den Nachwuchs? Stand 7. August 2026. Kritische Einordnung von speziell für Kinder beworbenen Lebensmitteln und zuckerreichen Milchprodukten.
https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/gesund-ernaehren/kinderlebensmittel-extrawurst-fuer-den-nachwuchs-10725 - Verbraucherzentrale Bayern – Woher stammt der Zucker im Naturjoghurt? Erklärung des natürlichen Milchzuckers und der Unterschiede zwischen Naturjoghurt und gesüßtem Fruchtjoghurt.
https://www.verbraucherzentrale.bayern/faq/woher-stammt-der-zucker-im-naturjoghurt-91316 - Lebensmittelklarheit – „Quarkiger Genuss“ ohne Quark als Zutat. Untersuchung der Verbraucherzentrale zur Produktbezeichnung und Zusammensetzung einer Netto-Eigenmarke.
https://www.lebensmittelklarheit.de/produktmeldungen/quarkiger-genuss-ohne-quark-als-zutat - Utah State University Extension – Homemade Fermented Yogurt. Fachliche Anleitung zur Joghurtherstellung mit lebenden Kulturen, Milchvorbereitung, Fermentation, Ansäuerung, Kühlung und Herstellung abgetropften Joghurts.
https://extension.usu.edu/preserve-the-harvest/fermented-yogurt - Heidi Thaler – Alles selbst gemacht: Butter, Käse, Öl & mehr. BuchVerlag Leipzig, 4. Auflage 2023, ISBN 978-3-89798-312-0. Eigene Veröffentlichung zur Verarbeitung von Milch, Herstellung von Butter, Quark und Käse sowie zur weiteren Nutzung von Molke.
https://landeruns.blogspot.com/2011/06/buchkind-1-alles-selbst-gemacht-butter.html