Mittwoch, 3. Dezember 2025

Winterbraut

 

Wenn der Sturm durch die Fichten fährt, ist es nicht nur Wind. Er nimmt, was noch stand, biegt, bricht, glättet – bis nichts mehr widerspricht. Danach liegt das Land still. Weit, hell, beinahe leer. Der Schnee trägt das Licht,
lässt es flirren, nimmt jedem Geräusch die Schärfe. Was eben noch Bewegung war, ist nun gebunden. Nur aus der Ferne ein Ton, ein Nachhall. Und darüber spannt sich der Himmel, klar und unerreichbar, als hätte alles seinen Platz wieder gefunden. Davon erzählt das Lied

Winterbraut

Wenn der Sturm die Fichten
mit eisig Odem niederbiegt
orgelt Allgestimm´ aus Winden
bis der Frost all´ das  besiegt

Was eben sich noch bäumte
im weiß beflockt´ Gewand,
ist nach der Lüfte Toben
nun bitterkaltes Winterland.

Es umfängt die weiten Felder,
hüllt alles in bleiches Licht.
das auf Wiesen wie Gewisper
sich um und um im Funkeln bricht.

Alles schweiget, keine Regung,
fern erklingt der Glocke Ton,
im heraufgezog´nen Dunkel
blasset des Dasein stete Frohn.

Still wölbt sich hoch droben
blaues Rund im Sternenschein
und sein altes heil´ Gefunkel
sinkt schweigend in dein Sein.