Montag, 25. November 2024

Waldgemorde

In den Schatten alter Bäume,
wo Blätterrauschen Stille bricht,
liegt ein Mirakel, still und leise,
wie ein Geheimnis im Gedicht.

Doch Menschen hörn nicht hin,
glauben, sie verstünden mehr.
Und die Bäume, sie erzählen —
doch die Ohren bleiben leer.

Ach, wie oft war ich zu Gaste
tief im dunklen Eichengrund.
Oh, wie oft ich dort gerastet,
saß im Schatten manche Stund’.

Was im Tann’ ich da gesehen,
war tiefe Liebe, meiner Treu’.
Wie der Wald sich leise schickt,
pflanzt so viele Bäumchen neu.

Freundlich jedes Kräutlein nickt,
macht mir liebevoll Offerte.
Die unverkäuflich mich beglückt,
und Vöglein singen mir Konzerte.

Wenn es grünt, ja sprosset froh,
nicht jeder labet sich daran,
weil man mit Holz und Boden
klingend Münz’ verdienen kann.

Wenn stöhnend jede Wurzel reißt
und die letzten Bäume fallen,
weil mancher gerne um sich beißt —
auch das wird einst verhallen.

Wenn die letzten Riesen brechen,
tönt im Wind ein leises Klagen.
Mit dem Wald vergeht der Mensch,
mit all’ seinen stolzen Fragen.

Hör das Flüstern, voller Trauer:
Meine Liebe, mein schöner Wald —
du stehst nicht mehr.
Meine Seele weint und friert.