Dienstag, 16. September 2025

Heilende Pilze weltweit – Ein Buch wie ein leises Beben unter der Erde

 Es gibt Bücher, die liest man mit den Augen, andere mit der Seele. Heilende Pilze weltweit von Jürgen Guthmann ist so ein Buch – eines, das mit dem Leser wächst, fast unmerklich. Ganz still, wie ein Myzel, das nach einem warmen Regen aus seinen Fäden fruchtet. Und ehe man sich versieht, entfaltet es seine Wunder, leise und unaufdringlich, wie der Boden im Wald.

Was Jürgen Guthmann hier präsentiert, ist weit mehr als nur eine Sammlung von Informationen über Pilze – es ist ein inspirierender Atlas der Möglichkeiten: Wissen und Wissenschaft, völlig frei von esoterischem Zierrat. Es ist ein Buch, das uns in Staunen versetzt und, wenn wir ganz ehrlich sind, auch etwas beschämt. Denn es zeigt uns, wie wenig wir über diese faszinierenden Wesen wissen, die schon vor uns die Erde bevölkerten und auch weiterhin bestehen werden, wenn wir längst nicht mehr sind. Noch wichtiger: Sie werden es sein, die unsere Spuren in der Welt umwandeln.

Pilze, erklärt Guthmann, sind so viel mehr als nur beiläufige Begleiter; sie sind Heilmittel, Bodenverbesserer, Seelengefährten, Müllvertilger und Zukunftsmaterial. Sie gedeihen in der Steppe, in der Stadt, in den Tropen, im Keller – und natürlich im Wald. Sie verbinden, zersetzen und bewahren.

Guthmann hat Vertrauen in den Leser; er belässt uns nicht mit „Aller-Welts-Wissen“, sondern präsentiert ein Fachbuch, das nicht Lifestyle-Gurus gedacht ist, sondern für all jene, die mehr Fragen haben, die spüren, dass da eine tiefere Wahrheit verborgen liegt. Und für die, die bereit sind, sich auf etwas einzulassen, das viel älter ist als wir alle zusammen. Denn dieses Buch erzählt nicht nur, was Pilze alles leisten können, sondern es offenbart, was sie sind. Nicht nur hübsche Dekoration oder Beigaben der guten Küche. Guthmann zeigt sie als eine dritte Kraft, als ein eigenes Reich – und dieses Reich ist größer, reicher und geheimnisvoller, als wir es in unseren gewohnten Denkweisen erahnen können.

Heilende Pilze weltweit ist ein Werk, das man nicht einfach verschlingt, sondern dessen Tiefe man mit Hingabe durchdringt. Jedes Kapitel ist überreich an Daten – und doch spürt man immer deine stille Ehrfurcht, die für diese uralten Wesen hervorrufen. wird. Guthmann meistert den Balanceakt: wissenschaftlich fundiert, aber keinesfalls trocken, detailreich, jedoch nie überladen. „Heilende Pilze weltweit“ möchte nicht verzaubern, sondern ehrliche Information liefern, und zwar jene, die in ein Fachbuch gehören. Es ist ein wertvolles Nachschlagewerk, ein Forschungsatlas, eine Arbeitsgrundlage – für all jene, die viel tiefer verstehen möchten, was Pilze vermögen. Am Ende legt man es nicht einfach beiseite. Es bleibt im Herzen und im Denken. Wie der vertraute Geruch von feuchter Erde, wie das Bild eines unsichtbaren Netzes, das unsere Welt trägt. Dieses Buch wächst in den Lesern, still, unaufdringlich, unaufhaltsam – genau wie die wunderbaren Wesen, von denen es erzählt.

Guthmann zeigt präzise, dass Pilze weit mehr sind als „essbar“ oder „giftig“. Sie bergen ein kaum erschöpfliches Reservoir an medizinisch relevanten Substanzen und eröffnen neue Wege in der Behandlung unterschiedlichster Erkrankungen. In sorgfältig ausgearbeiteten Porträts führt er dies aus: – detailliert, fundiert, verständlich und zugleich eindrucksvoll. Für Fachleute aus Medizin, Naturheilkunde, Naturwissenschaft und Mykologie ist das Buch ein Schatz aus klar aufbereiteten Daten, chemischen Formeln und ethnomykologischen Hintergründen. Für alle anderen Leser bleibt es ein Werk, das Wissen greifbar macht und Begeisterung weckt. So wächst Heilende Pilze weltweit über die Grenzen einer bloßen Fachlektüre hinaus. Es wird zu einem Erlebnis, das sich einprägt – wie der Geruch von feuchter Erde mit seinem unsichtbaren Netz unter unseren Füßen. Ein Buch, das bleibt. Still, unaufdringlich, unaufhaltsam. Genau wie die Wesen, von denen es erzählt.

 

Heilende Pilze weltweit: Beschreibung – Inhaltsstoffe – Wirkung
Gebundene Ausgabe – 28. März 2024, 3. erweiterte Auflage
Autor: Jürgen Guthmann
Verlag: Quelle & Meyer
592 Seiten, über 700 Abbildungen
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3494019604

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Mittwoch, 3. September 2025

Vom Verrat der Herren - den Lebigen zum Gemahnen am Beispiel des Andreas Hofer

Zum Video auf das Bild klicken. 

https://youtu.be/Rne0rb4H6I0

Es gibt Geschichten, die lassen sich nicht einrahmen, nicht konservieren, nicht museal zähmen; sie widerstehen jeder Glasvitrine, jedem Kommentarzettel, jeder ordentlichen Fußnote, denn sie riechen nach Eisen und verbranntem Pulver, nach kaltem Schweiß und dem zähen Atem derer, die nicht niederknien wollten; die Geschichte vom Andreas Hofer gehört zu diesen widerständigen Stücken Welt, sie ist kein patriotisches Bühnenstück und kein sauberer Mythos, sondern das Drama eines Mannes, den die Mächtigen erst brauchten, dann benutzten und schließlich verließen, wie sie es seit je mit allen tun, die zu aufrecht stehen, um bequem zu sein; er war Wirt, nicht mehr und nicht weniger, einer, der Löffel, Krug und Pflug kannte, der rechnen konnte, wenn’s ums Bier ging, und reden, wenn’s um das Menschliche ging, einer, der führen konnte, gerade weil er nie herrschen wollte; als Franzosen und Bayern ins Land kamen — wie sie kommen, wenn es irgendwo etwas zu holen gibt —, stand er auf, nicht aus Ruhmsucht, sondern weil da etwas in ihm war, das sich nicht beugen ließ; er rief die Seinen, Bauern, Jäger, Knechte, und ja: auch die Frauen, die nicht „hinter“ standen, sondern im Haufen, mit Bündeln und Büchsen, mit Augen so hart wie geschliffene Sensen; sie kamen ohne Illusionen, bewaffnet mit dem, was der Alltag hergab — Sensen, alte Böckel, Messer, und einem Mut, der sich nicht verrechnen lässt — und sie kämpften gegen Heere, die ihnen an Zahl und Gerät überlegen waren, sie siegten, weil die Erde manchmal jene trägt, die für sie kämpfen; für einen schmalen Augenblick stand der Sandwirt als Landesfürst, ein Bauer auf dem Thron, und gerade weil diese Ordnung „verkehrt“ war, war sie wahr; doch Wahrheit dauert selten lang, wo Politik den Takt schlägt; in Wien brannte der Kronleuchter heller als jedes Gewissen, der Kaiser, für den Tirol blutete und dem Hofer vertraute wie einem Vater, reichte dem Korsen die Hand, versetzte Tirol im großen Handel der Herren und nannte Verrat „Frieden“; man stelle sich’s vor: ein Land, mit Mut und Schweiß gehalten, verkauft in einem Atemzug, damit ein Herrscher seine Ruhe hat — ein Bauernopfer, sauber gezogen auf dem Schachbrett der Geschichte; kein Wort an die Männer und Frauen in den Bergen, kein Dank, nur das Schweigen jener Etagen, deren Finger nie Erde unter den Nägeln tragen; und als wäre es nicht genug, kam der zweite Verrat, leiser und gemeiner, aus der eigenen Stube: einer, der Gefährte war, ließ sich kaufen — für Silber, für Sicherheit, für Angst —, und so fiel der Sandwirt nicht im Kampf, sondern an dem, was dem Menschen immer am leichtesten fällt: am Vergessen dessen, was er schuldet; darin liegt der Schmerz dieser Geschichte, nicht in der Kugel, die ihn traf, sondern in der Erkenntnis, dass Treue dünner ist als Lack, wenn Furcht den Pinsel führt; Hofer starb, aber er brach nicht, er blieb, wie er war: gerade, unbeirrbar, unbequem — einer, der lieber verliert, als zu knien; später machte man ihn zu allem Möglichen, Held, Opfer, Symbol, und man goss sein Ende in Verse, die bis heute auf Festtagen erklingen — „Zu Mantua in Banden, der treue Hofer war“ (erste Verszeile der Landeshymne, Text Julius Mosen, 1831) — ein Gesang, der rührt und doch die Kälte der Paläste nicht wärmt; man schrieb ihm Worte zu, roh und knapp — „Mander, ’s isch Zeit! (Männer, es ist Zeit.)“ — und erzählte von seinem letzten Spott vor den Gewehren — „Ach, was schießt ihr schlecht!“ —, ob nun so gefallen oder legendenhaft verdichtet, es ist gleichgültig, denn was zählt, ist, dass sein Widerstand nicht zu Bronze gerann, sondern zu einem Satz, der sich einpflanzt, wenn man ihn liest: die Großen handeln, die Kleinen zahlen, doch hin und wieder stellt sich einer in die Reihe und dann weiß man plötzlich wieder, wie Widerstand klingt, wenn er aus ehrlicher Kehle kommt; man zeigte ihn später auf Postkarten und in Stichen, man las Sonntagsreden und schrieb Festschriften, und gerade daran sieht man, wie verlässlich das alte Spiel ist: man lobt die Toten, die sich nicht mehr wehren, man feiert, was man zu Lebzeiten verraten hat; wer Hofer gerecht werden will — dem Menschen Hofer —, der streicht den Zierat und behält den Willen: ein hartnäckiges „Nein“, das nicht lärmt, sondern trägt, das in Frauen und Männern gleichermaßen zu Hause ist und das nicht käuflich ist; und wer heute an einer Vitrine stehen bleibt und auf die Fetzen Welt dahinter schaut — Rock, Patrone, ein Brief —, der hört vielleicht etwas, das nicht geschrieben steht: Nicht verkauft. Nicht gebeugt. Nicht vergessen.

Landeruns Hütte, im Jahr des stillen Feuers 2025


Zitate und Belege (1831 – 1910)
1 – „Mander, ’s isch Zeit!“ – überliefert vor der dritten Bergiselschlacht (1810); Tiroler Volksblatt, 4. Aug. 1899; Josef Egger: Andreas Hofer und seine Zeit, Innsbruck 1880.
2 – „Ach, was schießt ihr schlecht!“ – als letzte Worte überliefert; Anton Pitscheider: Andreas Hofer, Wien 1861; Tiroler Stimmen, Nr. 7, 1893.
3 – „Zu Mantua in Banden…“ – Julius Mosen, 1831 / Leopold Knebelsberger, 1844; Gedichte von Julius Mosen, Leipzig 1832.
4 – Nachrufe und Vereinnahmungen: Tiroler Volksblatt, 21. Sept. 1893 „Der heilige Sandwirt“; Österreichisches Sonntagsblatt, 7. Aug. 1910 „Der Tell der Alpen“.
5 – Mundartrede im „Goldenen Adler“ (Innsbruck), überliefert nach Karl Schatz, Der Mann vom Land Tirol, Wien 1920.
6 – Sekundäre Darstellungen: Franz Hattler, Andreas Hofer, Innsbruck 1896; E. Boeheim, Der Tiroler Aufstand von 1809, Wien 1909.

(alle Quellen gemeinfrei / Digitalisate in ANNO – Österreichische Nationalbibliothek)