Dieses Stück handelt nicht von außen. Es geht um das, was im Inneren bricht, wenn das Übernommene nicht mehr trägt. Der „innere Kürass“ schützt – solange man ihn braucht. Doch irgendwann wird er zur Form, die nicht mehr passt. Dann fällt er. Nicht freiwillig. Nicht sauber. Und was danach bleibt, ist kein neues Bild, sondern zunächst Leere. Ohne Maß. Ohne Namen. Erst dort beginnt etwas Eigenes.
Was hier aufbricht, beginnt nicht außen. Es sitzt im Kopf. Als Maß, das nie das eigene war. Gedanken, die sich richtig anfühlten, weil sie oft genug wiederholt wurden. Doch irgendwann tragen sie nicht mehr. Das alte Wort fällt leer. Und mit ihm das, woran man sich gehalten hat. Was dann folgt, wirkt wie Verlust. Wie Fehler. Doch genau dort liegt die Wendung. Denn was zerbricht, war nicht tragfähig. Und was bleibt, ist zunächst nichts, das man benennen könnte. Keine Ordnung. Kein Halt. Nur diese Leere nach dem Lärm. Und genau dort beginnt etwas Eigenes. Nicht als Idee. Sondern als Zwang, sich selbst Maß zu geben.
Strophe 1
Der Blick durch eigene Enge splittert.
Im Schädel wütet fremdes Maß.
Das alte Wort – es trägt nicht mehr.
Es war mehr Trug – doch hieß man’s Licht,
bis der innere Kürass fiel.
Strophe 2
Wenn Abkehr zur Schuld im Dunklen wird –
muss ich versteinern, um dem zu entflieh’n?
Ein verlogener Ausweg scheint’s mir,
wo doch Segen im Fluch von Wandlung entsteht.
Chor
Ist’s nur Abbild, was sich verliert,
wenn das Eis des Geistes lichterloh friert?
Ist es Werden, das aus Trümmern stieg –
wo Leere nach dem Tosen obsiegt?
Strophe 3
Welch Widersinn:
den Herdentod zu sterben,
um Ordnung zu erringen –
zu flieh’n,
um eigene Tiefen zu bezwingen.
Es frisst der Masken Farben auf,
nimmt Hunger als Festmahl in Kauf.
Strophe 4
Alte Satzung, schwer gewogen,
im Äther jäh verflogen –
kein Richtmaß mehr, kein fremder Gott,
nur Wille – ja! – und herber Spott.
Das alte Antlitz, längst verheert,
vom Un-Gesinn verkehrt.
Chor (Wiederholung)
Ist es Werden, das aus Trümmern stieg –
wo Leere nach dem Tosen obsiegt?
Outro
Ein Name haftet an dieser Haut,
er ward der Stille anvertraut,
als Widerspiel im Nichts verschlungen,
was einst am Abgrund war entsprungen.