Montag, 29. April 2024

Weißensee bei Füssen - eine kleine Wanderung

Im Landkreis Ostallgäu in Bayern liegt der Weißensee, ein natürlicher See mit einem Umfang von 6,1 km. Sein Name wird entweder von seinem schimmernden Erscheinungsbild – hervorgerufen durch Kalkablagerungen – hergeleitet oder von der Überlieferung des Alemannen „Wizo“, der sich um etwa 600 n. Chr. an diesen Ort zurückgezogen haben soll. Eingebettet in das Landschaftsschutzgebiet des Faulenbachtals offenbart dieser See eine eigentümliche, beinahe mystische Schönheit. Auch hier war der Lechgletscher einer der großen Formgeber. Am Weißensee soll zudem sogenanntes Toteis mitgewirkt haben – also Gletschereis, das sich nicht mehr bewegt und den Kontakt zum aktiven Gletscher verloren hat. Es wird nach und nach von Sedimenten des Schmelzwassers überdeckt. So formte das Eis den Weißenseeberg, dessen schattige Wälder man auf wechselnd breiten Wegen, über Wurzeln, Stufen und vorbei an kleineren wie größeren Wasserfällen durchwandern kann. Schließlich führt der Weg über den Hugo-Ludwig-Steg, der eine gemütliche Umrundung ermöglicht. Sogar ein kleines Felsentor findet sich entlang des Pfades. Bevor dieser Steg errichtet wurde, war eine vollständige Umrundung kaum möglich. An einem Felsvorsprung fällt das Ufer steil ab, was mühsame Kraxelei erforderte. Das Baumaterial sowie die Maschinen wurden damals über die gefrorene Eisdecke des Sees transportiert und von dort aus verbaut. Die beiden Urlauber und Namensgeber des Stegs, Hugo Städtgen und Ludwig Prem, übernahmen die Kosten. Für Kinderwagen ist der Weg bis heute ungeeignet. Bei den Seewänden des Weißensees liegt einer der ältesten bislang entdeckten Siedlungsplätze im Ostallgäu. Funde aus Ausgrabungen werden auf etwa 12.000 v. Chr. datiert. Solche altsteinzeitlichen Wohnstätten unter Felsüberhängen oder in Felsspalten bezeichnet man als „Abri“. Mit einer Länge von 2,2 km von Ost nach West, einer mittleren Breite von knapp 600 m und einer Tiefe von bis zu 25 m bedeckt der See eine Fläche von rund 1,35 km². Sein Einzugsgebiet umfasst etwa 15 km². In seinem Wasser leben Renken, Zander, Hechte, Aale, Schleien, Saiblinge, Seeforellen und Karpfen. Auf der Oberfläche tummeln sich Schwäne, Haubentaucher, Blässhühner und verschiedene Wildenten. Gespeist wird der See vom „Bergbach“ im Westen, während der Abfluss im Osten in die Füssener Achen erfolgt.

Drei Fräulein vom Weißensee

Zu alten Zeiten herrschten drei edle Fräulein über das Land um den Aggenstein. Solange sie in Eintracht lebten, war alles wohl. Doch eines Tages entbrannte ein Streit zwischen den Schwestern. Zur Mittagsstunde standen sie auf dem Wehrgang ihrer Burg und blickten über das Land. „Mir die Burg und das Land gen Mittag“, sprach die Älteste. „Das will ich für mich!“ rief die Jüngste. Die Mittlere aber verwünschte beide und sprach: „Dass euch doch die Erde mitsamt dem Grunde verschlinge!“ Ein gewaltiger Donnerschlag folgte. Die Berge schienen zu bersten, Tannen stürzten talwärts, Felsbrocken prallten gegen die Burg. Dann trat Stille ein. Dunkelheit legte sich über das Land, und aus der Tiefe erklang das Gurgeln wilder Wasser. Als das Licht zurückkehrte, waren die drei Fräulein verschwunden – und an ihrer Stelle lag der See, ruhig und glitzernd. In stillen Nächten, so heißt es, vernimmt man ihr Klagen aus der Tiefe. Und im Schilf wispert es noch: „Druje hands g’hött, jeda hauts g’wöllt, Koina hauts kriat – schenk du mir die Liab!“ Dreien hat es gehört, jede hat es gewollt – keine hat es bekommen, schenk du mir die Lieb’. Man sagt, bei Nacht höre man am Weißensee ein wildes Rufen, ein „hau! hau!“, während sich die Baumwipfel unruhig bewegen. So trägt jeder Ort seine Geschichten – und wer sie kennt, geht anders über seine Pfade. Ein Wermutstropfen bleibt: Am Ostufer verläuft eine große Stromleitung in Richtung Vils, deren Knistern und Knacken deutlich hörbar ist. Zudem begleitet die B310 das Nordufer. Es empfiehlt sich, zügig weiterzuziehen.

Dienstag, 23. April 2024

Kartoffeltorte - mit Pellkartoffeln vom Vortag. Saftig und lecker.

Das Geburtstagskind wünschte sie sich – und sie war wirklich köstlich.

Zutaten (für eine mittelgroße Springform)

  • 300 g gekochte Pellkartoffeln (vom Vortag)
  • 100 g Dinkelmehl (oder Vollkornmehl)
  • 5 TL Backpulver
  • 50 g Butter (zimmerwarm)
  • 100 g Rohrzucker
  • 3 Eier (getrennt)
  • 100 g gemahlene Haselnüsse
  • 1 Prise Salz
  • 2 geriebene Bittermandeln
  • etwas Zitronenschale (abgerieben)

Für die Füllung und Dekoration

  • 200 g gehackte Haselnüsse
  • 1 Tafel Vollmilchschokolade
  • 1 Tafel Zartbitterschokolade
  • Pflaumenmus

Zubereitung

Pellkartoffeln schälen, durch die Presse drücken und über Nacht abkühlen lassen.

Am nächsten Tag Mehl und Backpulver sieben. Mit den Kartoffeln vermengen. Gemahlene Haselnüsse, Zucker, Salz, Butter und Eigelbe zugeben und gut verrühren, bis der Teig geschmeidig wird.

Eiweiß steif schlagen und vorsichtig unterheben. Teig in eine Springform füllen und etwa 40 Minuten bei mittlerer Hitze backen.

Währenddessen die gehackten Haselnüsse trocken anrösten.

Kuchen abkühlen lassen, nach Wunsch halbieren und großzügig mit Pflaumenmus füllen. Oberseite ebenfalls mit Pflaumenmus bestreichen.

Schokolade schmelzen und die Torte damit überziehen. Ränder und Oberfläche mit den gerösteten Haselnüssen verzieren.

Zusätzlich

Aus restlichem Schokoladenguss und Haselnüssen eine weiche Masse herstellen, in Pralinenformen füllen und fest werden lassen.

Vor dem Servieren Sahnerosetten auf die Torte setzen und die Pralinen darauf platzieren.

Video

Guten Hunger.

Montag, 8. April 2024

In Teufelsküche-Frühlingsspaziergang bei Obergünzburg

Inmitten der malerischen Landschaft, zwischen Obergünzburg und Ronsberg, nur einen Katzensprung vom Parkplatz gegenüber der Abfahrt nach Liebenthann, auf halber Strecke zwischen den Orten, befindet sich eine geologische Sehenswürdigkeit - die sagenumwobene Teufelsküche. Man erreicht sie nach einem kurzen holprigen Fußweg (nicht Kinderwagentauglich!).

Die Örtlichkeit besteht aus einem bizarrem Ensemble bald haushoher, bald mittlerer und kleinerer Blöcke, die während der Mindelkaltzeit vor ca. 475.000 bis 370.000 Jahren durch den Illergletscher geformt wurden. Sie sind wild übereinander gestapelt, daher sind sie mit unzähligen Spalten, Durchgängen, Rissen und Höhlen durchsetzt. Die umliegenden steilen Wände bestehen aus Nagelfluh, einem Konglomerat aus Schotterablagerungen, welches typisch für diese Region ist. Es sieht aus als wären unzählige Kieselsteine, große und kleine Brocken miteinander durch gewalkt und fest zusammen gepappt. Dieses Gestein wurde auch zum Bauen verwendet und wird im Volksmund Herrgottsbeton genannten Gestein. In der Teufelsküche lösten sich also, lösten sich in der Nacheiszeit unterschiedlich große Blöcken aus der darüberliegenden steil aufragenden Abbruchkante und glitten auf dem rutschigen Untergrund talwärts.

Der Wald in der Umgebung zeichnet sich durch eine hohe Artenvielfalt aus, alle charakteristischen Baumarten des Alpenvorlandes sind hier zu finden: Buche, Esche, Bergahorn, Bergulme, Fichte, Weißtanne, Kiefer und Eibe. Bei unserer Wanderung fanden wir u. a. Buschwindröschen, Schlüsselblumen, Leberblümchen, Lerchensporn, Alpenpestwurz, Hirschzungen und sogar eine Morchel.
Eine Wanderung durch diesen Wald punktet mit sowohl geologischen als auch botanischen Höhepunkten. Friedliche Waldesruhe freilich - wie das Paar, dessen Geschichte auf einem Schild gedichtlich verewigt ist - wird man hier nicht haben, denn der Ort ist gut frequentiert.

"Als hier vor vielen hundert Jahren
Manch wild Getier und Bären waren
Erkor ein Mann als sichren Hort
Für Frau und Kind sich diesen Ort
Weil er gekannt noch nicht das Haus
Grub er sich eine Höhle aus
Sie lebten gut in jenen Tagen
Mit Pfeil und Bogen ging er jagen
Viel junges Wild und frische Fische
Gab es in seiner Teufelsküche
Des Nachts wenns kalt und sternenhell
Sie wärmten sich am Bärenfell
So lebten sie hier viele Jahre
Gesund und ohne Müh und Plage
Zum trinken gab es Beerenwein
Und so schlich sich das Unheil ein
Der blauen Kirschen giftger Saft
Hat Weib und Kind dahingerafft
Bevor das Gift auch ihn zernagte
Er bitterböse Worte sagte
Dem so berichtet die Legende
War der "Teufelsküche" Ende.
"