Samstag, 11. April 2020

Buchkind 3: Surrogate – Natürlicher Kaffee-Ersatz (und viel mehr

Quelle Freya Verlag

In der Tradition unserer Vorfahren war das Wissen um Ersatzkaffees kein Notbehelf, sondern eine hochspezialisierte Fertigkeit, die tief in der heimischen Botanik wurzelt. Dieses Buch führt dieses Wissen zurück in die Praxis – weg von der industriellen Massenware, hin zur eigenhändigen Veredelung dessen, was Wald, Flur und Garten uns schenken.

Es geht um die Alchemie des Röstens. Ich zeige Ihnen, wie man durch Hitze und Zeit die chemischen Prozesse in Wurzeln, Kernen und Samen so steuert, dass tiefgründige Aromen und gesundheitlich wertvolle Inhaltsstoffe freigesetzt werden. Wir betrachten die Pflanze nicht als bloßen „Ersatz“, sondern als eigenständigen Rohstoff, dessen Potential wir durch pharmazeutisches Verständnis und handwerkliche Präzision voll ausschöpfen. Es ist eine Anleitung zum Verstehen – damit Sie nie wieder auf Versprechen angewiesen sind, sondern die Qualität in Ihrer Tasse selbst gewinnen.


Das detaillierte Inhaltsverzeichnis: Pflanzen & Handwerk

WURZELN, NÜSSE & WALDOBST, GETREIDE & HÜLSENFRÜCHTE

Das Rösthandwerk


• Geschichte & Brauchtum


• Die Chemie des Röstvorgangs (Zeit/Temperatur)


• Vom Mahlen bis zum Aufbewahren


• Brautechniken & Wasserqualität


• Veredelung mit Naturgewürzen

Die Fülle der Bäume & Sträucher


Apfel & Birne: Röstung, Apfelkraut & Molke-Getränk


Hagebutte: Kernlestee & die Kunst der Kern-Röstung


Wacholder: Kur nach Kneipp & Beeren-Aroma


Feige: Röstung, Frucht-Senf & Tee-Mischungen


Eberesche: Gelee, Marmelade & Wald-Rosinen


Nadelbäume: Fichten- & Tannen-Wipfelsirup, Nadelgeist & Zapfenbalsam

Wurzelkraft & Knollen


Wegwarte (Zichorie): Extrakt & Röstung


Löwenzahn: Die Kraft der Pfahlwurzel


Bibernelle: Tinktur, Wein & Wurzelröstung


Erdmandel: Röstung & Erdmandelmilch


Zuckerwurzel: Röstung & feiner Sirup


Vielfalt: Bocksbart • Quecke • Pastinake • Petersilie • Natternwurzel • Karotten-Sirup • Steckrübe

Samen, Kerne & Feldfrüchte


Lupine: Das Gold der heimischen Röstkunst


Eichel: Vorbereitung, Entbittern & Röstung


Buchecker: Röstung, Buchenessig & Likör


Besonderheiten: Wasserschwertlilie • Dattelkern • Weintraubenkern • Spargelsamen • Robinie • Kirsch- & Pflaumenkerne (Amaretto-Aroma) • Rosskastanie • Sonnenblumenkern-Milch • Kornelkirsche

Heilsames aus der Naturapotheke


Fichte & Tanne: Harzsalbe & Baumharzöl


Holunder: Blütenhonig & Elixiere


Johannisbeere: Samen-Röstung, Essig & Wein


Linde: Samen-Verarbeitung

Getreide & Hülsenfrüchte


Urgetreide: Dinkel, Einkorn, Emmer, Kamut


Braukunst: Gerstenmalz, Roggen-Kwass & Hafermilch


Mais-Vielfalt: Limonade, Sirup, Bier & Kolbenmilch


Hülsenfrüchte: Kaffeewicke, Kichererbse, Felderbse, 
Linse, Gartenbohne & Saubohne


Der Weg zur Selbstbestimmung

Dieses Buch fordert Aufmerksamkeit und den Willen zum Verstehen. Es ist eine Anleitung, die Kontrolle über das, was wir zu uns nehmen, zurückzugewinnen. Auf diesem Blog finden Sie die fachliche Vertiefung und die Verzeichnisse, die Sie auf dem Weg zur Ur-Substanz begleiten – klar, bewusst und ohne Kompromisse.

Montag, 2. März 2020

Desinfektionsmittel selbst gemacht mit ätherischen Ölen: Raumspray, Duftmischung, Desinfektion


Geht Euch auch der ganz Zirkus auch auf die Nerven rund um Desinfektion und Corona? Der Ansturm auf Desinfektionsmittel hält unvermindert an wie leere Regale in Supermärkten und Drogerien zeigen. Nach dem Motto viel hilft viel übertreibt es die eine Hälfte und die Andere ist derartig arrogant und dämlich, anders kann man es nicht mehr bezeichnen. Beispiel gefällig: So geschehen beim Metzger. Da steht eine Person mit einer Grippe und hustet und niest und stellt dann noch fest, dass man ja nichts weiter habe. Dabei glüht der Kopf, der Husten hört sich schlimm an, Nase läuft... Das vielleicht irgendjemand mit ansteht, der gerade ein angeschlagenes Immunsystem hat, vielleicht eben genesen ist, eine schwerwiegende Krankheit mit sich herum schleppt, eine Chemo hatte, oder irgendwer ist schwanger und braucht gewiss keine Erkältung, auch das kleine Würmerl, was im Wagen liegt nicht... Sowas fällt diesen arroganten Menschen überhaupt nicht ein. Glasklar, manchmal geht es nicht anders. Aber wenn: Warum bleiben die nicht einfach zu Hause und schicken jemand zum Einkaufen? Besagte Person hatte ihr jugendliches Kind dabei, dass durchaus in der Lage gewesen wären mit Zettel und Geld zum Metzger zu laufen. Zu allem Überfluss muss man sich dann noch über die Menschen lustig machen, den das Ganze vielleicht doch ein wenig ernster sehen (müssen). Was ist nur aus gegenseitiger Rücksichtnahme geworden? Also darüber könnte ich mich wirklich aufregen, jedes Jahr, nicht nur wenn man mal gezwungen ist öffentliche Toiletten zu benutzen. Wäre schon mal gut würde wenigstens neben dem Wasserhahn auch mal ein Stück Seife liegen. Und wie manche Toiletten hinterlassen - pfui Teufel sage ich da bloß, für manche Menschen ist sogar ein Grundmaß an Hygiene ein Unding. 

Dabei müsste man gar nicht mit der chemischen Keule draufhauen und gleich gar nicht sich ängstigen, wenn es mal mit dem Einkaufen nicht so klappt. Die Natur gibt uns hochwirksame Mittel in die Hand, eins davon sind ätherische Öle welche ein absolut zuverlässiges Wirkspektrum aufweisen. Für die Flächendesinfektion kommen folgende ätherische Öle in Frage: 
  • Bergamotte, Myrte, Salbei, Wacholder, Zimt, Lavendel, Teebaum, Cajeput, Niaouli und Zimtrinde. 
Und für die Desinfektion der Luft: 
  • Lavendel, Zitrone, Eukalyptus Globulus, Lemongras, Nelke, Latschenkiefer und Thymian rot. Wobei Nelke Thymian und Zimtrinde als stark keimtötend gelten. 
Angewendet werden diese Öle als sogenannte Trockeninhalation oder als Spray. Dazu zwei bis drei Tropfen einer Duftmischung oder das Öl pur auf ein Taschentuch geben, tief einatmen. Auch ein um den Hals geschlungenes Tuch kann als Träger fungieren. Eine formschöne Möglichkeit ist die Anwendung in einer Duftlampe, die ist in vielen Variationen mit Kerzenbetrieb oder auch elektrisch gibt. Die Dosierung ist abhängig von der Raumgröße. Pro 30 qm benötigt man vier bis zehn Tropfen je nach Duftintensität. 

Falls ihr euer Büro beduften wollt: bitte fragt eure Arbeitskollegen - nicht jeder verträgt es und manch eine ist vielleicht schwanger, Diabetiker, Epileptiker oder sonst irgendwas - bitte vorher miteinander absprechen. Es handelt sich hier um hoch komplexe Mittel, deren Wirkung auch in Verdünnung erstaunlich ist. Teebaum z. B. wirkt 1:200 verdünnt immer noch gegen Streptokokken, die Halsentzündungen hervorrufen, oder in 1:28000 gegen Gonokokkus Bakterium, welche Gonorrhoe hervorruft. Oder Thymian, dieser wirkt in einer Verdünnung von 1: 2000 immer noch gegen E-Coli Bakterien, Nelkenknospen 1:6.000 verdünnt gegen Tuberkulosebakterien und Zimt in einer Verdünnung von 1:300 gegen Typhus. Eine Studie aus den 1970er Jahren erforsche Zitronengrasöl. Dieses ist genauso wirksam ist wie Penicillin, darüber hinaus es ist wesentlich wirksamer als Streptomycin (Antibiotikum). So ist es nicht verwunderlich, dass das Zitronengrasöl  zur Wunddesinfektion benutzt wurde. Die ätherischen Öle sind so hoch wirksam das ist ein Frevel wäre sich ihre nicht zu bedienen. Sie sind selbstverständlich immer mit der nötigen Sorgfalt und Vorsicht anzuwenden, Arzt, Apotheker und Aromatherapeuten geben Auskunft. Vorsicht bei Vorerkrankungen, Schwangerschaften. Dossierungen unbedingt beachten, insbesondere bei Babys und kleinen Kindern. Nochmal: Bitte informiert Euch bevor ihr ein Öl anwendet ganz genau.

Eine Duftmischung für die Desinfektion der Raumluft

Für ein kleines Fläschchen: je 10 Tropfen Eukalyptus, 10 Tropfen Wacholder, 60 Tropfen Lavendel (wer Lavendel nicht mag den Bergamotte). Wenn es noch stärker sein soll: dann jeweils 40 Tropfen von Zimt, Bergamotte und Ysop in ein kleines Fläschchen geben.

Für ein Raumspray:

250 ml Wodka oder Korn als Träger in eine Sprühflasche geben. Dazu 150 Tropfen ätherische Öle – gerne in Kombination. Favorisieren würde ich Zitrone, alle Nadelbäume, Thymian, Eukalyptus… Zuschrauben, gut schütteln – auch vor jeder Anwendung, beschriften nicht vergessen! Alle paar Stunden einen Sprühstoß in die Luft geben – das genügt vollkommen. Mehr ist nicht notwendig. Eine kleine Flasche (Nasenspraygröße) passt auch in die Jackentasche für die duftige Desinfektion der Hände unterwegs.


An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal auf das Öl der vier Diebe hinweisen. Es ist auch die Rezeptur eines antiseptischen Essigs überliefert, welcher als vorbeugendes Mittel gegen ansteckende Krankheiten ist. Von diesem Essig wird (ebenso (wie vom Öl der vier Diebe / Thievesöl) berichtet, dass er von Leichenfledderern in den 1630er Jahren während der Pestepidemie benutzt wurde. Um den Feuertod zu entgehen verrieten die Delinquenten das Rezept. Der Essig wird mittels Extraktion der Pflanzen durchgeführt. Angeblich war dieser aus Wermut, Mädesüß, Wacholderbeeren, wildem Majoran, Salbei, Gewürznelken, Alantwurzel, Engelwurz, Rosmarin, Andorn und Kampfer zusammengesetzt. Damit Hände und Gesicht einreiben oder verdunsten lassen.

Nach Jan Valnet: 
1250g weißer Essig in ein weithalsiges Gefäß schütten. Dazu: je 2,5g Knoblauch, Zimt, Muskatnuss, Gewürznelken, je 20g Lavendel, Raute, Pfefferminze, Salbei, Thymian, Rosmarin, kleiner und großer Wermut. Die Kräuter für 14 Tage abgedeckt ziehen lassen, anschließend abgießen, filtrieren und die Kräuter ausdrücken. Den Essig in eine Flasche füllen, beschriften nicht vergessen. Nun noch 5g Kampfer in 20g Essigsäure auflösen und hinzugeben.

Bleibt wachsam, munter und gesund. 
Liebe Grüße
Landi

Freitag, 28. Februar 2020

Der Feind ist eingedrungen, vor dem uns lang gegraut ... Von Knoblauch, Kampfer, Pfeffer, Pestwurz, Salbei, Lavendel, Rosmarin, Zwiebeln, Johanniskraut, Pimpinella

Seuchen gab und gibt es immer wieder, das haben wir schon im Geschichtsunterricht gelernt. Der Mensch wusste schon früh Seuchen für sich zu nutzen und gezielt hervorzurufen. Bei der Belagerung der Burg Karlstein im 15. Jhdt. - so schreibt der Chronist Hayek - sollen um die 1800 Behälter mit Exkrementen und auch Leichen mittels Katapult in die Befestigungsanlage gefeuert worden sein. Von anderen Belagerungen wird ähnliches berichtet. Traten Seuchen unabhängig von Kriegen auf so waren die Auslöser Einschleppung (durch Wanderungen, Handel), befeuert wir das Szenario durch Hunger, Mangelernährung, unzureichende Hygiene. Doch wie gingen die Völker mit solchen Ereignissen um? Leben Menschen in Einklang mit ihrer Umgebung so lernen sie durch Beobachtung, sich anzupassen, das Vorhandene effektiv zu nutzen unter dem Gesichtspunkt des Erhalts und der Mehrung. Das erworbene Wissen (auch das in der
Erbsubstanz der „Herde“ verankerte) wird über Generationen weitergegeben. In Ermangelung wissenschaftlicher Untersuchungsmethoden war zu früheren Zeiten die Krankheit entweder eine Strafe für Fehlverhalten oder das Werk böser Geister, die den Körper des Erkrankten heimsuchten, ihn besetzten. Zur Wiederherstellung der Gesundheit behalf man sich man sich mit allerhand Kräutern, Tränken und Gebräuen. Unsere Vorfahren beherrsch(t)en eine Medizin die sowohl den mythologischen, magischen als auch den naturheilkundlichen Bereich umfasst(e). Allein mit Erstarken der christliche Mythologie und ihrer Gottergebenheit, nach der alles Leiden und selbstverständlich auch die darauffolgende Genesung von Gott kommt, wurde vielfach die Behandlung und die Linderung der Leiden verboten, statt dessen im Gebet Heilung gesucht, was ein hohes Maß an Duldungsfähigkeit und festem Glauben erforderte. Trat eine Krankheit blitzartig und völlig unvorhersehbar auf, so war die logische Erklärung das hier übernatürliche, bösartige Kräfte am Werk waren, Dämonen, der Satan selber und / oder seine Werkzeuge - Hexen und Ketzer. Es wussten sich wenigstes Teile der Bevölkerung auf die ein oder andere Weise zu helfen, einiges ist überliefert, viel zu viel im Nebel der Geschichte und im Rauch der Inquisitionsfeuer verloren gegangen.

Selbstverständlich lernten die Menschen mit dem Auftreten der Seuchen auch ein wenig das Wesen derselben kennen, sie lernten durch Beobachtung und versuchten entsprechende Abwehrmaßregeln zu installieren. Zu den primitivsten und gleichzeitig zweckmäßigsten Mitteln zählen nun mal die einfachste Hygiene und die Separierung der Kranken von den Gesunden, sowie die schnellstmöglich Beseitigung der sterblichen Überreste. Das Entfernen der Kranken aus der Gemeinschaft, ihre vollständige Isolierung, davon berichten Chronisten ebenso wie die Bibel z. B. von Aussätzigen, die in eigens zugewiesenen Gebieten zu leben hatten, bis das Schicksal sie ereilte. Eine weitere Maßnahme war die Absperrung der Ortschaften nach außen, eine Grenzsperre, die sowohl den bösen Geist als auch bereits Erkrankten am Betreten des Dorfes hindern sollte. Sichtbare Zeichen am Wege warnten vorm Weitergehen. An solchen Grenzsperren wurden auch Opfergaben hinterlegt, um die Krankheitsgeister gnädig zu stimmen. So ist von den Tungusen und Burjäten bekannt, dass sie beim Ausbruch von Pockenepidemien Milch, Tee und Fleischspeisen vor ihre Jurten stellten, um so die Krankheit dazu zu bewegen ihre Wohnung zu verschonen. Von den Winnebagoindianer weiß man, dass Hunde sowohl als Opfertier als auch zur Nahrungsgewinnung genutzt wurden. Zum ersten Zweck wurden die Tiere in der Nähe des Dorfes an Bäumen aufgehängt oder Pfähle damit bestückt. Auch Hühner und anderes Getier wurde geopfert, auch in Europa, stets verbunden mit der Bitte diesen Ort zu verschonen. Um
die Bitte nachhaltig zu unterstreichen, auch um eine abschreckende Wirkung zu erzielen, standen den Opfergaben figürliche, oft bewaffnete Mitstreiter bei, an deren Verwendung sich fast nahtlos Magie und Zauberei anschloss. Mit dieser wichtigen Aufgabe war meist ein heilkundlich bewanderter Mitbewohner nebst seinen Gehilfen des betreffenden Siedlungsgebietes betraut. Dabei bediente man sich allerhand geweihter Gerätschaften und einem festgelegten Zeremoniell. Krankheiten wie Typhus, Fleckfieber, Malaria, Gelbfieber, Pest und Cholera mach(t)en den Menschen nicht nur in Europa immer wieder zu schaffen. Die Pest vermochte ein ganzes Gesellschaftssystem in seinen Grundfesten zu erschüttern, alte Regeln und Dogmen hinweg zu fegen und damit Platz zu schaffen für die Weiterentwicklung und Neuausrichtung des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Mit dem Auftreten von Epidemien ging also auch immer die Erneuerung des Denkens einher, verbunden mit einer Rückbesinnung und, je nach Schwere des Ausbruchs - die Suche nach einer höheren Macht, in deren Hände man seinen Geist und Schicksal, Ach und Weh befehlen konnte. Doch fußte die Hoffnung der Menschen nicht nur auf Gottvertrauen, sondern auch wie gesagt auf allerlei pflanzlichen, tierischen oder magischen Mitteln. Dabei war man durchaus sehr erfinderisch. An den an Cholera Erkrankten z.B. wurden Essigwaschungen durchgeführt, in welchem Knoblauch zerstoßen war, zur Vorbeugung empfahl sich das Räuchern mit Wacholderbeeren. Selbstverständlich der Verzehr von Knoblauch und anderen stark riechenden Pflanzen. Allerhand Kräuter wurden beim Auftreten von Seuchen

angewandt, Knoblauch, Kampfer, Pfeffer, Pestwurz, Salbei, Lavendel, Rosmarin, Zwiebeln, Johanniskraut, oder Pimpinella sind einige davon. Beim Auftreten der Seuche kündet immer irgend etwas das bevorstehende Unheil an, das kann ein Wetterphänomen, ein kosmisches Ereignes und der Gleichen mehr sein. Der Volksmund berichtet vor Ausbruch der Cholera von Sichtungen eines dürren, abgezehrten, weinenden Weibes, welches nur mit einem Hemd bekleidet, an dem Ort erschien, an denen die Seuche schließlich ausbrach. Nun suchte man sich mit allen zu Verfügung stehenden Mitteln im Vorfeld gegen die Krankheit zu wappnen. Doch wo geht der Kelch vorüber und wen rafft die Seuche dahin? Keiner weiß es und keiner kann es vorhersagen. Überliefert ist die Mähr einer Gasse in einer Stadt, in der die Wäscherinnen und Gerber ansässig waren. In dieser Gasse gab es nicht einen Erkrankten und nicht einen Toten. Ob nun der abscheuliche Gestank - und jeder der schon einmal an einem Gerberbottich unfreiwillig gerochen hat weiß was ich meine - dazu beigetragen hat oder ob einfach die Leute in besagter Gasse wegen des ständigen Kontaktes mit Keimen eine sehr gute Immunabwehr  besaßen - wer weiß es schon. Aber überliefert ist der Brauch altes Lederzeug beim Auftreten einer Seuche zu verbrennen. Überliefert ist auch das "Öl der vier Diebe", mit dem eine Diebesbande der Pest getrotzt haben soll. Bei allem Schrecken für die Betroffenen, solche Ereignissen haben immer einen sehr großen Einfluss auf Kunst und Kultur, stellvertretend sei hier das Gedicht "Worte des Trostes beim Ausbruch der Cholera - Simrock" Leipzig 1844, aufgeführt:

Der Feind ist eingedrungen,
Vor dem uns lang gegraut,
Noch starrt auf allem Zungen,
Der Schreckenskunde Laut;
Ihn wehrten keine Schranken, 
Kein Heer gebot ihm Halt, 
Frei schritt er, gleich Gedanken, 
Durch dichter Lanzen Wald...
Wirst du dir einst im Herzen
Bewusst der Gotteskraft,
Die siegreich über Schmerzen
Im Glücke nur erschlafft,
Und kannst du sie erwecken, 
Gewiss, dann stirbst du nicht:
Dem Tod und seinen Schrecken
Lachst du ins Angesicht.
Was ringst du deine Hände
Und lässt sie müßig ruhn?
Es ist an manchen Ende
Gar viel für dich zu tun;
Du sollst die Furcht ertöten
Und anderen Mut verleihen,
Ein Helfer in den Nöten
Sollst du den Brüdern sein.
Willst du dich selber retten,
So lindere fremde Not
Und lern an Krankenbetten
Zu ringen mit dem Tod;
Wo Lieb' und Treue rufen,
Da fürchte dich kein Haar:
Du bringst an Altarsstufen
Kein frommer Opfer dar.


Nun denn, bleibt alle gesund und munter. Legt Euch ein paar Vorräte an, dann müsst ihr nicht raus wenn ihr einmal krank seid.