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Mittwoch, 31. August 2022

Koporye-Tee / Ivan-Tee / Iwan Chai / Russischer Tee / Weidenrösschen-Tee

Wie immer gilt: Anwendung in eigener Verantwortung, nach Rücksprache mit Arzt und Apotheker. Alle Angaben dienen lediglich zur Information und stellen keine Beratung dar.

Es summt um und um an den hoch aufstrebenden Pflanzen mit den hübschen rosa Blüten aus der
Familie der Nachtschattengewächse. Ich hatte sie schon oft gesehen, aber nie besonders beachtet. Diesen Sommer aber riefen sie mich. Sie sind überall zu finden: an Feld-, Wiesen-, Weg- und Waldrändern, auf sonnigen und offenen Flächen. Auf schweren lehmigen Böden, wo es feucht und sauer ist erscheint es nicht. Die mehrjährige, krautige, lichtliebende Staude kann eine Höhe von zwei Metern erreichen. Ihre Blätter sind schmal, lang und ähneln Weidenblättern. Längliche lockere Blütenstände sind in 10-45 Zentimeter langen Bürsten konzentriert. Jede Blüte hat vier lila bis dunkelrosa Blütenblätter, sie blühen von Juli bis September, während dieser ganzen Zeit können Blätter und Blüten zum Trocknen gesammelt werden. Sobald das Aussamen beginnt, sich also anstelle von Blüten Flusen (mit denen man in Russland Kissen und Matratzen gestopft hat) bilden, ist die Ernte vorüber. Das getrocknete Kraut wurde früher den Strohmatratzen beibefügt mit dem klangvollen Namen „Mariabettstroh“, immer in einerMischung mit anderen Kräutern um den Geburtsvorgang zu erleichtern. Das Weidenröschen zeichnet sich durch seine besondere Widerstandsfähigkeit aus. Es gehört zu den Pionierpflanzen, wächst als eines der Ersten nach einem Brand. Vielleicht wird es deshalb im Volksmund Feuerstaude genannt. In nur wenigen meiner alten Kräuterbücher ist die Pflanze beschrieben, eher lieblos bezeichnet Palow sie sogar als überbewertet. Hahnemanns Apothekerlexikon nennt sie Schmalblattunholdenkraut.

„… Schmalblattunholdenkraut, Epilobium angustifolium, L. [Flor. dan. tab. 280] mit geneigten Staubfäden, abstehenden, gleichbreiten, lanzetförmigen Blättern, und ungleichen Blumen, ein auf fünf Fuß hohes Kraut mit perennirender Wurzel auf dürren, harten Wasserufern im Gebüsche, wo es im July blaue Blumen trägt.

Die Alten glaubten, die etwas schleimicht adstringirend schmeckenden Blätter (Fol. Lysimachiae Chamaenerii) für wundheilend halten zu dürfen; vermuthlich haben sie aber ganz andre Kräfte, da die Russen sich mit dem Aufgusse zu berauschen pflegen. Die Wurzelkeime sollen hie und da in den nördlichen Gegenden gegessen werden, vermuthlich gekocht oder mit Essig zu Sallat, wo sie in beiden Fällen unschädlich werden können. Die Samenwolle dient zum Gespinste …“ (Anm. Früher wurden aus dem gesponnenen Flaum Tücher gestrickt und aus den Fasern Seile hergestellt.) Quelle: Hahnemanns Apothekerlexikon

In einer alten Sammlung des Reichsnährstandes schließlich stand ein vager Hinweis auf die mögliche Fermentation und die anschließende Verwendung der Blätter als Ersatz des chinesischen Tees. Bei weiteren Recherchen stieß ich auf einige Legenden rund um dieses Getränk. Was nun davon wahr ist, ob der Export des „Ivan-Tschai“ nach Europa vor der Gründung der East India Tee Company wirklich in dem behaupteten sehr großen Umfange erfolgte und mit der Verbringung, der schließlichen Vergünstigung des echten Chinesischen Tees zum Erliegen kam, oder ob die Auswirkungen der bolschewistischen Revolution von 1917 ihn in Vergessenheit geraten lies – es muss etwas dran sein, denn die Schwiegertochter Ludwigs XIV. soll 1720 an einen ihrer Bekannten geschrieben haben:

Der Geschmack von asiatischem Tee ähnelt Heu mit Mist. Gott, wie kannst du solche Bitterkeit trinken! Hoch den Kräutertee aus Russland!“

Sicher belegt jedenfalls ist, dass im 18. Jhd. in dem Ort Koporje, ca. 100 km südwestlich von Sankt Petersburg, mit der Produktion im größeren Stil von Koporje-Tee begonnen wurde. Das ist nicht verwunderlich, wie in Studien nachgewiesen sind die dem Tee nachgesagte Eigenschaften durchaus zutreffend.

Er wirkt immunstärkend durch polyphenolhaltigen Inhaltsstoffe wie Oenothein B. Er ist koffeinfrei, enthält keine Purine oder Oxalsäuren, somit wirkt er ausgleichend auf das Nervensystem und ist nicht säurebildend. Ivan-Tschai wurde in der Volksheilkunde bei (chronisch)entzündlichen Erkrankungen des Darms und der Blase eingesetzt. Hier ist der Inhaltsstoff Myricetin der Gameplayer. In klinischen Tests erwies sich Myricetin-3-O-glucuronid 500-mal stärker entzündungshemmend als das schulmedizische Mittel „Indometacin“). Die in geringen Mengen enthaltenen Alkaloide wirken positiv auf Stoffwechsel, Durchblutung sowie Nerven- und Harnsystem. Die Pflanze enthält neben Eisen, Kupfer, Mangan, Bor, Titan, Kalium, Magnesium, Calcium auch Vitamin A, B6 und C. (Quelle: (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/?term=Epilobium+angustifolium)

Weidenröschen wirkt:

  • allgemein stärkend auf den Körper;
  • normalisiert die Funktion des Verdauungstraktes;
  • hilft bei Schlaflosigkeit Diabetes, niedrigem Blutdruck, Pankreatitis;
  • wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System aus;
  • lindert die Schwere der Symptome bestimmter dermatologischer Erkrankungen, sogar auf Dekubitus und sonstigen schlecht heilenden, eiternden Wunden bringt das Kraut Linderung.
  • Es ist wirksam bei Gastritis, Colitis und Geschwüren; erhöht Hämoglobinwerte und reguliert sein Gleichgewicht;
  • hilft, die Psyche zu stabilisieren; steigert die Leistungsfähigkeit, verbessert die Stimmung und erfrischt.
  • Bei einer beginnenden Erkältung hilft der Tee ebenfalls wegen seiner stärkenden Wirkung auf das Immunsystem.
  • Der Aufguss steigert die Manneskraft durch die enthaltenen Sterole und Gerbstoffe, diese regeln die Testosteronbildung und bringen dadurch den Hormonhaushalt in sein natürliches Gleichgewicht. Somit ist das Schmalblättrige Weidenröschen bei der Behandlung von Prostataleiden indiziert.
  • Die Symptomatik der vergrößerten Prostata wie Brennen beim Wasserlassen, Gefühl der nicht entleerten Blase und Schwierigkeiten beim Urinieren wird reduziert. Auch Frauen profitieren von der entzündungshemmenden, krampflösenden und harntreibenden Wirkung ebenso – insbesondere bei urologischen Erkrankungen wie Blasenentzündungen.

Es konnten nachgewiesen werden, dass das Kraut einen spektakulären Einfluss auf Krebserkrankungen hat. Der Auszug des Schmalblättrigen Weidenröschens enthält Chancerol bzw. Chanerozan, welches für zu einer gesteigerten Apoptose (kontrollierter, gesteuerter "Zellselbstmord“) der Krebszellen führt. Hierfür ist der Antitumorstoff Hanerol, der in den Blüten der Pflanze gefunden wurde mit verantwortlich.

Die russische Volksheilkunde wendet das Weidenröschen außerdem bei Hautkrankheiten, Geschwüren und Furunkeln an. Hierfür wird der Sud als Auflage oder Wickel angewendet bzw. dem Badewasser beigegeben.  Der Iwan-Tee mit seinen erstaunlichen Heilkräften ist ein traditionelles Getränk und Bestandteil schamanischer Räuchermischungen, dessen Kräfte so vielfältig sind, dass es sich lohnt ihn selbst herzustellen. Es wird ihm sogar nachgesagt, dass es die Laktation bei stillenden Frauen normalisiert. Tibetische Ärzte empfehlen den Tee bei Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit. Das Getränk ist eine Quelle für Mineralien, Vitamine, Alkaloide, Flavonoide.

 Für die Zubereitung eines Aufgusses aus dem Kraut sind 1-2 Teelöffel für 1 Tasse mit sprudelnd kochendem Wasser zu übergießen und 5-10 Minuten ziehen zu lassen. Wie bei allen Kräuteraufgüssen sollte man mit der Anwendung nach zwei Wochen pausieren, damit kein Durchfall auftritt.

Die tibetische und die traditionelle russische Medizin schlägt die Einnahme des getrockneten und gepulverten Weidenröschens 3x tägl. 0,5 g in einem Glas Wasser zu den Mahlzeiten - wahrscheinlich in Anlehnung an einen genialen Arzt und Heiler. Sein Name ist mit dem Weidenröschen eng verknüpft: der Burjate Pyotr Aleksandrovich Badmaev (geb. 1851, gest. 1920 /1923 Пётр Александрович Бадмаев). Er war Wundarzt und führender Experte auf dem Gebiet tibetischen Medizin und Kräuterheilkunde, der Ende der fünfziger Jahre in St. Petersburg eine Heilkräuterapotheke eröffnete. Er übersetzte den wichtigsten Leitfaden zur medizinischen Wissenschaft Tibets, „Jud-Shi“. Badmaev war von 1875 bis zu seinem Lebensende sehr erfolgreich in seiner medizinischen Praxis tätig, seine Heilkünste waren sogar im Winterpalais gefragt. Wie aus den Briefen der Zarin Alexandra Fjodorowna hervorgeht soll Badmaevs Heilpulver auf der Basis des Weidenröschens dem Zarewitsch Alexei Nikolajewitsch Romanow, welcher an der Bluterkrankheit litt, dem Hofgemunkel nach, Linderung verschafft haben. (Quelle: Buch: Die letzte Zarin, ihre Briefe an Nikolaus II. und ihre Tagebuchblätter von 1914 bis zur Ermordung). Das Rezept für besagtes Heilpulver nahm Badmaev mit ins Grab, was nicht verwunderlich ist, den die Bolschewiki gingen mit dem betagten Arzt wenig zimperlich um (Quelle: http://www.hrono.ru/biograf/bio_b/badmaev.php). Sie holten ihn wieder und wieder zum Verhör und hielten ihn in Haft. Schließlich soll man ihn sogar auf einer Trage liegend inhaftiert haben.

Zusammensetzung

Die höchste Konzentration an Nährstoffen findet sich in den Blättern der Pflanze. Die Pflanze enthält:

  • Ballaststoffe - helfen, unverdaute Speisereste aus dem Körper zu entfernen, verbessern die Funktion des Verdauungstraktes,
  • Calzium - erhält den Knochenzustand aufrecht;
  • Carotin - beteiligt an der Bildung von Vitamin A im Körper;
  • Cumarine - wirken beruhigend;
  • Schleimstoffe / Zucker - füllt die Energiereserven des Körpers auf
  • Proteine – enthält Dutzende von Aminosäuren, einschließlich Essentieller;
  • Tannine (Gerbstoffe) - entgiftend und entzündungshemmend; reinigend, kann Durchfall stoppen und wirkt sich positiv auf den Verdauungstrakt
  • Vitamin C - stärkt das Immunsystem;
  • Flavonoide - verhindern das Altern und das Auftreten von Gefäßerkrankungen;
  • Phytosterole - besonders nützlich, um das Herz und das Fortpflanzungssystem gesund zu erhalten;
  • Eisen - beeinflusst die Menge an Hämoglobin im Blut;
  • Kalium – wichtig für die Herzfunktion;
  • Natrium - trägt dazu bei, den Körper im Ionengleichgewicht zu halten.
  • Histidin - stimuliert die Bildung von Enzymen und die Gewebereparatur, geeignet für Menschen mit Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts;
  • Asparaginsäure – für die normale Funktion des Zentralnervensystems und die Aufnahme von Mineralien;
  • Trethionin – unterstützt das Herz-Kreislauf- und Immunsystem sowie die Leber- und Nierenfunktion;
  • Tyrosin - hilft bei der Übertragung von Nervenimpulsen, was die Gehirnfunktion verbessert;
  • Leucin - ermöglicht eine schnellere Erholung des Muskelgewebes
  • Phenylalanin - regt die Durchblutung des Gehirns an, macht gute Laune
  • Methionin - beeinflusst die inneren Organe und verbessert die Nieren- und Leberfunktion.
  • Flavonoide wie Kämpferol und Quercetin, organische Säuren, die Vitamine der P-Gruppe 
  •  

Kontraindikationen:

  • Die Pflanze enthält Cumarin, welches sich gern im Körper anreichert, kann der langfristige und stark gesteigerte Konsum lebertoxisch wirken.
  • Bei Krampfadern, Thrombophlebitis, Blutgerinnungsstörungen, Arrhythmie, Prostatitis, Prostatahyperplasie, Krebs und Glomerulonephritis fragen Sie bitte Ihren Arzt.
  • Der übermäßige und unkontrollierter Gebrauch kann zu Störungen des Magen-Darm-Traktes führen, beispielsweise Durchfall verursachen.
  • Bei Kindern unter 6 Jahren, in Schwangerschaft und Stillzeit bitte Vorsicht walten lassen.
  • Bitte nicht zusammen mit anderen Beruhigungsmitteln und Antipyretika einnehmen

Sammlung und Vorbereitung

Ab Mitte Juli bis ca. Ende August (der Geschmack variiert zeitlich) am späten Vormittag oder am Nachmittag bei trockenem Wetter werden die Blätter gesammelt. Das geht ziemlich flott: die Pflanze unterhalb der Blüte fassen und mit der anderen Hand die Blätter abwärts abstreifen, genau bis an die Stelle, an der die ganz großen unteren Blätter wachsen. Diese stehen lassen, dann blüht die Pflanze vollständig und samt aus. Sie sind ohnehin grober und für den Tee sollen die zarten oberen Blätter verwendet werden.

Bei der Ernte der Blüten bitte diese einzeln von den Blütenständen zupfen, da die Blüten der Reihe nach Erscheinen kann mehrmals geerntet werden. Blätter in eine Richtung zeigend in einem Korb locker schichten, Blüten in einem extra Behältnis nach Hause tragen. Der Ertrag des fertigen Produkts im Vergleich zur frischen Blattmasse beträgt ungefähr 1: 4, daher werden viele Blätter benötigt. (Falls sie die Blütenstände verwenden wollen: diese abschneiden, wenn sie im unteren Teil zu blühen beginnen und der obere Teil noch Knospen hat. Wenn Sie den Blütenstand schneiden, wenn die unteren Blüten verwelkt sind, öffnen die Samenanlagen sich beim Trocknen, die Flusen fliegen heraus, was das Rohmaterial verdirbt. Die Pflanze ist überhaupt sehr willig die Samen während des Anwelkens auszubilden.)

Gärung und Trocknung

Das Geheimnis der Herstellung liegt in der Fermentation und der richtigen Trocknung. Bei allen Rezepten empfiehlt es sich, die Blattmasse nach der Gärung zu zerkleinern, ich habe eine große alte Schere benutzt.

Die Länge des Fermentationsprozesses hängt davon ab, welche Stärke der Tee haben soll. Länger fermentierter und damit dunklerer Tee ist im Geschmack milder. Um eine grüngelbe Tönung zu erhalten reichen 10-12 Stunden aus, für eine dunklere Färbung 2-3 Tage. Der bei Beginn der Blattgährung entstehende charakteristische Geruch verschwindet etwa am zweiten Tag. Überprüfen und schütteln Sie die Blätter regelmäßig, damit sie nicht schimmeln. Der Prozess ist abgeschlossen, wenn eine gleichmäßige Dunkelung der Blattmasse erreicht ist. Der Zeitpunkt der Gärung und die Temperatur, bei der sie durchgeführt wird, beeinflussen Farbe, Geschmack und Aroma des Endprodukts. Ivan-Tee kann dunkelgrün, gelb oder sogar schwarz fermentiert werden. 

Es sind mehrere Methoden der Blattbehandlung überliefert, sie durch den Wolf zu drehen, ist eine davon und war für mich sehr anstrengend. Dadurch entfallen aber weitere Arbeitsschritte, das Endprodukt sieht natürlich vollkommen anders aus. 

Die von mir favorisierte Vorgehensweise:  

Die Blätter sorgsam verlesen, auf einem sauberen, (Leinen)Tuch so ausbreiten, dass sie nebeneinander in eine Richtung zeigen, über Nacht anwelken lassen. Dann das Tuch zusammenrollen und kräftig walken- durch diesen Vorgang werden die Blattadern beschädigt, Feuchtigkeit tritt aus, diBlätter färben sich nun schon dunkler. Dann ein Bündel Blätter (12 bis 15) zusammenfassen und zwischen den Handflächen mit Druck kräftig rollen. Sie sollten nun von selbst zusammenhalten, wenn sie das nicht tun könnte es sein, dass die Blätter schon zu trocken sind. Die so geformten Blattwürste nebeneinander auf das Tuch legen, ggf. etwas mit Wasser besprühen (nicht zu viel, das schimmelt sonst). Das können ruhig mehrere Schichten übereinander sein. Das Tuch nun zu einem stabilen festen Paket zusammenschlagen, in eine Kunststoffwanne legen und beschweren. (Ein voller Eimer Wasser oder Steine tun hier gutes Werk). Es wird 24–48 Stunden lang einer natürlichen Fermentation unterzogen. Das Kraut entwickelt bei der Fermentation beachtliche 40 Grad, Vorsicht das es nicht schimmelt. Meine russische Strickfreundin berichtete mir, dass das Blattmaterial in ihrem Heimatort bis zu 2 Monaten in der Leinenrolle belassen wird. Der Selbsttest wird zeigen was besser schmeckt. Um recht dunklen Tee zu erhalten könnte nun die Masse in ein Glas geschichtet und mindestens 36 Stunden an einem dunklen Ort bei Raumtemperatur stehen gelassen werden. Ich bin da wegen der Schimmelgefahr bei meinen Experimenten sehr vorsichtig gewesen.

Eine weitere noch nicht ausprobierte Methode: die frisch gesammelten Blätter und Blüten im Schatten etwas antrocknen lassen, damit sie weicher werden und den Saft leichter abgeben. Dann vorsichtig mit den Händen kneten, zwischen den Handflächen rollen, ein 3-Liter-Glas fest damit füllen, mit einem Tuch verschließen und 2-3 Tage bei Raumtemperatur an einen dunklen Ort stellen.

Trocknen:

Nach Abschluss der Gärung die Blätter (mit einer großen Schere) in Stücke schneiden (entfällt bei der Fleischwolfmethode) und trocknen. Dazu die Blattmasse gleichmäßig in einer dünnen Schicht auf einem Backblech auslegen und zum Trocknen aufstellen. Oder: ein Leinentuch in einem belüfteten Raum (z. B. auf dem Dachboden) spannen und die Masse solange trocknen, bis die Blätter brüchig werden.

Um schwarzen Tee zu erhalten, verteilen Sie die fermentierte Masse in einer dünnen Schicht auf einem Backblech und trocknen Sie sie 1,5–2 Stunden lang bei einer Temperatur um die 95° C im Ofen.


Die Ofentür sollte leicht angelehnt sein. Achten Sie darauf, dass die Blätter sich nicht entzünden – nach der Gärung sind sie feucht und kleben leicht am Boden, daher regelmäßig wenden. Lassen Sie den fertigen Tee einen Tag „atmen“. Ich habe meinen Tee in einem Dörrautomat getrocknet bei dem die Temperatur einstellbar ist, auch hier gilt: von Zeit zu Zeit muss die Masse gewendet werden.

Anwelken
Kräftig kneten
Würste rollen, dann einpacken


Nach der Fermentation
Schneiden

Trocknen

Fertiger Koporye-Tee (Ivan-Tee) wird am besten in einem Glasgefäß (Bügelverschlussglas) mit luftdichtem Deckel gelagert. Für die abschließende Reifung und vollständige Aromaentfaltung den Tee nun noch einen Monat ruhen lassen. Getrocknete Blätter und Blüten können maximal 2-3 Jahre gelagert werden, durch längere Lagerung gewinnt der Tee an Geschmack. Der fertige Weidenröschentee sollte eine einheitliche Farbe haben und sollte fruchtig nach Äpfeln und Birnen duften. Wenn die Teeblätter faulig oder nach verdorbenem Heu riechen, ist er verdorben.

Zubereitung:

3 g getrocknetes Kraut in 250 ml in

Oben mit Blüten vom Weidenröschen
unten mit Blüten der Königskerze.
Fertig zum Verpacken
kochendes Wasser geben, abgedeckt wenigstens 10 Minuten ziehen lassen. In Russland wird ein Samowar verwendet und die Zugzeit beträgt mindestens 40 Minuten. Das muss bitte ausprobiert werden was Ihnen schmeckt. Die Stärke des Tees kann durch Zugabe von Wasser geschmacklich angepasst werden. Die Russen sagen, dass man nur einmal verdünnen darf.

Dosierung: 2 mal täglich 1 Glas: morgens auf nüchternen Magen und abends eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen, vorzugsweise 30-40 Minuten vor den Mahlzeiten über einen Zeitraum von 30 Tagen.

Auf der Basis von Ivan-Tee können Sie auch ein leichtes Heilgetränk herstellen. Dazu 1 Teelöffel der Trockenmischung mit 1 Liter warmem Wasser aufgießen und über Nacht stehen lassen. Sie können fermentierte Weidenröschenblätter mit nicht fermentierten Blüten, die auf die übliche Weise getrocknet wurden, mischen. Das sieht sehr schön aus, auch können andere getrocknete Kräuter, Blüten und Früchte (Äpfel, Hagebutten, Birnen…) zur Geschmacksabwandlung beigefügt werden.

Bei Dysbakteriose hilft ein Aufguss von Weidenröschentee. Dazu einen Eßlöffel Weidenröschentee mit einer Tasse kochenden Wasser übergießen, 8-10 Stunden in einer Thermoskanne bestehen, abseihen. 4 mal täglich ½ Tasse zu den Mahlzeiten einnehmen.

Abkochung: 10 g zerkleinerte getrocknete Rhizome werden in 250 ml heißes gekochtes Wasser gegossen, 20 Minuten gekocht und dann filtriert. Bei Gastritis und Colitis, Blutungen, Anämie 3-4 mal täglich einen Esslöffel einnehmen.

Tinktur aus Blüten und Blättern: 10 g getrocknete Weidenröschen in 100 ml 40% Wodka 10 Tage lang an einem dunklen, warmen Ort stehen lassen. Dosierung: 20 Tropfen auf 1 Esslöffel Wasser, 15 Minuten vor den Mahlzeiten, eingenommen über 1-2 Monate zur Verbesserung des Stoffwechsels, bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes und als Prophylaxe zur Vorbeugung von Magengeschwüren und Krebs.

Tinktur aus Rhizomen: 50 g getrocknete Weidenröschen auf 500 ml 40% Wodka, Standzeit zwei Wochen. Dosierung: Sie 25-30 Tropfen 20 Minuten vor den Mahlzeiten zur Vorbeugung und Behandlung von Prostataadenomen und chronischen Blasenerkrankungen.

Und damit noch immer nicht genug, denn selbst in der Küche findet das Weidenröschen Verwendung:

Die Blätter können als Salat verwendet werden, die Triebe als Gemüse. Für den Salat die grob gehackten Blätter mit etwas saure Sahne, Zitrone, Öl und Salz anmachen, durchziehen lassen. Der Salat enthält viele Bitterstoffe, daran mangelt es ja sowieso. Wer es deftiger als Gemüsebeilage mag kann Blätter und Triebe grob hacken. Zwiebeln in etwas Öl (oder Speck) anrösten, die Pflanzenmasse hinzufügen, alles miteinander gar dünsten. Anschließend in wenig süße Sahne unterziehen und mit frischen Kräutern servieren. Die frischen Triebe könnten auch in leicht gesalzenem Wasser weichgekocht, dann in kalter Kräuter- oder Knoblauchsauce kredenzt werden.

Unfermentierten getrocknete Blätter und Blüten können selbstverständlich auch als Tee und / oder in Teemischungen verwendet oder zusammen mit anderen Kräutern es als Würzpaste klein gewiegt eingesalzen werden.

Hier noch das Rezept für eine Suppe:

100 g frische Triebe vom Weidenröschen blanchieren und abtropfen lassen. 25 g Wurzelgemüse und eine Zwiebel in etwas Öl oder Butter anschwitzen. Dann mit Brühe oder Wasser aufgießen, darin 300 g Kartoffelwürfel weichkochen. Salz und Pfeffer nicht vergessen. Wenn die Kartoffeln weich werden, die vorbereiteten Triebe des Weidenröschens sowie eine große Handvoll klein gehackte Brennnessel & Sauerampferblätter (gern auch weitere / andere Kräuter) zur Suppe geben. Zum Anrichten in den Suppenteller ein Ei schlagen, die Suppe darüber geben und einen Tupfen saure Sahne auflegen.

Letzter Hinweis: Die Botanik kennt ca. 50 verschiedene Arten des Weidenröschens, die auch miteinander Hybride bilden.




Mittwoch, 31. Juli 2019

Holunderblütenessig

So wirds gemacht:

  • Zwei Handvoll Holunderblüten ohne Krabbeltiere in einem Topf schichten, 
  • 2 Biozitrone in Scheiben schneiden und dazugeben. 
  • Eineinhalb Flaschen Bioessig darüber schütten, gerade so dass die Blüten bedeckt sind. Umrühren, eine Woche stehen lassen.
  • Hin und wieder mal umrühren. Dann durchseihen, filtrieren, Reste auspressen und in Flaschen geben. Gut verschließen.


Davon kann ein wenig in Mineralwasser gegeben werden, das schmeckt fantastisch und ist zuckerfrei.

Samstag, 17. März 2018

Kalkentfernergel.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich für eine liebe gute Bekannte eine Wohnung angemietet. Es handelt es sich um eine Dame fortgeschrittenen Alters, die zudem auch noch etliche 100 km von uns entfernt wohnte und einen riesen Umzug vor sich hatte. Also haben wir die besagte Wohnung bezugsfertig gemacht. Vorher wohnte ein Single drin, der die Wohnung wohl nie richtig geputzt hat. Eines der größten Probleme die wir hatten war ein so hochgradig verkalktes Bad, dass die Kalkplatten schon von selbst von den Armaturen putzelten. Da versagt selbst der beste Kalkreiniger und so machten wir aus der Not eine Tugend. Es gibt ja den berühmten Trick Küchenkrepp mit Essigessenz zu tränken und die Küchentücher um Armaturen & Co auszulegen. Das funktioniert übrigens auch bei Urinstein im Toilettenbecken wunderbar. Nun war aber das Armaturengedöns so unvorteilhaft eingebaut, so dass man mit besagter Methode überhaupt nicht ran- bzw. weiterkam und eigentlich nur fortwährend neuen Kalkentfernerschaum aufsprühen konnte. Das war weder der Umwelt noch der Atmung zuträglich. Daher haben wir kurzerhand  Essigessenz (das beste Reinigungsmittel - und nur das ist es - überhaupt) mit Cellulosepulver gemischt ein Weilchen durchziehen lassen, mit Deckel drauf versteht sich, das hält wirklich kein Mensch aus. Dann mit einem großen Flachpinsel das Gel schön dick aufgetragen. Es muss halt wirklich schön dickflüssig sein, dann tropft es auch nicht runter. Nach einer Stunde konnte es dann mit einem Wasserstrahl aus dem Duschschlauch hervorragend runtergespült werden. Unser Flachpinsel besorgt den Rest in den Armaturen Ritzen und was soll ich sagen: Kalk ade.

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Wie man die Wasserstoffperoxidsalbe bzw. das Gel selber einfach und kostengünstig herstellen kann

Das ist so einfach wie Tapetenleim (der auch aus Cellulose besteht, leider einer Anderen als die Geforderte, daher für unseren Zweck nicht nutzbar) anrühren. Sie benötigen ein Cellulose-Pulver, das heißt Hydroxypropylcellulose. Es kann als als „Klucel H“ bei Kremer-pigmente bestellt werden. Dann brauchen Sie Wasserstoffperoxidlösung 10%, diese sollten Sie in der Apotheke erhalten. Beides zusammen in einer Kunststoffschale vorsichtig mit einem Kunststofflöffel verrührt ergibt ein klares Gel, dass sie verwenden können.

  • Geben Sie 1/2 - 1 TL Cellulose in die Schale und darauf etwas Wasserstoffperoxidlösung. Sie werden sehen, wie die Cellulose sofort die Lösung an sich bindet uns stark aufquillt.
  • Gießen Sie weiter vorsichtig Wasserstoffperoxidlösung zu und rühren Sie weiter, bis das Ganze so dick wie Pudding ist.
  • Dann decken Sie es mit Frischhaltefolie ab und stellen es in den Kühlschrank über Nacht. Die Klümpchen, die sich unweigerlich noch in der Masse befinden werden sich über Nacht auflösen, da sie weiter Wasserstoffperoxidlösung an sich ziehen.
  • Morgens rühren Sie noch einmal durch, bitte immer nur in eine Richtung, da sonst immer Luft mit hineingerührt wird. Ist die Masse zu dick, gießen Sie noch etwas Wasserstoffperoxidlösung zu. Ist sie zu flüssig geben Sie noch vorsichtig Cellulose zu und lassen es erneut quellen.  
  • Das fertige Gel füllen Sie bitte in ein geeignetes Behältnis. Meines habe ich in einer sauber ausgewaschenen Plastikflasche für Reisegrößen von Shampoo & Co, gibt es im Drogeriemarkt. Plastikflaschen die vorher Bodylotion, Shampoo ect. beinhalteten sind wegen der Dosieröffnung bestens geeignet, da sich das Gel bei Bedarf einfach rausdrücken lässt.  
  • BITTE: Vergessen Sie nicht, Ihre Flasche entsprechend zu beschriften, alte Etiketten ablösen, damit Verwechslungen ausgeschlossen werden können und bewahren Sie Ihr Gel im Kühlschrank auf, da hält es sich recht lang.


Klucel H hat zwar mit Porto und Versand einen stolzen Preis, doch es bindet so viel Wasserstoffperoxidlösung an sich, dass Sie eine sehr große Menge Gel herstellen können. Sie haben bestimmt schon einmal Tapetenleim angerührt. Eine Packung ergibt einen großen Eimer gebrauchsfertigen Kleister. So wie diese Cellulose aufquillt, so tut es auch Hydroxypropylcellulose. Damit haben Sie eine ungefähre Vorstellung, wie viel Gel Sie selbst herstellen können und wie das Quellverhalten der Hydroxypropylcellulose ist. Da ihr Gel keinerlei andere Stoffe enthält wird es sich im Kühlschrank nicht unbegrenzt halten, damit ist es sinnvoll immer wieder kleinere Mengen frisch zuzubereiten. Viel Erfolg.

Donnerstag, 19. Juni 2014

Kopfweh - und was du dagegen tun kannst.


Leidest du auch hin und wieder Kopfschmerzen? Kopfschmerzen können viele verschiedene Ursachen haben. Manche Menschen haben zum Beispiel eine sehr empfindliche Verdauung und reagieren entsprechend mit Kopfschmerzen ohne dass vielleicht ein Zusammenhang zwischen den Verdauungsbeschwerden und den Kopfschmerzen hergestellt werden könnte. Manche kämpfen einfach mit Wetterfühligkeit. Ihnen macht eine aufkommende Schlechtwetterperiode und die plötzliche Luftdruckänderung, die damit einhergeht, zu schaffen. Andere wiederum werden von Migräne regelmäßig heimgesucht. Dann natürlich gibt es die Kopfschmerzen, die im Rahmen Erkrankung auftreten können.  Außerdem gibt es noch Spannungskopfschmerzen, die durch eine Verspannung im Schulter-Nacken-Bereich entstehen. Es gibt Kopfschmerzen infolge von Überarbeitung, Schlafmangel, Ärger usw. Die Ursachen der Kopfschmerzen sind genauso vielfältig wie die Behandlungsmethoden dafür. Sie waren den Altvorderen bekannt, entsprechend viele Mittelchen ersannen die Menschen zur Behandlung. Viele haben sich in der Volksmedizin und in der Naturheilkunde bewahrt. Kräuter können gegen Kopfschmerzen helfen ein paar davon sollen hier aufgeführt werden. Wie immer gilt:  Anwendung auf eigene Gefahr, den Arzt bitte befragen.

***
Brennesselblätter
Die Brennnessel kennt jedes Kind. Wer von uns ist nicht im Unterholz herumgekrochen auf der Suche nach Pilze und Beeren oder einfach nur dem nächsten Stecken für das Lagerfeuer. Als Tee genossen wirkt sie reinigend auf den gesamten Körper. Harnsäure, die im Gewebe verhaftet ist, wird schneller von den Nieren ausgeschieden. Bei Gicht ist die Brennnessel eine unverzichtbare Hilfe. Sie wirkt entwässernd und antirheumatisch, bei stoffwechselbedingten Kopfschmerzen kann sie Linderung verschaffen. Im Frühjahr kannst du die frischen Brennnesseln selbst ernten. 

Sammel die ganz jungen Triebe und schneide an der Fundstelle die Brennnesseln immer wieder zurück. So hast du auch im Juni oder Juli immer noch genug junge Triebe. Diese kannst du auch einfrieren und hättest so im Winter auch einen ausreichenden, knackfrischen Vorrat. Es versteht sich von selbst, dass du nur unbelasteter Pflanzen fernab von Autobahn, Straße und Güllewiese sammelst. Das gilt übrigens für alle Sammellei. 

Aus genügend Brennnesselblättern kannst du mit dem Entsafter einen Saft herstellen. Von diesen nimmt man täglich 3 x 1 Esslöffel voll.
Ehrenpreiskraut

Teezubereitung: 1 -2-Teelöffel frisches Brennnesselkraut pro Tasse mit kochenden Wasser überbrühen und 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend wird abgeseiht und in kleinen Schlucken getrunken.

Ein weiterer Kandidat auf der Liste der Volksmedizin gegen Kopfschmerzen ist der EhrenpreisEr wirkt schleimlösend und ein wenig wassertreibend, es wird in Teemischungen gegen Leber-und Hautleiden verwendet. Wenn nun der Kopfschmerzen von einem Leberleiden herrührt, könnte sich Ehrenpreis als Zusatz in einer Teemischung durchaus als sinnvolle Ergänzung erweisen.

  • Für den Ehrenpreistee werden 2 Teelöffel des Krautes in einer Tasse mit siedendem Wasser übergossen. 10 Minuten lässt man das Ganze ziehen, seiht ab und trinkt es in kleinen Schlucken, täglich eine Tasse.
Bei blähungsbedingten Kopfschmerzen helfen z. B. Petersilie, Kümmel, Fenchel oder Koriander. All diese Kräuter regen den Verdauungskanal an und sind
damit blähungstreibend. Ist die Luft erst einmal aus dem Bauch so gehen oft auch die Kopfschmerzen.

Wenn die Galleprobleme macht empfiehlt es sich Wermut oder Erdrauchkraut zu versuchen.

Erdrauchkraut
Melisse, Minze, Kamille helfen dagegen bei magenbedingten Kopfschmerzen. 


Bei überreizten Kindern und den daraus folgenden nervös bedingten Kopfschmerzen kann etwas Pomeranzentinktur hilfreich sein. Allerdings plädiere ich dafür Kindern erstmal eine ordentliche Portion zu trinken zu geben. Eine leichte Mahlzeit danach wenn sie Hunger haben und anschließend etwas Schlaf. Ein Lavendelkräuterkissen als Beilage wirkt sehr beruhigend.


Entstehen Kopfschmerzen durch Bluthochdruck und dessen Begleitsymptome z. B. Schwindel, Reizbarkeit, Leistungsschwäche. So kann man in Absprache mit den Arzt ein Mistelpräparat versuchen. 
Salbei

Auch Rosmarin regt den Kreislauf an. Es enthält einen Wirkstoff, den man auch Rosmarinkampfer nennt. Besonders hilfreich hat sich Rosmarin bei Menschen mit niedrigem Blutdruck erwiesen. Rosmarin zusammen mit Salbei, der als schweißhemmendes Mittel in den Wechseljahren und bei Nervosität zum Einsatz kommt, ist er in Verbindung mit Johanneskraut eine sehr beruhigende Kombination. Salbei wirkt entzündungshemmend bei allen Infekten des Mund- und Rachenraumes. Hier wird er als Gurgelmittel angewendet. 

Bei depressiven Kopfschmerzen hilft das stimmungsaufhellende Johanneskraut (erhöht die Lichtempfindlichkeit). Diese drei Kräuter - also Johanneskraut,  Rosmarin und Salbei in Kombination - wendet man kurmäßig an. Eine solche Behandlung bietet sich auch an, wenn die Kopfschmerzen immer wiederkehren. Nach 2-3 Wochen sollte sich eine deutliche Verbesserung anzeigen.


Bei Kopfschmerzen die vom Magendarm herrühren können folgend Kräuter hilfreich sein:

Die Kamille wirkt entzündungshemmend und krampflösend, hilft gegen Blähungen. Sie ist jedermann bekannt als Heiltee bei Magen-Darm-Beschwerden. Sie hat auf neuralgische Kopfschmerzen eine beruhigende Wirkung. Homöopathisch verwendet man sie bei stechenden Kopfschmerzen, die sich bei geistiger Anstrengung verschlechtern.

Quendel / Thymian / Feldthymian wirken desinfizierend und krampflösend auf Lungen und Bronchien sowie  auf den Magen-Darm-Trakt. Sie regen den Kreislauf an und kräftigt ihn. Bei kreislaufbedingten Kopfschmerzen ist er deshalb zu empfehlen, ebenso gehörte Thymian in jeden Erkältungstee.

Ein weiteres Küchenkraut, das der Verdauung auf die Sprünge helfen kann, ist Basilikum. Es wirkt gegen Übelkeit, Blähungen Magen Darmkrämpfe und Verstopfung. Ist sehr hilfreich bei Schlafstörung und nervösen Verspannungen, außerdem bei Harnwegsinfektionen.
Schafgarbenkraut
Und wenn wir schon bei den Magen darmwirksamen Kräutern sind sollte man natürlich die Schafgarbe nicht vergessen. Sie enthält viel ätherisches Öl, außerdem Bitterstoffe in sehr hoher Konzentration. Sie wirkt auf Magen, Darm und Galle kräftigend. Sie hilft bei Krämpfen im Unterleib die mit der Menstruation einhergehen. Damit hilft sie auch gegen Kopfschmerzen die eben zyklusbedingt sind. Wer die Schafgarbe nicht verträgt kann sie in Teemischungen gegen die Kamille austauschen. 
  • Eine Teemischung aus den genannten Kräutern kannst du selbst herstellen. Mische sie
    einfach zu gleichen Teilen.  1 - 2 Teelöffel der Teemischung in einer Tasse mit siedendem Wasser überbrühen und abgedeckt 10 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Davon zwei Tassen täglich. Vergiss nicht nach sechs Wochen eine längere Pause einzulegen.
Kamilleblüten
Damit wären wir aber noch nicht am Ende: es gibt Pflanzen, die enthalten Salicylate und Koffein, hier hat die Pharmazie bei der Natur abgeschaut und einen Wirkstoff synthetisiert. Das beste Beispiel hierfür ist die Silberweide. Sie enthält Salicin, woraus der Körper Salizylsäure oxidiert. Sie wirkt ähnlich der synthetisch hergestellten Acetylsalicylsäure.
  • 1 gehäuften TL Silberweidenrinde in eine Tasse mit kochendem Wasser geben und 5 Minuten ziehen lassen. Anschließend abseihen und davon täglich ein bis zwei Tassen trinken.
  • Ein Tee aus Schwarzpappelnlattknospen wirkt ähnlich wie ein Weidenrindenaufguss. Es werden 2 gehäufte TL in eine Tasse gegeben mit siedendem Wasser übergossen und zugedeckt etwa 5 Minuten stehen gelassen. Anschließend abseihen und davon 1 -3 Tassen täglich genießen.
  • Im Volksmund trägt sie auch den Namen Wiesenkönigin: das Mädesüß. Sie enthält
    Mädesüß
    Gaultherin, das ist eine Vorstufe der Salicylsäure. Gesammelt werden Kraut oder Wurzeln für die Zubereitung des Tees.
    Es genügt 1 gehäufte Teelöffel Kraut pro Tasse. 10 Minuten ziehen lassen, anschließend abseihen und 1 - 3 Tassen täglich trinken.

    Die Mädesüßwurzeln hingegen werden in kaltem Wasser angesetzt dazu 1 Esslöffel in ¼ l Wasser geben und über Nacht ausziehen lassen. Am Morgen bis zum Siedepunkt erhitzen, abseihen und über den Tag verteilt mehrere Tassen davon trinken.
Ein weiteres Getränk das durchaus helfen kann, ist der schwarze Tee. Dies ist fermentierter grüner Tee. Der Coffeingehalt schwankt je nach Sorte zwischen 2,5 und 4,5 % Koffein. Bei Kopfschmerzen, die nach Überanstrengung und durch Übermüdung oder nach längerer körperlicher oder geistiger Überanstrengung auftreten, können schwarzer Tee und Kaffee hilfreich sein. Wer allerdings regelmäßig diese Getränke zu sich nimmt wird auf eine Wirkung lange warten müssen, denn er hat sich bereits an diese Gaben gewöhnt. Dennoch sollte man den Koffeingenuss nicht übertreiben, eine Überdosierung kann wirklich schwerwiegende Folgen haben.

Wenn Verspannungen im Nacken Schulterbereich die Ursache von Kopfschmerzen sind, kann man mit einer schönen Massage mit Ölen oder Einreibungen Linderung erzielen. Viele Wirkstoffe durchdringen die Haut und können dann tiefenwirksam ihre heilsamen Kräfte entfalten. Eine deutliche Verbesserung verspricht auch die Reizung der Akkupunkturpunkte.

Pflanzenauszüge kann man natürlich wie immer selbst bereiten. Das geht so:

  • In einem Einmachglas ungefähr 100 g frisches Pflanzenmaterial schichten. Darauf gibt nun 1/2 Liter 70-% Weingeist. 
  • Verschließe das Gefäß und stelle es an einen zimmerwarmen Ort. 
  • Lass das Ganze bis zu 14 Tage stehen, hin und wieder schütteln nicht vergessen.
  • Dann wird abgeseiht, die Pflanzen ausgepresst, filtriert und auf eine schöne Flasche gezogen. 
  • Das Etikett mit dem Herstellungsdatum und den Inhaltsstoff bitte nicht vergessen. 

Diese Tinkturen werden mit destilliertem Wasser verdünnt dabei kann bis zu einer Verdünnung von 1:1 gehen. Die Menge des Wassers richtet sich nach der Person auf der die Tinktur angewendet wird und wie empfindlich sie ist. Du kannst eine Tinktur auch mit hochprozentigem Wodka ansetzen, allerdings kann es sein,  dass nicht alle Wirkstoffe aus der Pflanze herausgelöst werden können, wie dies bei hochprozentigerem Alkoholgehalte Fall wäre. 
Wenn du keine frischen Pflanzen bekommen konntest, kannst du natürlich auch getrocknete nehmen, die du im Kräuterhandel deines Vertrauens erwerben kannst.

Einige Beispiele für Geister:


Brennnessel wirkt äußerlich hautreizend. Brennnesseleinreibungen fördert die Durchblutung, es wird bei neuralgischen und rheumatischen Beschwerden angewendet. Brennnesselgeist kann man verdünnt auch zum Spülen der Haare verwenden, da er gegen Haarausfall wirkt. Zum Ansetzen von Brennnesselgeist das Kraut und die Blätter etwas klein hacken.

Rosmarin wirkt äußerlich durchblutungsfördernd und bei durch Überanstrengung verursachten Kopfschmerzen sehr erfrischend. Als Ansatzgut eignen sich die Blätter.

Lavendelgeist beruhigt und entkrampfend und löst versperrte Muskelpartien. Angesetzt wird mit frischen oder getrockneten Blüten.
Lavendelblüten

Während meiner Schulzeit las ich einmal ein Pflichtbuch (Käutzchen Kuhle), in dem ein älteren Mann, der das Zeitliche segnet. Die betagte Gattin saß dabei und bereitete auf seine Stirn Umschläge aus Kalmusgeist, bei dieser Prozedur erholte sich der alte Mann sichtlich. Diese Vorstellung hat mich fasziniert und seither nicht mehr losgelassen. Und es stimmt. Man setzt den Wurzelstock an wie oben erklärt. Er wirkt durchblutungsfördernd und kräftigend. Er lindert die Kopfschmerzen bei Erschöpfung und Krankheit. 
Mindestens genauso wirksam ist ein Geist aus Wachholderbeeren. Man muss halt sein Mittel finden.

Im Fachhandel gibt es außerdem noch japanisches Minzeöl, Migränestifte, Rollons, China Balsam und dergleichen mehr. Aber wenn du dich umschaust: bei dir zuhause findest du noch viel mehr.

In deiner Speisekammer zum Beispiel strotzt es nur so vor geheimen Mittelchen: Eines davon ist die Kartoffel, die als Nachtschattengewächse Sonalin enthält, welches entspannend und lockernd wirkt.  Daher mindert sie in dünnen Scheiben auf die Stirn gelegt und mit einem Mulltuch abgedeckt Kopfweh. Und ein ganz altes Mittelchen gegen alle Arten von Schmerzen, egal an welchem Körperteil, ist ein Kohlblatt des Weißkohls. Diese Methode ist so alt, dass es selbst die Römer schon genutzt haben.  Dieses wird etwas gewalzt nach innen gefaltet und auf die schmerzende Stelle aufgelegt und für 20 Minuten dort belassen. Während dieser Zeit in einem dunklen Raum entspannen. Kohlblätter helfen bei neuralgischen Nervenschmerzen und auch bei allerlei Hauterkrankungen. Es gibt einige Studien zu diesem Thema die die Wirkung bestätigen.
Johanniskraut - blühend


Kräuterkissen


Nichts ist erholsamer als ein entspannter Schlaf. Diesen kann man unterstützen mit dem zu Recht immer noch so beliebten Kräuterkissen. Du kannst es selbst herstellen und mit Basilikum, Lavendel, Mädesüß, Baldrian und Thymian füllen: Auch Eschenblätter können mithin eingefüllt werden. Die ätherischen Öle werden durch die  Körperwärme freigesetzt, man atmet sie ein, wodurch die schmerzlindernde Wirkung eintritt.


Kräuterkissen kannst du selbst nähen:


  • Entweder besorgst du dir einen Leinenbezug aus der Babyabteilung oder entsprechenden Stoff. Achte darauf,  dass es sehr feines Leinen ist ohne Löcher ist.
  • Du brauchst ein 42 × 22 cm großes Stück Stoff. Dies legst du auf rechts zusammen.
  • Nähe es an zwei Seiten zusammen und versäume die Naht.
  •  Entweder bringst du einen Reißverschluss an oder du musst das Kissen nach dem Füllen mit den Kräutern ordentlich zunähen, so dass nichts hinaus fallen kann.
  • Die Haltbarkeit eines Kräuterkissen beträgt ungefähr ein Jahr. Du wirst selbst merken wenn das Kräuterkissen aufhört zu duften, dann ist es Zeit die Füllung zu erneuern.
Hier noch ein Spezialtipp für alle Migränegeplagten:


Vier Tropfen reines ätherisches Lavendelöl in einem Glas Wasser oder auf einen Würfelzucker einnehmen. Dann ein halbes Stündchen Ruhe und der Spuk im Kopf sollte eigentlich vorbei sein. Das hat mir sehr geholfen. Mittlerweile finde ich die Einnahme des Lavendelöls derart widerlich, dass der Gedanke daran mich schaudern lässt und schon so manchen Migräneanfall verhindert hat. Bei leichten Kopfschmerzen genügen zwei Tropfen.

Was du sonst noch tun kannst


  • Achte auf ausreichend Schlaf, Bewegung an frischer Luft, gesunde Ernährung. 
  • Trinke genügend. Achte auf ausreichende Mineralstoffzufuhr.
  • Lass dich nicht unter Dauerstress setzen, lege deine Termine so das du sie bequem bewältigen kannst. 
  • Schaffte unbedingt Ruheoasen im Alltag.
  • Lerne nein zu sagen wenn dir etwas zu viel ist und nimm Hilfe an wenn sie angeboten wird.

Salbei - blühend
Quelle: Hausrezepte für alle Fälle, Phalow Heilpflanzen, Heilpflanzen und ihre Kräfte, Lingen, Heilöpflanzenpraxis heute.

Donnerstag, 11. April 2013

Ein bisschen Rauch

In allen Kulturen quer durch die Jahrhunderte sind Räucherungen mit den verschiedensten auch das Bewusstsein erweiternden Pflanzen traditionell überliefert. Einst von der Kirche verteufelt fand das Räucherwerk doch seinen festen Platz im Ritus. Alle Wohlgerüche Arabiens erfüllen zu bestimmten Zeiten die alterwürdigen Gemäuer so manchen Gotteshauses. Und nicht nur Arabien hat seine Pflanzen, auch in unseren Gefilden wachsen Pflänzlein, die sich zum Räuchern eignen. Warum Du nun räuchern möchtest, ist deine Sache. In den alten Zeiten gedachte man so Kontakt zu seinen Gottheiten aufzunehmen, Rat zu erhalten, zu sehen, was sonst verborgen ist. Aber auch Bitten wurden mit dem Rauch transportiert, etwa dass das ersehnte Kindlein bald unterm Herzen wachse, der Liebste behütet würde, die Angebetete seine Liebe erwidert, gute Absichten und Wünsche, für die Mitmensch, sich selbst. Alles was wichtig ist, Ereignisse wir Geburt, Initiation, Heirat, Krankheit, Tot, wurden mit Beräucherungen begleitet. Jetzt mit dem Fortschreiten der Vegetation könntest Du Dir Gedanken machen, ob Du vielleicht einheimische Pflanzen sammeln und trocknen möchtest. Einige findest Du bestimmt im Wald, im Garten, auf der Heide. Mit diesen Pflanzen können erste Erfahrungen gesammelt werden. Ich habe einige Wenige ausgesucht, die alle Schutz, Heil und Reinigung bringen. Gemeinhin stopfen wir vom Europ. Beifuss in die Weihnachtsgans, denn er macht fette Speisen leichter verdaulich. Diese Pflanze begleitet die Menschen seit langer Zeit, er wird traditionell zur Schutzräucherung zur Sommer- und Wintersonnenwende eingesetzt. Dabei ist seine entspannende Wirkung auf die Nerven legendär (frechgrins), er bringt Ruhe und Entscheidungskraft, er hilft uns, uns selbst zu helfen, schützt unser Heim. Genauso schützend ist der Rauch aus Fichtenharz, er wirkt erdend, stärkend, ordnend. Eine weitere Pflanze ist der Holunder, dessen Blüten trocken verräuchert schützend und unterstützend wirken. Eine Sonnenpflanze, ein Lichtbringer in dunklen Stunden sind die Blüten des Johanniskraut, zu diesen gesellt sich das Mädesüß. Seine Blüten fördern Erkenntnis, Ruhe und Gelassenheit, es erdet, bringt Kraft, Entscheidungen zu treffen.

Du brauchst:

Ein Gefäß
Sand
Pflanzenmaterial
Räucherkohle
Kerze und  Feuer zum Anzünden
Eine olle Zange um die Kohle zu halten 

Zum Räuchern selbst werden die Pflanzen zerkleinert, in einem Mörser zu Pulver zerrieben. Fülle das Gefäß mit Sand.Zünde die Kerze an und mit der Kerzenflamme die Räucherkohle. Nun lege die Kohle auf den Sand, warte bis sie gut durchgeglüht ist, wie beim Grillen mit Holzkohle. Es soll eine weiße Ascheschicht zu sehen sein. Nun gib von Deinen Kräutern ein wenig auf die Kohle, nicht zuviel, damit die Glut noch Luft bekommt. Das war es schon, gleich düftelt es. Wenn Du im Haus räucherst, vergiss nicht zu Lüften und ggf. Rauchmelder aus- und anschließend wieder einzuschalten.


Dienstag, 2. Oktober 2012

Blasentang - Cellulites - Umschlag?


Endlich habe ich ihn in natura gesehen, den Blasentang, sein lateinischer Name: Fucus vesiculosus. Ich hoffe, dass bleibt noch lange so, angesichts der sich ständig wiederholenden Umweltkatastrophen. Der Tang wächst in an den Küste, wo das Wasser nicht so tief ist. Eine lange Tradition als Heilpflanze hat er , sogar Plinius kannte und schätzte ihn, er nannte ihn der Blätter wegen "Meereiche". Wegen seines hohen Gehaltes an Jod wurde er zur Bekämpfung des Jodmangels eingesetzt, vornehmlich bei Schilddrüsenunterfunktion. Er wirkt außerdem abführend, blutreinigend und stimulierend. Wer nun an der Küste wohnt, hat in ihm einen Verbündeten bei "Problemen" mit Orangenhaut. Hier soll ein Breiumschlag aus Tang helfen:

Zuerst sammle an einer sauberen Stelle, also nicht gerade in der Nähe einer Flussmündung, eines Hafens oder eines Badestrandes Blasentang sammeln und sorgfältig trockenen. Nun ungefähr eine Hand voll in Wasser weich kochen und so heiß (Vorsicht bitte sich dabei nicht verbrennen) auflegen. Man kann ruhig 2 EL Meersalz mit in das Wasser geben. Das Ganze soll man nun 2mal täglich ausführen. 

Nun die leichtere Variante: nimm frisch geernteten Tang, hacke ihn ordentlich klein, so dass man eine Paste hat, der kann man etwas Weizenkleie zusetzen. Dann das Bein damit einschmieren und mit Klarsichtfolie umwickeln. Fertig ist die Beinpackung. Einige Minuten einwirken lassen und mit lauwarmen Wasser abwaschen. 

Ob das nun hilft, kann ich nicht sagen. Ich habe mir ein kleines Stück vom Meer mitgenommen, es ist krachtrocken und riecht komisch fischig-pippimäßig. Angeblich soll es ja gegen geistige Umnachtung helfen, wenn man das trockene Zeug mit sich herum schleppt, auch soll es die mentalen Fähigkeiten stärken. Helfen sollen die Umschläge auch gegen Gelenkbeschwerden bzw. als Bad in das man den Aufguss schüttet. Außerdem habe ich mir sagen lassen, dass man aus dem Tang eine Art Salz machen kann. Dazu erntet man die Pflanze und lässt sie in der Sonne auf einer dunklen Folie trocknen. Dann wird er fein zermahlen und kann wie Salz verwendet werden. Und wenn du schon mal dabei bis, so kannst du auch dein Meersalzbadesalz mit etwas Tangpulver vermischen. 

Dienstag, 18. Oktober 2011

Hagebutte


Der Herbst kommt und mit ihm die Fruchtreife einer Delikatesse die der Volksmund unter anderem auch Hedscherl, Hetschepetsch, Hagrose, Frauenrose, Dornrose, Hagebutze, Hainrose, Heinzerlein, Wildhips, Wilde Rose nennt. Kinder kennen die Juckpulverpflanze sicher auch. Der Name aus dem Wort "Hag" für Hecke (im Allgäu gebräuchlich für Zaun) und aus "butte" = Fass zusammen. Eine Bütte die die Alte im Märchen auf den Rücken trägt kennen wir ja.  Die Hagebutte soll früher der Freya geweiht gewesen sein, die Gebährenden Beistand und Schutz spendete. In Vollmondnächten erbaten kinderlose Frauen Nachwuchs bei der Heckerose. Auch wird sie als als Symbol für das Weiterleben der Seele nach dem Tod gesehen.  Vielleicht liegt das an dem Verbleiben der Früchte durch die kalten Wintermonate bis zum neuen Erblühen im nächsten Frühling.  Die beste Sammelzeit ist von September bis Erntedank, dann lass der Natur ihre wohlverdiente Ruhe. Aus den Früchten kann man ganz viele leckere Sachen zaubern. Hier einige Rezepte: 

  • Klassische Marmelade (Quelle: Das große Einmachbuch - E. Linich)

Ich habe die Mengen reduziert: 750 g Hagebutten sammeln, waschen, Stiel und Blütenrest entfernen. In einen Topf mit Dämpfeisatz geben geben und 10 min Dämpfen. Dann durch eine Sieb passieren, bis nur noch Schalenreste und Kernlein im Sieb sind. Wir müssten dann ungefähr  375g Hagebuttenmark haben, dazu geben wir 125 g säuerliche, gewaschene und gewürfelte Äpfel und 1 MSP Zimt. 500 g Gelierzucker dazugeben und 4 min sprudelnd kochen lassen, dann kochend heiß in saubere Gläser füllen und fest verschließen.  

Die Marmelade kann man auch ohne Äpfel & Gewürz herstellen, dann hat man eine schöne Grundlage aus der sich nachfolgende Leckerei zaubern lässt

  • Hagebuttensauce Ungarisch - danke Omi Fränze :-)

30 g Butter in eine Kaserolle geben, darin 50 g Semmelbrösel anrösten und mit 100 ml Weißwein aufgießen und aufkochen lassen. Nun gut 200 g Hagebuttenmarmelade zufügen, solange bis Geschmack und Konsistenz stimmen. Etwas mit Honig süßen und einen Spritzer Zitrone zugeben schmeckt diese Sauce vorzüglich zu Wild. 


  • Oder so:

6 EL Marmelade mit 1 TL gelben Senfmehl verrühren, den Saft von 2 Orangen und die abgeriebene Schale zufügen, außerdem gut 1/2 L Rotwein. Aufkochen und abschmecken.

  • Hagebuttenmus Roh - Böhmische Art

250 g Hagebutten waschen, Stiel und Blütenrest entfernen, in einer Schüssel zugedeckt 3 Tage stehen lassen, bis die Früchte weich sind. Dann die Früchte zerdrücken (wenn es viele sind durch den Wolf geben) und durch ein Sieb passieren. 190g  Zucker dazugeben und im Verlauf einer Stunde immer wieder umrühren. Dann in saubere Gläser füllen und das war es schon. 


  • Hagebuttenlikör (Balkan)

1 Kg Hagebutten waschen, Stiel und Blütenrest entfernen, Kernhaus entfernen. Das Fruchtfleisch mehrmals durch den Wolf geben, in ein großes Glas mit Deckel geben und mit 1 L reinem Alkohol  aus der Apotheke aufgießen. Nun 2 Wochen im Warmen stehen lassen, täglich einmal schütteln. Dan Filtrieren und aus 250 ml Wasser und 300g Rohrzucker einen Sirup kochen und den Ansatz dann damit süßen. Nun nochmal 2 Wochen stehen lassen und auch wieder täglich schütteln. Abschließend filtrieren und auf Flaschen ziehen und feste verschließen. Ausreifen lassen.  


  • Hagebuttentee für den Winter 
Hagebutten waschen, Stiel und Blütenrest entfernen, Kernhaus entfernen. Die Hagebuttenschalen ausgebreitet vor Insekten geschützt trocknen lassen. Wenn Sie trocken sind etwas zerklopfen und in ein gut schließendes Gefäß geben. Die getrockneten Hagebuttenschalen als Kaltauszug zubereiten. Das geht so. Für eine große Tasse 1 EL getrocknete Schalen mit kaltem Wasser ansetzen und vorzugsweise über Nacht  (8-12) Stunden stehen lassen. Anschließend durch eine Sieb gießen und langsam auf Trinktemperatur erwärmen jedoch nicht wärmer als 60 °C. Durch das schonende Trocknen und den Kaltauszug hat der Tee einen sehr hohen natürlichen Vitamin C Gehalt und ist zur Unterstützung bei Erkältungskrankheiten bestens geeignet


  • Hagebuttensuppe
375 g weiche Hagebutten waschen, Stiele Blütenrest und Kernhaus entfernen. 1 Apfel waschen und in Stücke schneiden und zusammen mit den Hagebutten 30 Minuten kochen. die Suppe passieren, wieder aufkochen und mit etwas in kalten Wasser angerührter Speisestärke binden. Mit Zitronensaft, Zucker und Salz abschmecken. Als Einlage eignen sich Grießklößchen. Die Suppe kann man auch im Veganstar bereiten, dann dauert das Ganze nicht so lang und ist Rohkostgerecht.


  • Noch mal Tee

im Übrigen braucht man die Keene nicht wegwerfen. Diese werden auch getrocknet und zu Pulver vermahlen. Sie eignen sich dann als Teeaufguß und zwar 1 -2 Gramm zu 250 ml Wasser - das ist eine gute Ausbeute. Die Kerne werden vor dem erhitzen auch über Nacht eingeweicht, durch den Vanilingehalt hat der Sud hat einen leichten Vanillegeschmack. Er wirkt harntreibend und ist bei Nieren- und Blasensteinen sowie bei Nierengrieß hilfreich. Den Tee vor dem Trinken durch ein feines Sieb laufen lassen.

  • Und der Kartoffelkloß mit Hagebutten ist etwas für Weihnachten: 

1 kg gekochte Pellkartoffeln heiß abpellen, durch die Presse drücken, dann 150 g Mehl, 1 Eier, 1 TL Salz, 1 Prise geriebener Muskat dazugeben und einen schönen Teig bereiten. Dann Klöße formen und in die Mitte Hagebuttenmarmelade mit einer 100 ml Spritze aus der Apotheke spritzen. 

  • Herbstkuchen (Quelle:  Wildfrüchte und Wildkräuter erkennen, sammeln, zubereiten)
200g Butter, 200 g Vollrohrzucker und 4 Eier schaumig rühren. 50 g Haselnüsse unter die Masse rühren. 350g Dinkelmehl mit 1 TL Zimt, 2 TL Kakao und 1  Backpulver mischen und unterheben. Teig in eine Springform füllen und bei 180° etwa 55 Minuten backen und den K uchen nach dem Erkalten durchschneiden, die beiden Hälften mit Hagebuttenmark bestreichen und  aufeinander setzen. Kuchen außen dünn mit Hagebuttenmark bestreichen. Mark etwa 15 Minuten einziehen lassen, dann Kuchen mit Schokoladeglasur überziehen.