Die Frühlingstagundnachtgleiche ist kein Fest im üblichen Sinne. Sie ist ein Zustand. Zwei Kräfte stehen einander gegenüber, exakt im Gleichgewicht. Licht und Dunkel – ohne Übergewicht, ohne Sieg. Gerade deshalb beginnt es zu kippen. Was viele „Ostara“ nennen, ist kein gesicherter alter Brauch, sondern ein später Name, ein Versuch, diesem Wendepunkt ein Gesicht zu geben. Der eigentliche Vorgang liegt darunter. Er ist leise. Im Boden. In den Wurzeln.
In dem, was sich unter Druck bewegt, lange bevor es sichtbar wird. Man sieht es nicht zuerst am Licht, sondern daran, dass das Alte den Halt verliert. Und plötzlich steht man irgendwo im Gebirge, zwischen Schnee und abgestorbenem Holz, und merkt: Es hat längst begonnen.
Zwischen Balderschwang, Sibratsgfäll und hinüber nach Immenstadt entstanden diese Aufnahmen. Noch liegt stellenweise Schnee. Was hier hörbar wird, ist der Frühling, wie man ihn erwartet. Und es ist der Moment davor –
wenn es unter der Oberfläche bereits arbeitet und sich das Alte nicht mehr behaupten kann. Mehr geschieht nicht. Und genau darin liegt alles.