Sonntag, 1. März 2026

Bei welchen Krankheiten hilft Cannabis? Cannabis anwenden bei über 200 Krankheiten.

Dieses Buch ist das maßgebliche Werk zur Cannabismedizin: großformatig, exzellent verarbeitet, klar strukturiert und von einer inhaltlichen Tiefe, die ihresgleichen sucht. Es vereint den aktuellen Stand der Forschung mit klinischer Praxis, historischer Einordnung und therapeutischer Differenzierung – ohne Ideologie und ohne Belehrung. Wer sich mit Cannabismedizin ernsthaft auseinandersetzen will, findet hier einen belastbaren Referenzrahmen.

Bereits im einleitenden Teil wird das Endocannabinoid-System (ECS) sachlich und nachvollziehbar erläutert. Es handelt sich dabei um eine grundlegende physiologische Struktur, ohne deren Kenntnis jedwede Aussage über Cannabis zwangsläufig unvollständig bleiben muss. Wer über Negativwirkungen urteilt, ohne dieses System zu berücksichtigen, argumentiert nicht fundiert kritisch. Wirkungen sind nicht moralisch zu verhandeln, sondern ausschließlich pharmakologisch zu verstehen, pauschale Urteile verlieren vor diesem Hintergrund ihre Tragfähigkeit.

Der Autor – Uwe Blesching – macht klar, dass Wirkung aus der Bindung an spezifische Rezeptoren, aus relativer Affinität, Konzentration und Dosis entsteht. Erst vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum sich natürliche Pflanzenstoffe, isolierte Wirkstoffe und synthetische Cannabinoide in Wirkung, Risiko und therapeutischem Nutzen teils erheblich unterscheiden.

Der Grundsatz ist klar formuliert: Ein therapeutischer Versuch mit Cannabis ist legitim. Nicht als Heilsversprechen, sondern als Möglichkeit innerhalb eines verantwortungsvollen medizinischen Rahmens. Eine Anwendung sollte dabei idealerweise fachkundig begleitet werden – durch Personen mit fundierter Sachkenntnis, praktischer Erfahrung und der Fähigkeit zur individuellen Abwägung. Entscheidend ist dabei weniger formale Autorität als tatsächliche Kompetenz, therapeutische Erfahrung und ein verantwortungsvoller Umgang mit individueller Situation und Risiko.

Der Autor arbeitet konsequent evidenzbasiert und verzichtet auf jedwede Form der Verabsolutierung. Als international anerkannter Experte ordnet er Cannabismedizin entlang von Studienlage, Differenzierung und Kontext ein und macht deutlich, dass therapeutische Relevanz nicht behauptet, sondern begründet werden muss.

Nach einer präzisen Einführung in Botanik und Nomenklatur erläutert das Buch frühzeitig, wie es gelesen werden will: nicht linear, nicht konsumierend, sondern als Nachschlagewerk, Leitlinie und systematischer Ordnungsrahmen. Danach folgt der Einstieg in die klinische Anwendung – folgerichtig mit Krebserkrankungen und ganzheitlicher Onkologie. Dieser Aufbau ist kein Zufall, sondern spiegelt die klinische Relevanz und die historische Entwicklung der Cannabismedizin wider.

Ein zentrales Orientierungssystem ist die Cannabisblatt-Skala: sechs stilisierte Blätter dienen als visuelle Leitlinie zur Einschätzung von Evidenzlage. Die Skala bewegt sich entlang der Stufen „möglich – wahrscheinlich – tatsächlich“ und wird ergänzt durch konkrete Kennzahlen, etwa die Anzahl überprüfter Studien sowie einen numerischen Cannabis-Score. Diese Systematik erzeugt eine wohltuende Enttäuschungsfestigkeit. Das Buch vermittelt damit ein Grundprinzip: nicht alles ist ein Cannabisthema. Manche Erkrankungen gehören schlicht anderen Pflanzen oder Verfahren.

Ergänzt wird dies durch strukturierte Fragenkataloge, diese richten den Blick nicht nur auf Symptome, sondern auf innere Prozesse, emotionale Regulation und individuelle Zielsetzungen. Cannabismedizin wird hier nicht isoliert betrachtet, sondern als Teil eines ganzheitlichen therapeutischen Zusammenhangs, der auch die eigene Haltung einbezieht.

Das Buch widmet sich ausführlich jenen Fragen, die in öffentlichen Debatten häufig ausgeblendet werden. Dazu gehört jene, was es bedeutet, verbrannte Pflanzenstoffe zu inhalieren, und welche Rolle die Lunge als reales Organ dabei spielt. Cannabis wird hier nicht als abstraktes Symbol behandelt, sondern als Substanz mit konkreten physiologischen Konsequenzen. Es verschweigt keine Grenzen. Bei bakteriellen und mykotischen Erkrankungen, etwa Enzephalitiden, erhält Cannabis nur geringe Bewertungen. Auch bei Karies oder banalen Atemwegsinfekten wird kein Nutzen konstruiert. Andere Pflanzen oder Verfahren sind hier klar überlegen. Nebenwirkungen, pulmonale Risiken der Inhalation, toxikologische Fragestellungen sowie Unterschiede zwischen natürlichen und synthetischen Cannabinoiden werden differenziert und sachlich dargestellt. Selbst häufig zitierte Tierstudien zur theoretischen letalen Dosis werden ohne Dramatisierung eingeordnet.

Gerade im Zusammenhang mit pulmonalen Risiken macht das Buch deutlich, dass die Form der Anwendung keineswegs nebensächlich ist. Zwischen dem Verbrennen pflanzlicher Stoffe und dem kontrollierten Verdampfen bestehen erhebliche Unterschiede. Während beim Rauchen zusätzliche Verbrennungsprodukte entstehen, ermöglicht die Vaporisation eine Inhalation ohne klassische Rauchentwicklung. Gerade für Patienten ohne Raucherfahrung kann dies überhaupt erst eine praktikable und besser verträgliche Form der Anwendung darstellen. Das Buch behandelt solche Unterschiede nicht ideologisch, sondern technisch und pharmakologisch.

Dass diese Pflanze ihren Weg durch die Untiefen menschlicher Blödheit suchen musste, ist nicht poetisch gemeint, sondern schlicht die Beschreibung eines geschichtlichen Befundes: Wissen wurde aktiv verdrängt, die Folgen tragen Kranke, nicht Debattenführer. Die nüchterne Betrachtung der vergangenen Jahre hat außerdem gezeigt, wie brüchig Gewissheiten sein können – in Gesetzgebung wie in Medizin. Das führt nicht zu blindem Misstrauen, sondern zu einem einfachen Prinzip: prüfen, lesen, vergleichen, abwägen. Und dann Entscheidungen auf Grundlage von Wissen, Erfahrung und verantwortungsvoller Einschätzung treffen.

Dieses Buch ist ein tiefgehender, sauber gearbeiteter und ehrlicher Überblick über den Stand der Cannabismedizin. Irgendwo habe ich einmal gelesen, das Cannabisblatt sehe aus wie eine Hand und werde mit dem Göttlichen assoziiert. Ist Cannabis dies, dann wäre es ganz sicher kein Mittel, das man unkontrolliert und uninformiert benutzt.

  • Titel: Bei welchen Krankheiten hilft Cannabis? – Cannabis anwenden bei über 200 Krankheiten. Mit Dosierungshilfen
  • Autor: Uwe Blesching (Ph.D.)
  • Verlag: Herba Press, Aschaffenburg (Deutschland)
  • Erscheinungsdatum: November 2025 (1. Auflage)
  • Sprache: Deutsch
  • Einband: Hardcover / gebunden
  • Seitenzahl: 496 Seiten
  • ISBN-13: 978-3-946245-12-4
  • ISBN-10: 3-946245-12-9
  • Format: ca. 22 × 28 cm

Der Autor.

Uwe Blesching

Uwe Blesching, Ph.D., macht in seiner Forschung darauf aufmerksam, dass bei vielen chronischen Erkrankungen Funktionsstörungen des Endocannabinoid-Systems vorliegen, und dass Cannabinoide wirksam zur Genesung beitragen können. Dr. Blesching befasst sich seit Jahrzehnten mit der Anwendung von Cannabismedizin im Rahmen eines integrativen Therapiekonzepts, das gleichermaßen schulmedizinische und ganzheitliche Aspekte berücksichtigt. Er ist Fachreferent, Autor mehrerer Bücher und CEO der Wissensplattform CannaKeys, die evidenzbasierte Entscheidungshilfen für die heilkundliche Praxis zugänglich macht, für Patienten und Heilberufe.