Sonntag, 7. Juli 2024

Über die Eibe - Iwa

https://youtu.be/qsGIj6WRuQs

Ein Eibe ist entweder weiblich oder männlich, das ist einmalig in der Baumbotanik, kein anderer Nadelbaum weißt diese Eigenschaften auf. Die seit Jahrtausenden nachgewiesenermaßen männliche Eibe im schottischen Fortingall zeigte im Jahre 2015 erstmals an einem der oberen Äste Samenfrüchte - wechselt die Eibe ihr Geschlecht nach einigen Jahrtausenden? Wie oft? Und wann? Wieso? Wer weiß das schon, diese magisch-mystischen Lebewesen haben längst nicht alle Geheimnisse preisgegeben. Gesichert ist: der Baum ist bis auf die Samenhüllen, aus denen in Osteuropa ein süßes Mus gekocht wird, giftig, nicht nur für Menschen. Die Nadeln sicher, ab 50 -100 g wird es für Erwachsene gefährlich (je nach Körperbau) - vorausgesetzt man kaute die überraschend weichen Nadeln kräftig durch - nur schlucken funktioniert zum vergiften scheints nicht. Dann aber stellen sich Magen- und Leibesschmerzen ein, auch Kopfweh, die Herzfunktion wird unregelmäßig, die Haut zeigt purpurne Flecken, der Körper krampft und schließlich folgt der Tot durch Ersticken. Vergiftungen zeigen sich binnen einer halben Stunde nach Einnahme des Sudes durch Erbrechen, Durchfall, Schwindel, Blutdruckabfall und Bewusstlosigkeit. Dennoch spielt(e) sie eine Rolle in der Medizin, gegen Epilepsie im frühen Mittelalter, oder als Absud gegen Krätze, geräuchert nach der Heiligen Hildegard gegen Gebrechen in der Brust und Nase von üblen Säften. Versuche, das in der Eibe befindliche Taxol, welches Krebszellen an der Teilung hemmt, herzustellen begannen in den 1960er Jahren. Um ein 1kg der Substanz zu erhalten braucht es viele hundert Bäume. Da die Eibe aber äußerst langsam wächst - warum auch schnell, sie hat ja Zeit, denn der Tot ist in ihrem Bauplan nicht vorgesehen, entwickelten Forscher 1990 ein Verfahren die Substanz aus den jungen Nadeln, zu gewinnen und schließlich pharmazeutisch aufzubereiten. Das Ergebnis war ein Medikament gegen einige Krebsarten, dessen Zulassung 2002 erfolgte. Es darf aber, und jetzt sträuben sich mir die Nackenhaare - erst angewendet werden, wenn die "Standard-`Therapie´" versagt- weil mit seiner Anwendung schwere Nebenwirkungen (z. B: Haarausfall, Veränderung und Unterdrückung des Knochenmarks, Taubheitsgefühl, allergische Reaktionen, Muskelschmerzen und Durchfall - wie bei Zytostatika meist angegeben) einhergehen.

Bestimmt findet sich die Lösung für das ein oder andere Problem auch in der Eibe. Und so ist der Totenbaum der Europäer, der als Hecke viele Friedhöfe ziert vielleicht irgendwann ein Heilsbringer seines ganzen Wesens wegen, sein Präsenz lehrt uns die Ewigkeit allen Seins. Die Völuspá aus der Edda besingt vermutlich die Eibe - den sie ist die Immergrüne, nicht die Esche. In der der "Weissagung der Seherin", Strophe 19 heißt es:

Ask veit ek standa, heitir Yggdrasill
hár baðmr, ausinn hvíta auri;
þaðan koma döggvar þærs í dala falla;
stendr æ yfir grœnn Urðar brunni.

Zu Deutsch:

Eine Esche weiß ich, sie heißt Yggdrasil,
Ein hoher Baum umhüllt mit weißem Nebel;
Von ihm kommt der Tau, der in das Tal fällt.
Er steht, immergrün, über Urds Brunnen

Wie beschrieben ist die Eibe ein Sonderfall, eine Kuriosum unter den heimischen Bäumen- tituliert man sie nun ihrer geringeren Wuchshöhe wegen bis zu 17 m als Baum oder Strauch (Eibenbaumstrauch ). Das ist völlig egal, wenn man SIE erlebt, fühlt. Sie ist - so würd ich meinen, der Weltenbaum, sein Name Yggdrasil, überdauert Jahrtausende, sich ständig erneuernd, jenseits der Zeit.