Lass uns in den Wald gehen, lass uns still werden, einkehren, innehalten, lass uns riechen, fühlen, schmecken, vor allen Dingen hören. Nicht das unerbittliche Geplapper von Medien, ... Menschen, lass uns laschen auf Naturgeräusche, den Wind in den Fichten, das Plätschern des Wassers, das Rauschen im Wiesengras.
Kennst du das, dieses Gefühl, so kurz vorm Explodieren, wenn es reicht, wenn es einfach zum Speien nervig ist? Dann gehe ich los, packe ich was zum Essen ein, ziehe die Wanderschuhe an, nehme den Hut, schließe die Tür ab, und schon beim ersten Schritt weiß ich: Die Zeit gehört mir, es dauert eine Weile, bis ich runterkomme, aber je länger - läufts´. Man läuft und läuft und läuft, um des Laufens willen. Wenn ich laufe und schaue, wie der Wind die Fichten bewegt und höre, wie es hier und dort knistert, nehme ich Dinge wahr, die ich vielleicht vor zehn Minuten noch nicht so wahrgenommen habe. Wenn ich im Wald bin, bin ich Teil des Waldes, weil er mich ein bisschen lässt. Man kann als Fremdkörper im Wald rumtoben, durchbrettern, durchfahren, oder man kann sich auf den Wegen des Wildes bewegen und versuchen, so wenig Lärm wie möglich zu machen. Wenn ich im Wald bin, ganz bei mir, dann denke ich ans `da Draußen` gar nicht mehr, es ist als sei man in einer anderen Welt, als würde alles weicher und doch fester sein, als würde es würde einen halten, solange man gehalten werden will. Ich spüre, wie diese Luft: feucht, erdig, voll, sie durchströmt mich, mein Blick wird offen, mein Schritt fest, wenn ich nicht aufpasse, lieg´ ich ratzfatz auf der Nase. Ich liebe diese Art von Bodenhaftung, dieses Laufen, dieses Riechen, Fühlen, Schmecken, dieses reine Sein, nur für sich selbst, mit dem Wald, für den Moment, mit den Bergen.
Und die Bäume? Dürfen gar nicht mehr größer und älter werden. Und wenn ich ganz hoch gehe, dorthin, wo im Moment noch diese riesigen Fichten stehen, für die man mehrere Menschen braucht, um sie zu umfassen, dann frage ich mich, wie lange sie noch da stehen dürfen.