Der Umgang mit der Landschaft, mit ihren Ressourcen hat sich
im Laufe der Zeit grundlegend
gewandelt, nicht unbedingt zum Besseren. Das
vielfach verloren gehende Wissen hat der Autor zur nunmehr vier Bänden
zusammengetragen, die sich alle ein bisschen wie eine Erzählung lesen, gerade
so als wandere man mit ihm durch Wald und Flur. Alle vier Bände enthalten das gesammelte
Wissen von Menschen, die ihre Umgebung noch zu nutzen verstanden. Es ist ursprünglich,
überliefert von einer Generation zur Nächsten, vielfach erprobt, selbstverständlich
von Herr Machatschek selbst. Einiges war mir geläufig, anderes ist völliges
Neuland. Die Bücher sind reich illustriert, es finden sich Fotos von den
Pflanzen in Großaufnahme und auch von einzelnen Zubereitungsschritten. Der
Autor gibt neben Impulsen auch detaillierte Rezepturen vor, die der eigenen
Experimentierfreude Raum geben. Die Pflanzen werden dann genau beschrieben: es
ist genauso wie ich das gerne hätte: die botanischen Namen, die volksmundliche
Benennung, Beschreibung, Standort und ihre vergessen und neu entdeckten
Verwendungsmöglichkeiten sowie immer der Verweis zu möglichen heilkundlichen
Verwendungen.
Band Eins behandelt nach einem Exkurs in die
Nachhaltigkeit der Landschaftspflege einiges an Wissen über altbekannte
Pflanzen die von Anbeginn der Zeiten an für die Ernährung und Heilung von
Menschen und Vieh genutzt wurden. Der Autor spinnt den Faden altbekannte
Pflanzen wie Ampfer, Kümmel, Löwenzahn, Rapunzel, Rapotik, Nachtkerze, Waldgeißbart,
Hopfen, Thymianweiter zu einigen Bäumen wie Rotbuche, Eiche, Ahorn, Linde, Schwarzpappel,
Balsam Pappel, Fichte, einige Futterlaubsorten, schließlich Hagebutten, Kornelkirschen,
Lampionblume. Nachfolgend wird die Verwendung von Pilzen flechten und Farnen
als Mineralstofflieferant und Würzmittel dargelegt. Hierbei erklärt der Autor
ganz genau wie man trocknet, dörrt, röstet, einmacht, einlegt. Im Buch
eingestreut sind stets die Hinweise auf die mögliche Verwendung als Viehnahrung
Der zweite Band knüpft da an wo der Erste
endete und teilt sich in die vier Jahreszeiten.
- Der Frühling beschäftigt
sich mit Schneerosen, Schlüsselblumen, Sanikel, Bärlauch, Waldmeister
sowie der Herstellung von Essigansätzen und Kapernersatz.
- Im Sommer geht es um Brennnessel,
Wiesen-Knöterich, Gundelrebe, Mädesüß Wasserlinse, Rotklee und Meisterwurz.
- Den Herbst versüßen uns Heidekraut,
Heidelbeeren, Mahonie, Mispel, Schopftintlinge, Totentrompete.
- Austernseitlinge und
Keulenbärlapp beschließen den Winter. Zusätzlich sind Vogelbeere und
Eberesche sowie die Walnuss und Zirbe beschrieben.
Band drei gliedert sich genauso auf wie Band
2, wobei der Autor hierüber die Nutzung der
- Birke der Vogelmiere und
des Wiesenschaumkrautes im Frühling erzählt,
- der Sommer Fetthenne, Rosenwurz,
Springkräuter, Holunder und Silberwurz vorbehalten ist.
Ein ganz eigenes Kapitel ist "delikates Wildgemüsepfandl für die schnelle
Küche". Es ist sehr erstaunlich an was man alles vorüber geht das doch da
in rauen Mengen wächst und nur gepflückt werden musste.
- Im Herbst schließlich kommen
Hohlzahn, Berberitze, Brombeere, Nelkenwurz und Eicheln auf den Tisch, und
im
- Winter u.a. Judasohr.
Das Buch Nummer 4 ist eine Abhandlung über die
Verwendung und Wertigkeit von Ziegenmilch in Abhängigkeit von der Haltung und
deren Heilwirkung enthalten, die man jeden anempfehlen könnte wo der Darm
Probleme macht. Außerdem berichtet es vom Wiesenknopf, Sprossen und Spargel
Gemüse, Geißfuß, Leimkraut, Weidenröschen, Faulbaum, Ferkel Kräuter, Ruchgras,
Malven, Seegras, Haselnuss und Birne. Es erzählt von allerlei pflanzlichen
Antibiotika und dem scheinbar aus der Mode gekommenen Würzen des Kaffees.
Es ist so traurig, dass das `Überkommene` so wenig Anklang
findet, erlebe es ja selbst immer wieder. Dabei ist es höchste Zeit den Einkaufswagen
gegen einen Sammelkorb zu tauschen. Das was wir zum Konsumieren angeboten
bekommen – kann das noch gesund sein mit einen ungezählten
Bearbeitungsschritten, Zusatzstoffen, Beimischungen? Ist denn es notwendig Salat
oder Somthie zum Mitnehmen zu haben, ein Toastschnitzel oder ein Hühnchen als
Snack? Herr Machatschek geht hart ins Gericht mit der dem Zeitgeist leider
immer noch entsprechenden exzessiven Ausbeutung von Land, Getier und Pflanze. Diese
Traurigkeit, Weh-Mut schwingt im Tenor aber mit, es muss, es wird und es soll
bitte endlich besser, gerechter werden. Es ist keine Nostalgie, sondern eine
unumkehrbare Notwenigkeit grundlegend etwas zu ändern. Mit dem Wissenden stürbe das Wissen, schriebe es niemand auf. Es sagt ja keiner, dass
man sich nun ausschließlich von der Wiese ernähren kann oder soll, das wird in
den wenigsten Fällen möglich sein. Doch begönne der Leser nach der Lektüre mit
der Umsetzung, so würde solches Tun nicht nur kulinarisch bereichern. Jeder ist
sind eingeladen, sich selbst zu beschenken.