Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. - Buchbesprechung

2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmung, Sammeltipps, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche


Ohha, was für ein Buch! Ich bin erstaunt, welche Fülle an Wissen hier zusammengetragen wurde. Ob das Ein oder Andere den verwöhnten Gaumen erquickt oder nicht: der Versuch macht klug! Wie jüngst die Samen des sich bei uns wie wild vermehrenden Springkrautes. Sie schmecken wirklich lecker, nur den Geruch, den mag ich gar nicht. Und was man alles essen kann, es ist erstaunlich, eine riesige Fundgrube ist dieses Buch. Es gliedert sich in folgende Bereiche:
  • Lebensmittel aus Wildpflanzen
  • Den Wirkstoffgruppen in Wildpflanzen
  • Verweis auf Besondere Inhaltsstoffe in Wildpflanzen
  • Wie soll gesammelt werden und was ist dabei zu beachten
  • Ein „kurzes“ Wort zum Naturschutz
  • Anweisung zu Grundzubereitungen
  • Der Bestimmungsschlüssel anhand der Blattform, 
  • Die essbaren Wildpflanzen nach Blattformen und Gattungen ab Seite 46 - 514
  •  Pflanzengattungen mit seltenen und gefährdeten Arten - Seiten 516 -582
  • Giftpflanzen und Gefahren von A - Z Seiten 584 - 626
  • Verwendete und umstrittene Giftpflanzen ab den Seiten 628 - 634
  • Anhang
Die Pflanzen sind nach Blattformen und Pflanzengattungen angeordnet, dem voraus geht 
genaue Anweisung und die Bitte, sich selbst nicht zu überschätzen, wie man sich an den Verzehr jener Pflanzen herantasten kann, die vor einigen Jahren noch zum (täglich) Brot unserer Vorfahren gehört haben. Fundiert recherchiert bereitet es dem Leser unzählige Schmökerstunden auf dem heimischen Sofa, zum Mitnehmen ist es zu großformatig. 
An das Thema herangeführt wird der Leser von der Picke auf: Man lernt etwas über die Inhaltsstoffgruppen, die Heil- und „Wildpflanzen" gemein sind, welche Wirkungen und möglicherweise auch unerwünschten Wirkungen sie haben können. Immer wieder wird der Leser aufgefordert, sein Wissen zu vertiefen,  auch querzulesen, also nicht alles als gegeben hinzunehmen. Jede Pflanze wird in einem Steckbrief mit Foto und Zeichnung, dem Namen in Deutsch und Latein, der Verbreitung und Blütezeit vorgestellt. Das Hauptaugenmerk liegt anschließend auf der kulinarischen Verwendung, hier eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten, ein Füllhorn an Informationen, Vorschlägen und Ideen. Kurz und knapp danach die Verwendung in der Medizin. Auch auf Verwechslungsgefahren wird hingewiesen, immer wieder die Mahnung zur Wachsamkeit. 
Das Sammeln der Pflanzen ist zeitaufwendiger, als einen Salat einzukaufen, warum sich also die Mühe machen? Ein Blick auf die Inhaltsstoffe im Vergleich mit Kulturpflanzen bereitet so manche Überraschung. Die Brennnessel z. B. kennt jeder, wenn man nun bedenkt, dass 100 g des frischen Krautes um die 600 mg Calcium, 7,8 mg Eisen und Vitamin C ca. 330 mg enthält -  Spinat dagegen ca. 120 mg Calcium, Eisen 4,1 mg und Vitamin C ca. 50 mg. So wird schon anhand dieses kleinen Beispiels deutlich, dass die Überlegenheit, der Reichtum an Mineralien und Spurenelementen Grund genug ist, die im Buch beschriebenen Pflanzen mehr in den Speiseplan einzubinden. Natürlich bringen es nicht alle Wildpflanzen auf Spitzenwerte, aber sie bringen Abwechslung in die Küchen.

Es ist das Standartwerk in diesem Themengebiet. 
Immerhin 2000 Pflanzen haben darin Platz, auch die, die eigentlich geschützt sind. Sie werden in einem gesonderten Kapitel behandelt. „Art im Bestand gefährdet“ – heißt „Unter Naturschutz stehend“. Dies ist mir zu wenig deutlich gemacht. Ein signifikanter Hinweis in dieser so wichtigen Sache wäre wirklich angebracht, um von vornherein das Bewußtsein für den achtsamen Umgang zu wecken.  Mit  ca. 570 Fotos und 450 Zeichnungen ist man in der Lage, die gängigen Pflanzen zu erkennen, bei Unsicherheiten soll ein Bestimmungsbuch zu rate gezogen werden. Das Werk ist es bestens geeignet für jeden, der die wilde Flora Mitteleuropas unter dem kulinarischen Aspekt neu entdecken möchte. Die Vielfalt unserer Heimat an essbaren, ungezähmten Pflanzen gilt es zu unbedingt zu schützen, daher ist ein sorgsamer, verantwortungsbewusster Umgang mit den Geschenken der Erde unabdingbar. Sehr positiv überrascht hat mich die Bemerkungen zum Fuchsbandwurm. 


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Enzyklopädie essbare Wildpflanzen. - 2000 Pflanzen Mitteleuropas. Bestimmen, Sammeln, Inhaltsstoffe, Heilwirkung, Verwendung in der Küche. Autoren: Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann und Roland Spiegelberger

700 Seiten, AT Verlag; Auflage: 1. Auflage (29. April 2013), Deutsch
ISBN-13: 978-3038007524
Bemaßung: 20,9 x 4,8 x 27,3 cm
Preis: 59,90




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