Beim Windmüller in luftiger Höh´ Eine kleine Plauderei über Wind und Mühlen von Gerhard Albrecht, Zeitz

Beim Windmüller in luftiger Höh´
Eine kleine Plauderei über Wind und Mühlen von Gerhard Albrecht, Zeitz


Es gibt noch Windmühlen in unserem Heimatkreise. Viele führen ein behagliches Dasein und werden nur gelegentlich zum Schroten aus ihrer Ruhe geweckt. Doch sie beleben die Landschaft und geben ihr einen romantischen Reiz. Manche Windmühlen sind ihres Wahrzeichens. ihrer Flügel beraubt, der Elektro- oder Dieselmotor treibt jetzt die Mahlgänge in ihrem inneren. Andere jedoch sind bereits zerfallen und blicken Sterbenden gleich trostlos in die Weite. Man tollte sie ganz abbrechen, oder — als technische Denkmale erhalten.

Wer aber einmal die Gleinaer- oder Geußnitzer Straße entlang wandert, wird am Horizont eine Windmühle entdecken, die so lustig ihre Flügel dreht, als gebe es kein Windmühlensterben. Es ist die Bockwitzer Mühle. Sie steht auf einer Anhöhe 260 in über dem Meeresspiegel, dem Galgenberg.

Die Überlieferung berichtet, dass dort Freitag nach Pfingsten 1570 die Hexe von Suxdorf, Eva Geißler, eine "alte Fedtell" verbrannt wurde. Diese Berge, die den Galgen trugen, sind Plätze des Schreckens für die vielen unschuldig Verurteilten gewesen, denn Richter waren die Feudalherren; hier die Gutsherren von Wildenborn.

In dem vaterländischen Freiheitskriege 1813 gewann die Höhe am 28. September für die von dem Kosakenkorps Platow bei Altenburg zurück gedrängte und vom .Reiterkorps Thielemann hei Spora in der Flanke gefasste französische Garde unter Lefèbre Bedeutung. Die 2 Batterien der Franzofen waren auf diesem beherrschenden Punkt in Stellung gegangen und versuchten durch lebhaftes Feuer vergeblich den Rückzug zu decken.

Erst seit dem Jahre 1826 trägt die Höhe eine Mühle. Zunächst wurde eine Bockwindmühle errichtet; jetzt steht dort eine Holländermühle. Sie ist wahr wahrscheinlich 1836 erbaut worden, denn die Windfahne trägt diese Jahreszahl. Suxdorfer Mühle heißt sie auch, weil sie auf Suxdorfer Flur, obwohl in unmittelbarer Nähe von Bockwitz steht.

1947 wurde das nunmehr 3 stöckige Steinhaus um 3 1/2 Meter erhöht, darüber wölbt sich das 3,60 m hohe Turmwindmühlendach, dass die Flügelwelle mit den gewaltigen Flügeln trägt. Das gesamte Bauwerk ist somit etwa 16 m hoch. Der Windmüller hat mit dem Fortschreiten der Technik Schritt gehalten. Das Windkreuz, das Flugzeugtragflächen ähnelt. hat einen Durchmesser von 20 m. die Flügelflächenlänge beträgt 8 m und die Breite 1,90 m. Es ist ein nach den modernem aerodynamischen Erkenntnissen gebautes Bilau-Ventikantenkreuz mit Drehheck und erlaubt Ausnutzung geringerer Windstärken bereits ab 2 1/2 m/sec. Häufig kann die erzeugte Energie gar nicht voll ausgenutzt werden.Bei Windstärke 4 (10 m/sec) leistet das Flügelkreuz etwa 30 PS und bei Windstärke 6 (15 m/sec) zwischen 40 und 60 PS. Das bedeutet eine jährliche Stromersparnis von ungefähr 33%, was 15000 kwh entspricht.


Bei Windstille - man rechnet im Allgemeinen in unserer Gegend mit 2/3 Windtagen und 1/3 windstillen Tagen im Jahr - wird die Mühle natürlich elektrisch angetrieben. Dem Flügelkreuz gegenüber ist eine Windrose angebracht, das sind kleine Flügelräder, die senkrecht zum Hauptkreuz stehen, sie steuern das Flügelkreuz selbständig in die Hauptwindrichtung.

Um jedoch dem Druck übergroßer Windstärken zu begegnen, wurden bei Windmühlenflügeln die Jalousien gezogen, das Ventikantenkreuz ist aber mit einem Drehheck versehen, durch welches bei zu hoher Drehzahl durch Schleudergewichte eingewinkelt wird und dadurch der Drehbewegung entgegenstellt. Die ersten Versuche mit solchen Flügelkreuzen sind natürlich nicht ohne Bruch abgegangen - jetzt ist die Konstruktion sturmsicherer. ….

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