Freitag, März 02, 2012

Eisenhut - Aconitum napellus


Eine wahre Schönheit habe ich voriges Jahr wild wachsend entdeckt, und nicht nur einen, ganz gesellig standen sie beieinander: der blaue Eisenhut. So schön wie er ist so giftig ist er auch: er gehört neben dem Fingerhut zu den giftigsten Pflanzen unserer Heimat, so ist es nicht verwunderlich, dass er im Altertum Bestandteil von Gifttränken und "Hexensalben" war. Die in Asien heimischen Arten sind noch etwas giftiger und wurden als Pfeilgift benutzt. Die Mauren nannten es Schiesskraut, denn war getroffen war, den holte der Schnitter. Seinen Namen hat der Eisenhut vermutlich durch die auffallende Form seiner Blüten erhalten, die übrigens perfekt den sie bestäubenden Insekten - den Hummeln angepasst sind. Die Blüten jedenfalls ähneln den Helmen der Landsknechte des 15. und 16. Jahrhundert. In der der nordischen Mythologie darf eine so mächtige Pflanze nicht fehlen, hier Wotanshelm genannt, die Blüte machte den Gott unsichtbar. Hier ein Auszug aus dem Buch "Die Mythologie der Germanen: für gebildete und die Studierende Jugend - von Konrad Schwenck". Dort heißt es:
"Vom Reisen, könnte man vermuthen habe Odin den breiten Hut (er hat den Namen Sidhöttr d. i. Breithut), weil für das viele Reisen ein Hut sich eigne. Von einem Reisehut aber findet sich keine Spur. Wohl aber hat Odin auch den Helm als Gott der Schlachten und heißt daher "Hjalmberi" Helmträger, Grimr und Grimnir, der Verlarvte, maskierte. Letzteren Namen hat er gleich der Walküre Grimhildr, deren Name wörtlich Larv-Kriegerin bedeutet. Den Breithut jedoch trägt der Krieger nicht und unter den Göttern ist er Odin allein eigen. Da er ein Gott des Todes und der Unterwelt ist, so dürfen wir den Hut des Gottes in dieser Eigenschaft annehmen, falls er sich geeignet finden sollte, und wir begegnen wirklich in den Volkssagen einem Wunschhut, Wünschelhut, der also dem Todtenwähler, dem Odin Wunsch gehören kann, und wirklich ohne Beziehung auf diesen Gott in seiner Entstehung schwer zu erklären wäre. Der Hut hat die Eigenschaft, den welcher ihn auf dem Haupte trägt, unsichtbar zu machen und wahrlich der Gott Wunsch macht alle die, welche er führt, unsichtbar".

Und in "Der Waldkultus und die Linde in der Geschichte: in Sagen und Liedern - von Jos Funcke" heißt es: "in Odins Helm erkennt man leicht den lichten Himmel, in seinem Hute, den er über sein Antlitz drückt, die wolkige Atmosphäre des Nordens, und in seinem Auge die Sonne".  Selbst der Teufel soll sich, einer russischen Legende nach, in der Blüte vor Gabriel versteckt haben, als er aus dem Himmel vertrieben wurde, Der Erzengel durchschoss die Blüte mit einem gewaltigen Blitz und der Teufel lief davon.
Auch über die Entstehung des Eisenhutes weiß die Mythologie zu berichten: "Kerberos ein scheußlicher Hund der drei oder gar fünfzig Köpfe hatte. Um seinen Hals und Rücken flatterte eine Mähne von zischenden Schlangen, sein Hintertheil endigte sich in einen gewaltigen Drachenschwanz. Er lebte in der Unterwelt wohin die Seelen der Abgeschiedenen versetzt wurden. Jeden Eintretenden ließ er ein; nur die noch Lebenden schnaubte er an, wenn sie ihn nicht mit Mohn und Honigkuchen besänftigten. Aber die welche die Unterwelt verlassen wollten, fasste er grimmig und verschlang sie. Herakles holte ihn einmal aus dem Tartaros heraus, indem er seine drei Köpfe zwischen den Knien zusammendrückte. Von dem Geifer, welchen das Unthier ausspie als es das Licht der Oberwelt, erblickte entstand die giftige Pflanze Eisenhut" (Quelle: Friedrich Nösselt's Lehrbuch der griechischen und römischen Mythologie für höhere Töchterschulen und die Gebildeten des weiblichen Geschlechts").
All die Legenden zeigen, dass man Respekt vor der Giftigkeit der Pflanze hatte und hat, so dass sie therapeutisch heute kaum noch - außer in Asien - eingesetzt wird. In der Homöopathie freilich kommt er vor, ist aber in Dosen bis D3 verschreibungspflichtig. Die Giftmischung enthält einige Alkaloide in stark schwankender Menge. Das Hauptalkaloid ist das ACONITIN. Die Volksmedizin nennt mögliche Anwendungsgebiete bei Entzündungen der Haut und Schleimhaut, als Desinfektionsmittel, bei Fieber ect. Man kann wirklich nur deutlich sagen: FINGER WEG! - er steht sowieso unter Natuschutz. Vergiftungen enden qualvoll und unter stärksten Schmerzen bei vollem Bewusstsein.


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