Montag, März 14, 2016

Der Tannen Tau - Gedicht

Im gleißend Morgenlichte
da hab ich es gesehen:
An dunklen, grünen Tannen
viel Wassertröpfchen stehen.

Der Nebel brachte sie dahin
und auch auf Wald und Wiesen.
Aus funkelnd Kugeln wurde Eis,
aus Kleinen wurden Riesen.

Sie hängen da wie Eine,
zusammen sind sie groß,
an der gewaltgen Tanne
all aus der Erde Schoß

So wie es über Nacht gekommen
verschwand es mit dem Lichte,
Doch fühlbar ist ein Neubeginn,
so wars schon oft in der Geschichte.

Mit jedem neuen Nebel
werden ihrer immer mehr
Wenn genug beisammen sind,
Vertreibt kein Flimmern mehr das Heer.

Hetze, Lüge, Kriegsgeschrei,
der Schrecken aller Mütter,
aus vielen tausend Kehlen schallt
Tosend wie ein Gewitter.

Nicht das Klagen unsrer Kinder,
nicht das Mahnen unsrer Alten
nicht das Wehe! unsrer Mütter
wird vom Kampfe uns abhalten.

Falsch Zeugnis bringet Hass,
und schrecklichste Gefechte.
Wenn sie all' gefallen sind,
weiß keiner: wer war denn nun der Rechte?

Schuldig ist, wer es getan,
und die, die sahen auch nur zu,
Unter einem Leichentuche
finden endlich alle Ruh'.

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