Sonntag, November 04, 2012

Wandernde Pflanzen

Ich bin bekennender Wolf-Dieter Storl-Fan. Seine Bücher sind ein Quell unendlichen Wissens, welches meinen Horizont immens erweitert. Er hat es geschafft wie kein Zweiter naturgegebene Fakten, die mir bewusst waren, in Worte zu kleiden und mir dadurch noch bewusster zugänglich zu machen. Wenn man ihm folgt, dann lernt man andere Wahr- und Wirklichkeiten über die Flora vor unserer Haustür.
Eins der wunderbarsten Bücher ist der Titel "Wandernde Pflanzen". Bisher habe ich nicht gewusst, dass so viele Pflanzen, die wir von klein auf kennen, Einwanderer sind. Nehmen wir als Beispiel die allen bekannte Kornblume, deren Bild fest verbunden ist mit den unendlichen bis an den Horizont reichenden Weizenfeldern auch meiner Kindheit. Da gab es sie noch, diese blaue Schönheit, mit den filigranen Blütenblättern, die sich im Winde im wogenden Getreidemeer von Weiten sichtbar auf und nieder wiegte. Vermisst habe ich sie hier im Allgäu, und doch fand ich sie, nicht im Weizen, den gibt es in "meiner" Ecke hier nicht, da Weideland, sondern in einer bunten Mischung auf einer Verkehrsinsel stehend, nun lese ich, sie ist eingewandert. Oder die Echte Kamille, auch sie ist eingewandert und geblieben. Selbst der Gute Heinrich, den viele als Wildkräuterlein in diversen Gerichten schätzen, ist mit den Römern mitgereist und einheimisch geworden, Schöllkraut, Katzenminze, Kalmus, Hopfen, sie alle sind Neophyten. Die Liste ist sehr lang. Wir erfahren Wanderpflanzen als Bereicherung, als Ergänzung, lernen wie wichtig sie in ihrer Heimat sind, es werden Fakten widerlegt: wie z. B. die Mähr vom Essigbaum - Rhus typhina, der angeblich giftig sein soll, für die Indianer ist er eine der wichtigsten Heilpflanzen, von der Wichtigkeit kann man ihn gleichsetzen mit dem Schwarzen Holunder, so kann man lesen. Die aufgeführten Anwendungen, Heilmittel und Rezepturen sind so vielschichtig. Bleibt man beim Beispiel des Essigbaumes so erfahren wir, dass er unter anderem gegen Soor, Durchfall, innere Blutungen, Zahnschmerzen, Hämorrhoiden, Halsschmerzen, Rheuma, fiebrigen Erkrankungen, entzündlichen Hautproblemen und Tripper hilft. Und das ist längst noch nicht alles. Z. B. kann man pinkfarbene Limonade mit reichlichem Vitamin-C-Gehalt kann man aus den Früchten zubereiten, wie das geht und alles Wichtige um Mythologie, weitere Anwendungsmöglichkeiten rund um den Erdball sind akribisch genau zu jeder Pflanze aufgeschrieben. Das Buch ist absolut lesenswert. Die Natur macht es uns vor, nicht das "Fremde" ist zu fürchten, sondern nur die Unart, wie zu oft damit umgegangen wird. Wenn ich heute im Wald z. B. das so unbeliebte Springkraut sehe, das Herr Storl Himalajabalsam nennt, dann schau ich es, dank ihm mit, anderen Augen an. Eine Leseprobe und noch viel mehr gibt es auf seiner Website.


AT-VerlagISBN: 978-3-03800-680-0
Einband: Gebunden
Umfang: 250 Seiten
Format: 15.5 cm x 23.5 cm


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