Freitag, Februar 14, 2014

Giftcocktail Körperpflege - Unbedingt lesen!

Das Bestreben den Körper mit Haut und Haar möglichst lange dem gerade angesagten
Schönheitsideal anzupassen und den erreichten Zustand zu erhalten zieht sich wie ein roter Faden durch alle Kulturen und Epochen. Er treibt gar wunderliche Auswüchse. Ein sehr bekanntes Beispiel sind die Lotusfüsschen der Chinesinnen, über die die Europäer erstaunt den Kopf schüttelten. Ebenso dürften sich die Damen Arabiens in ihren den Körper umschmeichelnden Gewändern mit Sicherheit über die Sinnhaftigkeit des Korsetts Gedanken gemacht haben. Wenn man sich etwas mit der Geschichte der „Kosmetik“ befasst, liest man staunend von z. B. Bleiweiß in alten Büchern, bedauert die armen Geschöpfe, die um der Mode willen Schönheit und Gesundheit opferten, vor der Zeit alterten, blind wurden, ja sogar wegen diverser Mittelchen gestorben sind. Das war einmal möchte man meinen, wir leben ja in aufgeklärten Zeiten, weit gefehlt. Schönheit ist ein Produkt mit Vermarktungsstrategie geworden, es hat neue Berufe hervorgebracht und Arbeitsplätze geschaffen, global versteht sich. Längst sind bekannte Hersteller große Konzerne, die in erster Linie eins sind: gewinnorientierte Unternehmen, denen es gänzlich egal zu sein scheint, das ihre Produkte ganz und gar nicht den Aussagen gerecht werden, mit denen sie die aufwendig designeten Packungen schmücken. Eine ganze Armada von Spezialisten tüftelt die wirksamsten Psychofinten aus um den nichts ahnenden „Verbraucher“ hinters Licht zu führen, ihm etwas vorzugaukeln. 


Dass es schlimm ist, wusste ich. Aber so! in diesen Ausmaßen, das übertrifft alles. Was Marion Schimmelpfennig da so mutig recherchiert und publiziert hat wächst mit jeder Seite des Buches zu einem monströsen Irrsinn an. Alles ist alles gründlich belegbar. Man vergiftet uns täglich, stündlich, in jeder Minute, nur um die äußere Hülle angeblich jung, vital, schön und gesund zu erhalten. Nicht einmal vor den Kleinsten macht der Pflegewahn Halt. Da redet man davon, die empfindliche Haut schützen zu wollen, präsentiert Produkt auf Produkt mit zweifelhaftester Zusammensetzung, immer schön an das Gewissen der Eltern appellierend. Die getäuschten Eltern, die ja alles richtig machen wollen, glauben den Versprechungen. Als ob Mutter Natur in ihrer Trickkiste nichts hätte, den Unbilden der Witterung zu trotzen, wird aggressivste Chemie zusammen gepanscht, obwohl man von der Toxizität, karziogene oder allergieauslösenden Wirkung weiß. Täglich wird Haar, Haut und Nagel zugeschmiert, angemalt, gefärbt, gebleicht, gepudert, mattiert, gesprayt, desodoriert und weiß der Teufel was sonst noch, nur um eins zu bedienen: das Bankkonto der Hersteller, die sich nicht darum scheren, ob der arme Verbraucher irgendetwas in seinem Körper anreichert und dieser sich dann mit Krankheit und Siechtum revanchiert

Das Schlimme ist, ich glaube nicht, dass es möglich ist, die Mehrzahl der Verbraucher zum Umdenken anzuregen, weil es ihnen schlicht und ergreifend egal ist. Ich hatte in den letzten Wochen wirklich viele Gespräche, schon wenn man im Discounter steht und die Zusammensetzung studiert wird man angesprochen. „Das ist mir egal, ich möchte gut riechen und schön aussehen“ war die Antwort. Oder: „Naund, ich mach es ja abends wieder ab“. Oder: „Das ist eben so“. Der wirklich mit Abstand saudämlichste Satz den ich in diesem Zusammenhang gehört habe war: „Die Chemie macht die Biologie erst nutzbar.“ Da ist wirklich alle Zeit und Mühe vertan. Wenn schon nicht diese Menschen die Verantwortung für sich selbst und ihr Tun übernehmen wollen, warum sollten es denn bitteschön die Fabrikanten tun? Wo kein Kläger, da kein Beklagter, sagt das Sprichwort. Und wie Einstein schon sagte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“ Neben der Dummheit dürfte die Profitgier aber noch viel unendlicher sein als eben jene, dazu gesellen sich Naivität, Unvorsichtigkeit und Urvertrauen auf der anderen Seite. Wenn man dann noch das Glück hat und kann etwas weiter ausholen, nennt Beispiele, ja dann werden Bauklötzer gestaunt. Nur diese dann auch noch zusammenzusetzen und endlich aufzuwachen - Himmel hilf. Das kann es doch wirklich nicht geben, dass man den Mensch nicht vor solchen Elementen schützen kann. Wo bleibt denn bitte die Politik? Das wäre doch mal ein neues Thema, dass sich die Grünen ganz groß auf ihre Fahne schreiben können: Verbraucherschutz, der tatsächlich einer ist. Oh, ich fühl es in mir kochen und brodeln, stocksauer bin ich und gleichzeitig froh, meinem Instinkt vertraut zu haben. Ich frag mich, was das für Leute sind, ob die niemals Grenzen kennen lernen durften. Es gab ja in der Vergangenheit Puplikationen zu diesem Thema, man sollte doch meinen, es habe sich etwas getan. Von wegen. Und wenn ich auch nur einen Teil des Buches Glauben schenken will, meinetwegen auch nur einem Viertel, so ist das immer noch schlimm genug, dass was man zu wissen glaubte aus den Angeln zu heben und mit den ganzen bunten Plastikpackungen in die Mülltonne zu werfen. Dr. Rüdiger Dahlke, Arzt, Psychotherapeut und Autor zahlreicher erfolgreicher Bücher, hat ein umfangreiches Vorwort geschrieben, das verdeutlicht nochmals die Wichtigkeit des Buches. Ich denke nicht, dass er sich dazu hinreißen lassen würde, wenn es nicht wirklich so wäre wie geschrieben. Sehr gut ist auch die Übersichtstabelle die ganze 30 Seiten umfasst und damit das Nachschlagen leicht macht.

Jeder der mehr ist als ein „Verbraucher“, jeder der sich Gedanken um die Zusammenhänge von Umwelt und Gesundheit macht, der kommt um diese eindrucksvoll beschriebenen schrecklichen Wahrheiten nicht herum. Wir alle haben es selbst in der Hand, wir sind viele, wir haben gemeinsam die Macht, etwas zu ändern! Zeigen wir den Herstellern, das wir das nicht wollen, lassen das Zeug da wo es steht, dann können die sich ja damit krank und womöglich zu Tode pflegen. Ich möcht´ wetten, die lassen an ihre Haut nur Wasser ... und sonst nix.  Danke für das Buch!

Ein Stück Seife selber zu "sieden" oder sich ein Cremchen zu rühren, ist wirklich nicht schwer. Fast alles was du dazu brauchst gibt es deiner Küche. 

Kommentare:

  1. Und ich danke IHNEN für diese wunderbare Buchbesprechung, die ich eben entdeckt habe!

    Ja, es ist zum Haareraufen, wie viele Menschen man trifft, denen es egal zu sein scheint. Aber die Hoffnung stirbt für mich nicht zuletzt, sondern nie. Wenn ich daran denke, dass die erste Auflage bereits nach gut zwei Monaten verkauft ist und auf Facebook nach zwei Monaten bereits weit über 700 Menschen jeden Tag News zum Thema mitverfolgen, dann ist das doch mehr als nur ein Hoffnungsschimmer! ;-)

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  2. Ich danke Ihnen für dieses Buch. Ich weiß nicht, ob ich so mutig wäre. Respekt!

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