Donnerstag, April 18, 2013

Kleefest in Würchwitz - Müller ließ die Puppen tanzen

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung – Abschrift vom Montag, 22. Juni 1998
Kleefest in Würchwitz - Müller ließ die Puppen tanzenVom „Therapiezentrum“ trafen sich Anders- und Weiterdenkende zum 22. Mühlengespräch


von unserer Redakteurin MEINARDT


Würchwitz/MZ. Arabischer Kaffee, libanesischer Bauchtanz, kubanische Entwicklungshilfe und kulinarische Kostbarkeiten boten die diesjährigen traditionellen Mühlengespräche im Rahmen des Würchwitzer Kleefestes. Die Mühle als Ort um sich über Gott und die Welt auszutauschen, um verrückte Ideen nach zujagen, oder um sich einfach wieder zusehen. Insider und Querdenker, Stars und noch nicht entdeckte Talente hauchten der alten Mühle Leben ein, verwandelten sie ein „Therapiezentrum‘ der Moderne.

Alte Bekannte in der 22. Auflage. So kamen Puppenspieler Frieder Simon, Filmemacher Klaus Dörrer und Historiker Wolfgang Velcherling kamen nach gut 20 Jahren wieder. Frieder Simon ließ seine Puppen tanzen, nahm den Aufschwung Ost und die Fußball-WM aufs Korn: Im Unterschied zum Fernsehen sind meine Akteure käuflich.“

Klaus Dörrer begab sieh auf Fröbels Spuren, besuchte den erster Garten der Kinder der Welt in Blankenburg, und bannte Fröbels Aktualität auf Zelluloid.“ Es ist die Frage nach neuen Spielformen und Lernmethoden für Heranwachsende in einer medienüberfluteten Zeit“, philosophierte Dörrer über sein Werk. Doch längst hielten die neuen Medien auch in der Mühle Einzug. So entführte Hendrik Wahl die Zuschauer in eine virtuelle Computerwelt, flimmerten Videos und Filme über die Leinwand. Die Zeitzer Band „Down Town“ stellte ihren neuesten Song vor. Die Lukaer Tanzmäuse um Steffi Pöschel brachten Glanz ins alte Gemäuer, in Palliettenbestickten Kleidern gaben sie sich den heißen Rhythmen hin. Und für Sängerin Michaela Sangl aus Neuseeland war die Mühle praktisch die Generalprobe zum Turneeauftakt. Rhythmenwechsel hin zur Klassik.

Den eigentlichen Ohrenschmaus boten Prof. Mathilde Erben (Klavier) und Cornelia Erben (Flöte). „Sonst fahren wir ins Gewandhaus nach Leipzig, um die Erbens zu hören“, so Bürgermeister Friedrich-Karl Steinbach nach der Darbietung sichtlich gerührt. Unscheinbar auf der Treppe sitzend beobachtete Müller Eberhard Oertel das bunte Treiben. Wie der Gastgeber erzählte, sollen sich die Flügel der Windmühle im Jahr 2000 wieder drehen. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um den anwesenden Spendern für ihre finanzielle Unterstützung zu danken.

Brechend voll war am Abend der Würchwitzer Saal zum Kleefesttanz. Alte deutsche Schlager lebten mit „German Dance House“ auf. Arnulf Wenning und seine beiden Tänzerinnen ließen den Saal beben, die Fangemeinde sang und tanzte mit. Danach spielte die CHE-Formation zum Tanz auf.

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