Donnerstag, März 14, 2013

Schlüsselblume - Primula veris

Im Frühling blüht sie, gelb und zart, man sagt wer genau hinhört vernimmt himmlische Klänge, ist sie die Blume der Nixen, Elfen, Undinen und Najaden. Sie ist eine der Pflanzen, über die man wenig in den Werken der Antike liest, wohl aber in den Schriften des Mittelalters. Der Arzt Becker beschreibt um 1662 die Eigenschaften als wärmend, trocknend, erweichend und schmerzstillend. Kräuterpfarrer Kneipp sieht das ebenso, so soll die Pflanze nach Barton und Castle (2. Hälfte / 19.Jhd.) früher als mildes Nervin und Narkotikum, bei Lähmungen, Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit genommen, Der Name kommt vom lat. 'Primula' , welches sich vom lat. 'primus herleitet. Das bedeutet `der erste', weil die Pflanze zu den ersten Blumen, die im Frühling - lat. 'veris' – blühen. Sie wächst überall in Mitteleuropa bis hinauf in die Gebirgszüge Südeuropas in vielen verschiedenen Arten. Im deutschen Volksmund heist man sie auch Aurikel, Erdprimel, Frühlingsschlüsselblume oder Himmelschlüssel In der Apotheke bekommst du die Pflanzen wenn du Radix Primulae, Rhizoma Primulae, Rhizoma cum radicibus Primulae oder Primulae flos verlangst.

Anwendung: 

Innerlich bei: Katarrhen der Atemwege. 

Die Volksmedizin kennt noch die Anwendung bei: Schlaflosigkeit, Herzproblemen, Angstzuständen, Schwindelgefühl, Beruhigungsmittel bei Gliederzittern, Kopfschmerzen, Neuralgien.

Homöopathie: bei Kopfschmerzen und Hautausschlägen.

Dosierung: Erwachsene


Einzeldosis: 1g 
Tagesdosis: 3g 

Als Bronchialtee mehrmals täglich 1 Tasse Tee: 2 - 4g Droge werden mit kochendem Wasser übergossen und nach 10min seihen, langsam schluckweise trinken. (1 Teelöffel ca. 1,3g).

Bei Allergien gegen Primeln nicht anwenden-

Inhaltsstoffe


- Triterpensaponine (bis 2% in den Kelchblättern)- Flavonoide (ca. 3%): u.a. Rutin, Kämpferol-3-O-rutinosid, Isorhamnetin-3-O-glucosid, Isorhamnetinrhamnosylrobinosid, Isorhamnetinrobinosid, Isorhamnetinrutinosid, Kämpferolrobinosid, Limocitrin-3-O-glucosid, Quercetingentiobiosid, , Quercetin-3-O-glucosid, Quercetinrobinosid- Primin


Quellenangaben: Deutsches Arzneibuch (1998) & Wichtl M (Ed) Teedrogen. 4. Aufl., Wiss. Verlagsges. Stuttgart 1997

Hinweis: Alle Angaben dienen nur zur Information!  


Und noch ein literarisches Fundstück gefunden auf Sagen.at

SANKT GANGOLF UND DIE MILSEBURG

Die Milseburg ist ein mächtiger Klingsteinberg der Rhön, den man in weiter Ferne mit seiner eigentümlichen Form über seine Nachbarberge emporragen sieht. Diese Form gleicht einem der hochgetürmten Heuwagen, welche im Juni so zahlreich von den grasreichen Flächen des Hochgebirges in die näheren und ferneren Talorte fahren, und heißt deshalb das Heufuder. Er gleicht aber auch einem Sarge und wird darum vom Volk die Totenlade genannt. Gleich andern Hochgipfeln dient der Berg den Umwohnern als Wetterprophet, und diese sagen stets richtig Regenwetter voraus, wenn die Milseburg raucht oder, nach dem Ausdruck des gemeinen Mannes, Klöße kocht. Viele Heilkräuter und sonstige seltene Pflanzen wachsen auf diesem Berge, und viele Sagen gehen von ihm im Munde des Volkes um. Daß aber der Berg eigentlich Melusinenberg heiße, wie einige geschrieben haben, ist ein ersonnen Märlein und ein Diftlerlug; das Rhöngebirg kennt keine Melusine, und Melusine war eine Wasserfeine, keine Bergidise oder Waldividie. Da der heilige Gangolfus diesen Berg zum Lieblingsaufenthalt erwählt haben soll, so heißt er auch der Gangolfsberg, und es wurde die auf seiner Höhe stehende kleine Wallfahrtkapelle, welche im Jahre 1493 erbaut sein soll, diesem Heiligen geweiht. Vor langen Zeiten stand auf der Höhe des Berges eine Ritterburg, bewohnt von wilden Raubgesellen, die auf dem von der Natur durch fast unersteigliche Klippen geschirmten Felsenhorst lange ungestraft ihre Untaten zum Schrecken der ganzen Gegend verübten. Wer diese Burg erbaute und wann sie zuerst erbaut wurde, weiß niemand zu sagen. Der heilige Gangolf brachte auch einen gar schönen, frischen und heilkräftigen Quellbrunnen auf die Milseburg, und es trug sich damit gerade so wunderbarlich zu wie mit dem Grafen Gangolf in Languedoc, so daß die Sage jenes Landes hier am hohen felsreichen Rhöngebirge ein treu erwiderndes Echo gefunden hat. Auf der Milseburg befindet sich auch des heiligen Gangolfs Keller, aber an welcher Stelle, weiß niemand zu sagen. Er ist voll großer Schätze, aber verwunschen und verschlossen. Keiner weiß ihn zu finden. Einst war eine alte Frau so glücklich, mittelst einer Schlüsselblume, die sie zufällig pflückte, diesen Keller zu entdecken. Sie sah ihn plötzlich offenstehen, doch ging sie nicht hinein, denn es kam ihr ein Grauen an, und sie ging von dannen, andern anzusagen, was ihr begegnet war und was sie gesehen hatte. Alle, welche die Mär hörten, verwunderten sich, und viele folgten der Alten an den Ort, aber da war der Keller wieder verschwunden, und nimmermehr fand die Alte jene Stelle wieder.

Aber nicht allein auf der Milseburg hat Sankt Gangolf seine geweihten Stätten, zwischen Hildenburg und Oberelsbach liegt der Gangolfsberg mit den Trümmern des Gangolfsklosters unter einer natürlichen Felsengrotte, welche auch der Gangolfsbergkeller heißt. Auch dieses Kloster wurde im Bauernkriege zerstört. Nicht weit davon ist die Teufelskirche oder das steinerne Haus, über dem Dörfchen Ginolfs bei Weißbach gelegen. Es stellt sich hier eine Basaltzertrümmerung in höchst malerisch übereinander aufgehäuften Säulen in großer Regelmäßigkeit des fünf- und sechskantigen Gesteins dar, das bis zu vierzig Fuß hoch aufgestapelt ist. Davon meldet die Sage des Volkes: Einst wollte man drunten im Tale eine Kirche erbauen und fuhr fleißig Steine zu dem Bauplatz hin. Darüber erzürnte sich der Teufel mächtiglich und trug jede Nacht ebensoviele Steine vom Platz hinweg und auf diese Berghöhe, wo er sie also neben- und ineinanderschichtete, daß man keinen davon hinwegnehmen konnte, und kein Mensch vermochte die Steine wieder herunterzuschaffen. Man spricht insgemein, daß da, wo der Teufel seinen Stein hinlege, es vergeblich sei, diesen hinwegzunehmen, denn sooft das auch geschehe, ebenso oft lege der Teufel denselben Stein oder einen andern an die nämliche Stelle.

Wo aber der Teufel sich also eingenistet, daß er, wie hier, sogar eine Kirche hat, da hat er auch, wie auf dem Harz und dem Thüringer Walde, insgemein noch sonstige Besitztümer und Errungenschaften, so auch auf dem Rhöngebirge, von denen manche Sagen gehen.


Quelle: Ludwig Bechstein, Deutsches Sagenbuch, Leipzig 1853 

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