Samstag, März 16, 2013

Bodenschutz /Gülletourismus



Was für ein Frühlingstag! Heute war es direkt wunderbar, die Sonne lachte vom Himmel, also raus aus grauer Hütten Mauern, hinaus in Wald und Flur, einen Ausflug gemacht. Was dann allerdings ums Näschen wehte war nicht etwa eine zarte Briese voller zarter Frühlingsdüfte nach den ersten Blumen und aufbrechender Erde, nein es war massiver Gestank. So wenig ich die kalte Jahreszeit schätze, so freu ich mich doch immer wieder auf ein halbes Jahr gestankfreien Daseins. Es ist wieder so weit, die gesammelte Gülle der Wintermonate wird nun schrittweise ausgebracht, mancher hat da schon mehr als genug und schüttet es auch schon mal auf den Schnee. Sogar in einen der örtlichen Bäche habe ich es schon einleiten sehen, das darf man definitiv nicht. Nach dem der Gestank ja nun so penetrant an den Klamotten und Haaren anhaftet, stinkt es mir natürlich jedes Mal. Aber: auch weiß die Vorzüge von Milch, Butter & Co zu schätzen und dachte, wenn man eine Ahnung hat, dann fällt es vielleicht leichter.


Grundsätzlich unterscheidet man schon mal zwei Gruppen organischen Dünger: Wirtschaftsdünger ist der Eine, er kann z. B. aus Gülle, Stallmist, Sickersäften und Stroh oder Gründünger bestehen. Dann noch Sekundärrohstoffsdünger, dieser kann Kompost, Klärschlamm - so riecht es dann manchmal - Knochenmehl usw. enthalten. Die Zusammensetzung und der Stickstoffgehalt hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab: u. a. welche Tierart gehalten wird, wie sie gefüttert werden, welche Einstreu verwendet wird... Wenn die Gülle gelagert wird – im Lachele, so heißt das Behältnis im Allgäu, fängt sie an zu gären, wodurch der organische Stickstoff nun mineralisch gebunden wird. Ein großer Anteil des Stickstoffes liegt in Form von Amonium vor, der von den Mikroorganismen im Boden zu Nitrat umgebaut wird. Ihre Aktivität ist von der Bodenfeuchte und der Temperatur abhängig. Trockenheit und Hitze wirken sich nachteilig aus, da so erhebliche Verluste durch Ausgasung entstehen. Frost oder starker Regen verhindert das Eindringen des Düngers in den Boden. Die Ausbringung mit Schläuchen verursacht weniger Geruchsbelästigung = weniger Verlust, als die mit einem alten Tellervernebler. Nitrat besteht aus Stickstoff und Sauerstoff, diese Verbindungen sind für das Wachstum der Pflanzen wichtig. Nitrat und Nitrit können im Körper zu Nitrosaminen umgewandelt werden, welches krebserregend wirkt. Der Grenzwert in der EU liegt bei 50 mg pro Liter Wasser, lt. WHO gilt eine Aufnahme von 220 mg am Tag für einen Erwachsenen (Kinder??) als unbedenklich. Wie viel Nitrat im Trinkwasser enthalten ist kannst du in den Untersuchungsblättern der Gemeinden im Internet lesen. Wenn du es nicht glaubst, dann kannst du dein Wasser untersuchen lassen, dir einen Wasserfilter einbauen, der gleich auch noch Rückstände von Pestiziden, Medikamenten und anderen Chemikalien herausfiltern kann. Doch zurück zur Gülle. Vom Landratsamt werden die Ausbringungszeiten durch die Gülleverordnung festgelegt. Auch wird jeder verantwortungsbewusste Bauer nur düngen, wenn es die Witterungsverhältnisse zulassen. So die Theorie. In der Praxis sieht das oft anders aus, ein Bauer ist eben auch kein Wetterfrosch. Da stinkt es regelmäßig am Wochenende, so der Eindruck. Wie viel Gülle ein Hof produziert ist abhängig von der Menge der Tiere, dafür gibt es eine Maßeinheit nämlich: Großvieheinheiten je Hektar (GV/ha). Für die konventionelle Landwirtschaft gelten zwei Tieren pro Hektar als extensiv oder durchschnittlich. Dieser Wert ist nun bis auf ca. 10 Tiere steigerbar, wenn man denn die Tiere halten, füttern und die Ausscheidungen entsprechend lagern kann. Wohin aber dann mit der Gülle? Salopp gesagt kann man doch nicht mehr draufschei... als man runterfrisst. Oder sehe ich das falsch? Hier würde doch etwas Zurückhaltung gut tun, oder nicht, denn legt man ökologische Maßstäbe zu Grunde, so würde man nur die Tiere stehen haben, die der eigene Boden auch ernähren kann, die der Boden auch verträgt, ohne totgedüngt zu werden. Bei den Kühen wären das 0,5 bis max. 1,5 Tierlein. Ein Bauernhof muss vor allem eines sein: effizient. Da nutzt es wenig, wenn man die schönsten Rindviecher hat und doch keine Milchmenge, die mit den Nachbarn konkurrieren kann. Da sprießen riesige Ställe fast schon über Nacht aus dem Boden, grad wie im Wettlauf. Und wieder steht die Frage: wohin mit der Gülle? Drauf schmeißen und warten was passiert? Das darf man nicht, denn wie alles ist auch dies per Gesetz geregelt: pro Hektar Land darf nur aufgefahren werden, was 2,6 GV produzieren, es gilt ein Grenzwert von 80 kg Phosphat pro Hektar. Tja, da beißt sich der Fuchs in den Schwanz: zuviel Tiere, zuviel Gülle. Kontrolliert das eigentlich jemand, wie viel wo wann ausgebracht wird? Das Dilemma zeigt sich spätestens in der Belastung des Grundwassers. Aber was soll’s: der Mensch ist erfinderisch, er treibt Handel, auch mit Gülle, da wird im wahrstem Sinne des Wortes aus Scheiße Gold. Geht doch. Gülletourismus ist das Zauberwort, da karren wir nicht nur die eigene Gelump quer durch die Republik, es wird auch noch importiert, von Holland etwa, nicht nur den Fußball, die Holzschuhe, den Käse, auch lastwagenweise Kuhkake. Das das stimmt, ist bekannt. Nicht nur die Reste des kuhschen Verdauungsapparates finden Ihren Weg, auch der vom Schwein und Federvieh, der dann wochenlang erbärmlichst stinkend vor unseren Wohnungsfenster müffelt - überbetriebliche Verwertung organischer Nährstoffträger heißt das im Fachjargon. Wir stecken mitten in der Scheiße, im wahrsten Sinne des Wortes. 


Glückliches Landleben. 
Dabei wäre es so viel leichter: gebt den Bauern einen vernünftigen Preis für ihre Erzeugnisse und genießt die Produkte aus der Landwirtschaft in Maßen und nicht in Massen. Dies wiederum würde die "Erzeugung" hin zu öklologischer Nachhaltigkeit und damit zur artgerechteren Haltung führen. So einfach ist das. Hoffe ich. Dann sind Nahrungsmittel etwas, dessen Wert man schätzt, landwirtschaftliche Gerüche mal eben eine kurze "Belästigung" und nicht eine dauernde Last und Belastung unseres Lebensraumes. 

Gerne lasse ich mich eines Besseren belehren, von denen, die es genauer und besser wissen. Ich weiß genau es geht auch anders. Dieses Anders muss mehr werden, als das konventionelle Hier & Jetzt. Das können wir nur gemeinsam erreichen, wenn jeder mithilft. Wir alle können etwas tut. "Steter Tropfen höhlt den Stein". Es heißt aber auch: "Der Krug geht solange zum Brunnen bis er bricht".  

Quellen:http://www.effizientduengen.de, http://www.nordsee-zeitung.de/index.php?artikel=-Nitrat-Die-Zeitbombe-tickt-&arid=864752&pageid=17, http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/bauern-warnen-vor-milchschwemme-es-wird-produziert-auf-teufel-komm-raus/6314658.html, http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Gro%DFvieheinheit.html, hhtp://de.wikipedia.org/wiki/Viehbesatz, http://drupal.provieh.de/node/11011





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