Mittwoch, Dezember 05, 2012

Klausentreiben im Gäu

Klausen (Quelle: http://www.oberstdorf.de)
Klaus (Quelle: www. obersdorf.de)
Von Landstrich zu Landstrich gibt es Bräuche, die sich trotz intensiver Missionarstätigkeit über die Jahrhunderte hinweg erhalten haben. Einer dieser Bräuche im Gäu ist das Klausentreiben in der Nacht vom 5. und 6. Dezember. Und nicht nur im Allgäu gibt es das auch in der Schweiz und Östereicht, ja sogar in der fernen Ukraine, nur findet es dort am 06. Januar - einen Tag vor Weihnachten statt. Wenn man die Gestalten sieht, die da unter lauten Schellen und ordentlich Gebrüll durch die Straßen rennen, und man ist alleine - lach, so wie ich gestern, da wird einem schon mal anders. Ich wollte doch nur ein Foto haben, dass war zuviel. Ich konnte nur noch die Beine in die Hand nehmen - die waren wirklich sehr aggressiv. Muss dass eigentlich sein? Na, auf jeden Fall weiß ich nun dass man vom "Auf-einmal-losrennen-wie-ein -Irrer" einen Bluterguss am Oberschenkel bekommen kann. Und dass ein saukomisches Gefühl ist, vor den Klausen davon zulaufen. Immer lauter wird das Schellen, immer schneller möchte man laufen :-))). Bin selten so geflitzt. :-))))))))))))))).

Das Klausentreiben soll zu den ältesten Bräuchen überhaupt gehören. Im Winter, wenn es draußen ungemütlich ist, die Dunkelheit präsenter wird, als das Tageslicht, da haben mystische Gestallten nach dem Glauben unserer Ahnen leichteren Zugang in unsere Welt. Wenn es dunkelt, der Schnee mit sanften weißen Bögen alles Eckige rundet, Zwielicht und Schneefall eine besondere Atmosphäre schaffen, lange Schatten sich in die Schneewehen schmiegen und seltsame Formen bilden, da spürt man die Spannung in der Luft: Was ist da draußen? Ist es ES? Was will es, wo kommt es her? Aus der Dunkelheit? Wie lange bleibt es Winter, wie kalt wird es, wann kommt der Frühling wieder, reichen die Vorräte bis dahin? Dies und ähnliche Fragen bewegten die Menschen in ihren Häusern. Und wer kann Schabernack treiben, den Menschen schaden wollen, dass ihnen das Leben schwer und bitter werde? Richtig: Dämonen und Geister. Und diese durften nicht in die Siedlungen, sie mussten weg bleiben. Nun kam die Täuschung: die mutigen jungen Männer verkleiden sich mit Felle und geschnitzten Holzmasken zu phantasievollen Wesen und zogen lärmend mit Schellen und Glocken durch die Straßen und Häuser. Die Wesenheit glaubte nun, dass da schon einer seiner Kollegen sein Unwesen trieb, suchte sich also einen anderen Ort. In früherer Zeit sah man die Klausen mit Holzmasken, heute im Gäu aber mit Fell und Hörnern. Und sie sehen immer wieder anders aus, immer wieder neu, die Beteiligten geben sich große Mühe, auch ja furchterregend auszusehen.   Beim sogn. Kesseltreiben kommen dann die Beteiligten auf dem Dorfplatz zusammen, stellen sich im Kreise auf und fangen zu springen an. Da sie auch die großen Kuhglocken umhaben, ist das ein Höllenlärm. 
Und wenn man dann draußen ist und lässt sich von den Klausen erwischen, dann kann es schon sein, dass man sich im Schnee wiederfindet, beten oder singen oder einige Schläge einstreichen muss. Wie heftig? Das hängt vom Klaus und seiner Laune ab, denn die Klausen jagen längst keine Dämonen und Geister mehr, sondern euch, wenn ihr euch zu nahe heranwagt.


Klausenverein Immenstadt (Bild-Quelle)
Nicht nur die Männer rennen vermummt draußen herum, einen Tag vorher sind die Frauen dran mit dem sog. Bärbelestreiben, zum Barbaratag. Hier sind die Frauen und Mädchen zu Gange, in alte Klamotten gehüllt, natürlich mit Masken und Schmuck aus Naturmaterialien. Auch sie haben Schellen dabei und Reisigbündel aus Weide oder Birke. Das sollten sie schweigend von haus zu Haus gehen, hier fegen sie symbolisch mit dem Reisig alles Unreine zur Türe hinaus, weiter geht es auf dem Hofe und die Straßen hinab. Auch sie verteilen Hiebe, aber sanfter, denn ihre Streiche sollen Fruchtbarkeit und Glück bringen. Kinder bekommen Äpfel oder Nüsse geschenkt. Und wer böse ist, tja, der bekommt auch so eins über. 





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