Sonntag, Oktober 07, 2012

Pilze, Pilze - Fliegenpilz



Bei einem Streifzug durchs Voralpenland sieht man diese wunderschönen farbenfrohen Gebilde schon von weitem in noch grünen Grase leuchten. Jedes Kind kennt sie und hütet sich davor. Manches Jahr sehr selten, dann wieder vermehrt, so sind sie eben.  Der Volksmund nennt sie auch Fliegenschwamm, wohl weil er früher in Milch gelegt wurde, taten sich dann die Fliegen daran gütlich so wurden sie betäubt, bzw. verstarben. In alter Zeit waren die Pilze den Menschen oft auch heilig, sie sahen anders  als das Gewohnte aus, schossen über Nacht aus dem Boden, wuchsen in Formationen (Hexenring), es wohnten ihnen Kräfte inne, die man nicht kontrollieren kann. Manche brachten den Tot, andere langes Siechtum, Halluzinationen, Schäden an Leber, Nieren, Augen usw. Dabei ist das was da in so verschiedentlicher Gestalt zwischen Unterholz und Baumwurzeln, auf Totholz und auf Wiesen in unzähligen Farben wächst nicht der Pilz, sondern nur der Fruchtkörper. Manche kann man essen, manche sind ungenießbar, manche giftig und einige werden "zweckentfremdet". Unser Kamerad, von dem hier die Rede ist jedenfalls bringt es zu einiger Bekanntheit, ist auch schon zu einem Glückssymbol   avanciert. Die alten Germanen glaubten, dass die Fliegenpilze nur an den Stellen wachsen, an der das Pferd Odins Schaum verliert. Er steht auch für Fruchtbarkeit, ich kannte als Kind einen Mann, der hat diese Pilze gegessen, ich konnte das gar nicht begreifen und fand es sehr verrückt. Er entfernte die Haut und kochte die Pilze einige Zeit, er hat 5 Söhne :-) vielleicht ist ja doch was dran? Spaß beiseite der Mann starb recht jung, aber nicht an Pilzvergiftung. Der Fliegenpilz gehört zu der Gruppe der Wulstlinge, erste Vergiftungserscheinungen treten nach 1/2 bis 4 Stunden auf. Seine Toxine wirken u. a. auf das Zentralnervensystem und rufen rauschartige Anfälle, Krämpfe, Sinnestäuschungen und Sprachstörungen hervor. Wer sich daran vergiftet hat, entwickelt ungeahnte Kräfte. Anschließend folgen Bewusstlosigkeit, Atemnot und Blutdruckabfall. Das Ganze dauert um die 24 Stunden (Quelle: TB für Pilzfreunde / Henning / Kreisel). Da die Dosis das Gift macht und Todesfälle selten sind, gab es natürlich Menschen, die den Pilz trotzdem nutzen: die Bewohner Sibiriens (Tungusen, Tschuktschen, Ostjaken usw.)z. B. hatten ihn für sich entdeckt. Die Pilze werden getrocknet, in kleinen Döschen mitgeführt und hin und wieder bei Bedarf ein Stücklein in den Mund genommen. (Quelle: Phantastica / Lewin). Auch soll er in Wodka eingelegt werden und dann auch gewisse Zustände hervorrufen. Weiter will ich hier gar nicht ins Detail gehen. Einfach stehen lassen und sich an seiner Schönheit erfreuen. 


Manche Pilze bringen das Holz auf dem sie wachsen zum Leuchten.  Gesehen habe ich es noch nicht, da ich aber gestern auch Hallimasch gefunden habe, deren Myzel leuchten soll, werde ich da mal schauen gehen. Kein Wunder, dass es heisst, nachts im Walde schauen einen 1000 Augen an - vielleicht sind es gar keine Augen sondern Pilze. Eine Anleitung wie man auch Leuchtpilze züchten kann gibt es hier. Außerdem kann man die Brut hier auch bestellen, dass wird dann das Experiment für das nächste Jahr. 




Kommentare:

  1. Zwei kleine Anmerkungen: 1. Das "Fliegen" im Fliegenpilz könnte wohlmöglich auch ein Indikator für die abhebende Wirkung dieses Krötenstuhls sein - immerhin ist er der Hexen- und Schamanenpilz schlechthin, und seine Fähigkeit, Geist und Seele zu lüften dürfte bei der Namensgebung eine weitaus größere Rolle gespielt haben als seine Rolle in der Fliegenbekämpfung. Wie auch immer man das nun sehen mag: die Etymologie ist umstritten.
    2. Die große Stärke und die Berserkerwut, die angeblich dem Fliegenpilzrausch entspringen soll, ist wohl eher ein Mythos. Der A.-muscaria-Rausch zeichnet sich auf körperlicher Ebene vielmehr durch Opium-ähnliche Qualitäten aus und der legendäre Heilschlaf des Pilzes hat wenig zu tun mit großen Kräften und Aktivität. Interessante Literatur zu diesem Pilz der Pilze (der weit weniger giftig ist, als landläufig angenommen): Bauer, Klapp, Rosenbohm: "Der Fliegenpilz" (2000); Allegro: "Der Geheimkult des heiligen Pilzes" (1971). Grüße und danke für die schönen Bilder!

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  2. Von eigenen Experimenten bin ich weit, sehr weit entfernt, daher kann ich nicht aus Erfahrung sprechen. Fakt soll aber sein, dass der Pilz getrocknet und nachfolgend geraucht bzw. verzehrt werden kann. Tut man dies so, hätte man angeblich am Schluß nicht mit Problemen des Verdauungstraktes zu kämpfen, als wenn man ihn erntefrisch verspachteln würde. Wie auch immer: zu "Weihnachten" wünsch´ ich mir dem Herrn Rätsch sein Pilzbuch, er wird wissen :-), dann erhelle ich meinen Geist mit Wissen. :-)))

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