Donnerstag, Oktober 25, 2012

Denkt´nicht, du wärst modern - mal ein fast (un)freiwilliger Beitrag der bei Kuhfladen-Tee und Kuhkacke aufhört

Körniger Rinderdungbecherling - Quelle Wikipedia
...wenn du für dich entschieden hast, dich gesund zu ernähren, weniger Fleisch zu essen, deine Nacktheit als natürlich anzusehen, Erholung in der Natur zusuchen, dich selbst ein wenig zu kurieren mit dem was um dich herum wächst, das ist nicht neu, das war alles schon mal da. 
Ob in der Antike oder im jungen Mittelalter, der Mensch war einfach Mensch. Ob jung oder alt, alles hatte seine Berechtigung. Man nutzte die Kraft der Elemente um seinen Körper gesund zu erhalten. Klares reines Wasser zum Trinken, die Sonne zum Kraft tanken, den Wind, der frische Luft brachte und das Feuer, das das Tote verzehrte. Heute bist du frei, in deinen Entscheidungen, wie du leben willst. Veganer und Vegetarier sind keine Randerscheinung, naturverbundene Menschen - wilde Weiber und bärtige Kerle, es gibt sie noch, sie konnten nicht wegresozialisiert werden, nicht umerzogen zum Otto. Es gibt so manchen, der hat einen besonderen Zugang zur Umwelt, hört, was viele nicht hören wollen, sieht, was kaum wahrgenommen werden kann. Man spürt es tief in seinem Inneren wenn man nur zuhören nicht verlernen wollte. All das, was heute wieder in auch so modern aufgemachten Büchern unter fantastischen Namen veröffentlicht wird, gab es in ähnlicher Form schon. Dabei humpelt das Wissen auf der Straße hinter einer Gehhilfe her, oder sitzt im Altenheim, wartend auf den Tag der Erlösung. Keiner hat Zeit, achtlos hastet man vorbei, wer hat schon Lust und Zeit, den Alten zuzuhören? Gestresst torkeln wir durch die Gegend, von einem Termin zum nächsten hetzend.

Und jetzt meine Bitte: bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit: bitte lächeln. 

Die Reaktion kann nicht ausbleiben, ein freundlicher Gruß, das Gesicht strahlt, oft lässt sich leicht ein Gespräch anknüpfen, dann höre zu. Es wird bereitwillig so vieles preisgegeben, was du so noch nie gelesen hast, kannst du auch nicht, denn hier berichtet ein Zeitzeuge. Vielleicht entsteht auf diese Weise eine nette Bekanntschaft, versuch es ruhig mal, sei mutig. In unseren kleinen Ort gibt es etliche Damen und Herren älteren Semesters, es ist so unglaublich vielseitig was sie zu erzählen haben. Und wenn sie merken, dass man ernsthaft zuhört, so fördert man so manchen Wissensschatz zu Tage. Einer erzählt vom Heuen, Vorräten anlegen, der Nächste vom Mond und seinen Phasen, ein Dritter von Pilzen und Kräutern. 

Kuriositäten erfährt man: wie z. B. die Geschichte vom Kuhfladentee, der den Anhängern der kneippschen Lehren wohlbekannt sein dürfte. Die Besonderheit liegt aber in der Art des Fladens, nur von der Kuh, die viele Kräuter gefressen hat, denn muss man nehmen. Wenn du schon mal in eine "Tretmine" eingetapst bist, erinnerst du dich bestimmt an das Aussehen. Wenn’s der Richtige ist, dann sieht man die fein zermahlenen Kräuter noch. 


  • Der Fladen wird getrocknet und pulverisiert. Und wenn man nun Fieber bekommt, dann nimmt man 2 TL Pulver und gießt 1/4 l Wasser darüber und lässt das Ganze etwas ziehen, seiht ab und gibt Honig daran um es zu süßen



  • Eine andere Frau sagte, man soll das Pulver mit Milch aufkochen, abkühlen lassen, seihen und dem Kranken zu Trinken geben.
  • Quält man sich mit einen Geschwür herum, so koche man ein bisschen Exkrement vom glücklichen Hornvieh in Rizinusöl, gebe das Öl nach dem Seihen als Kompresse auf die Stelle (auch nachzulesen im "Magazin der ausländischen Literatur der gesamten Heilkunde...“). 
Durch die Zersetzungsprozesse bildet sich im Fladen ein dem Penicillin ähnlicher Stoff, und wenn man bedenkt das Antibiotika so genannten Nährstoffräuber sind und uns Vitamine der B Gruppe, ebenso K-Vitamine, auch das bei Erkältungen wichtige Vitamin C mopsen, na vielleicht probieren wir ja doch man den Tee :-). Etwas dran sein muss ja, nicht nur im Gäu weiß man um die Wirkung von Kuhmist, auch die Veden - bei denen es "gobar" heißt, nutzten den Naturstoff. Ihm wird eine adstringierende Wirkung zugeschrieben. Die zusammenziehenden Stoffe verändern die Eiweiße an Ort und Stelle, so dass ihre Funktion eingeschränkt wird, dadurch nun wieder verschließen sich Wunden viel schneller. Und wenn man nun auch noch weiter davon ausgeht, dass die Alten wirklich recht haben und die desinfizierende Wirkung ebenfalls vorhanden ist, da dann wir es doch wirklich interessant. 

So ist ein Fladen ein perfektes Düngemittel, für die empfindlichen Erdbeeren z. B. Das wusste auch meine Oma Martha, mit ihr bin ich als Kind immer auf die Weide gegangen zum Mist holen. Die Fladen mussten oben leicht angetrocknet sein und innen noch feucht. Man wird sich wundern, wie schnell das Gratiszuhause von Dungkäfern und Mistfliegen bevölkert wird. Auch Hefe, Bakterien und Pilze zersetzen ihn weiter. Im Laufe der Zeit bleiben nur ein paar Krümel über die die Regenwürmer und Mistkäfer eingraben. Überall auf der Welt wird der Naturstoff genutzt, auch als Baumaterial im Baulehm. Für die geflochtenen Behausungen in Afrika, deren Außenhaut aus Kuhkacke besteht. Einmal erhärtet ist sie geruchlos. 

Und wenn wir schon mal beim Thema Kuhscheiße sind, so liefert Der Spiegel in einer Ausgabe vom 30.04.1979 zum Thema alternative Energien einen Bericht über die Verwendung von Kuhdung nebst Minianweisung wie man denn ein Heimkraftwerk selber bauen kann. Im Jahre 2012 nun sind die grünen Kraftwerke auch in Deutschland immer mehr im Kommen, auch unser Dorf hat eins, es ist nicht zu überriechen, man kann es wunderbar nachzulesen in dieser Reportage (PDF-Download) vom Handelsblatt. Jetzt bin ich wieder mal weit abgekommen, von dem was ich schreiben wollte. Ich lass das jetzt einfach mal als Gedankengang der im Zuge einer Teestunde unter Butterbroteinfluss entstand, stehen. Und wem das stinkt, der kann ja baden.








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