man kann über das Wetter sagen was man will - Powidelgeschichte

... ich liebe Nebel und Nieselregen. Da hört und sieht man nix und nimmt nur das wahr, was lohnt war genommen zu werden. Kürzlich war ich wandern im Elb-Sandstein-Gebirge. An manchen Tagen war es zu heiß auch im Wald, an einem Tag war es windig, wolkig, kühl, Nebel am Morgen, die Feuchtigkeit hing den ganzen Tag in den Wiesen - genau mein Ding. Die Luft geschwängert vom Duft der überreifen Zwetschgen und Mirabellen, die die übervoll geladenen Äste der vielen Obstbäume hingen stöhnend zum Bersten gebogen nach unten. Warteten nur darauf, dass endlich jemand kam und pflückte. Manch einer der alten Bäume hatte unter dem Gewicht des Überflusses nachgegeben und streckte die noch immer vollen Äste anklagend gen Himmel. Niemand kam und nahm das Geschenk der Bäume an. Wer geht heute noch und pflückt selbst? Erinnerungen an die Kinderzeit werden wach, an selbst gekochtes Mus und Marillenknödel. An eine verlorene Uhr, eine goldene Spangenuhr, ein Geschenk von Mama, trotz Warnung beim Pflaumenpflücken anbehalten. Ein Drehung des Handgelenkes auf dem Baume sitzend und das gute Stück sprang auf und fiel zu Boden. Ich fand sie in diesem Jahr nicht mehr. Sosehr ich auch suchte. Jahre später ging ich spazieren mit meinem Freund und erzählte ihm die Geschichte von der verlorenen Uhr, suchte den Baum, und da hing sie - in Sichthöhe (war ja gewachsen inzwischen) fast unversehrt. Gesucht hatte ich am Boden im hohen Gras zwischen Brennesseln und jungen Schößlingen. Ach hätte ich den Blick doch nur einmal nach oben gerichtet. So war sie weg und Mutter traurig.

Als Erinnerung an diesen Tag hier das Rezept für

Powidl - der Pflaumenmusspezialität aus Tschechien: 

1kg richtig reife Pflaumen, wenn sie schon schrumplig werden wollen werden entkernt und in einen weiten Topf gegeben. Nun fügt man eine Tasse Zucker hinzu und läßt es über Nacht stehen - dadurch ensteht Saft, nun kocht man es auf  und wenn es schäumt, langsam weiterkochen, bis der Löffel drin stehen bleibt. Rührt fleisig, sonst brennt es an. Kochendheiß in saubere Gläser füllen, etwas Rum oben drauf schütten und anzünden. Nun flugs den Deckel aufsetzen und zuschrauben.

Das wars schon. Ganz einfach, jeder kanns. Viel Vergnügen beim Essen - auf frische Semmel gestrichen oder zu Buchteln mit Powidlfüllung und Powidlsauce.

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